08.12.2019, 18:28 Uhr | von | Steuern

Österreichs Abgabenquote ist auf insgesamt 42,2 Prozent gestiegen und damit im OECD-Vergleich auf Rang sechs. Spitzenreiter ist weiterhin Frankreich mit einer Steuerquote von 46,1 Prozent.

OECD-Vergleich: Österreichs Abgabenquote gestiegen - Entlastung erwartet
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Steuerquote in Österreich gestiegen

Österreich liegt mit einer Steuerquote von 42,2 Prozent auf Rang sechs im internationalen Vergleich der Industriestaaten. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg von 0,4 Prozent. Das zeigen die aktuellen Zahlen der "Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung" (OECD).

Die höchten Abgabenquoten haben Frankreich mit 46,1 Prozent, gefolgt von Dänemark (44,9) und Belgien (44,8). Österreich liegt damit 7,9 Prozent über dem OECD-Durchschnitt, der derzeit 34,3 Prozent beträgt.

Entlastung als Ziel der neuen Regierung

Eine steuerliche Entlastung der geringen und mittleren Einkommen gilt als eines der wichtigsten Themen der aktuellen Regierungsverhandlungen.

Die Volkspartei wollte die Reduktion der Einkommensteuer noch im Zuge der Steuerreform bis 2023 gemeinsam mit der FPÖ umsetzen. Gebremst wurde man durch das Ende der Koalition und den Neuwahlen. Eine Senkung der Abgabenquote "in Richtung 40 Prozent" war das erklärte Ziel beider ehemaligen Regierungspartner.

Auch die Grünen, die derzeit noch über eine Regierungsbeteiligung verhandeln, sehen eine Entlastung des Faktors Arbeit als notwendiges Ziel.

"Wir setzen uns daher dafür ein diese Schieflagen in unserem Steuersystem zu beheben. Wir möchten den Tarif in der Lohn- und Einkommensteuer senken", teilt Clara Schweighofer von den Grünen im Gespräch mit Finanz.at mit. Man müsse "vor allem niedrige und mittlere EinkommensbezieherInnen überproportional entlasten".

Wie eine aktuelle Umfrage von Finanz.at ergeben hat, wünschen sich auf 93,1 Prozent der Österreicher eine Reduktion der Steuern auf Einkommen von der neuen Bundesregierung.

Abgaben auf "Arbeit" besonders hoch

Besonders die Steuern auf Arbeit sind in Österreich überdurchschnittlich hoch. Die Einkommensteuer ist im EU-Vergleich mit einem Grenzsteuersatz von maximal 55 Prozent eine der höchsten. Nur Schweden hat mit bis zu 65 Prozent einen höheren Grenzwert.

Gleichzeitig sind in Kosten für Arbeit in Österreich in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Das zeigt unter anderem eine Grafik der Statistik Austria und der Österreichischen Energieagentur:

Quelle: Statistik Austria / Österreichische Energieagentur - WKO.at
Quelle: Statistik Austria / Österreichische Energieagentur - WKO.at

Die Grafik zeigt, dass die Kosten für eine Arbeitsstunde eines KFZ-Mechanikers seit 1976 um rund 160 Prozent gestiegen sind, während die Energiekosten (Bezin, Diesel und Heizöl) annähernd gleich geblieben sind.

"Während fossile Energieträger heute genauso viel kosten wie vor 30 Jahren ist die Arbeit ständig teurer geworden. So wird beides rausgeschmissen: Die billige Energie beim Fenster und die teuren Arbeitskräfte bei der Tür", kritisiert Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, diese Entwicklung auf Twitter.

Ökonomen sehen Studie kritisch

"Man muss bei diesen Zahlen sehr vorsichtig sein. Die Abgabenquote allein ist zwar plakativ, aber wenig aussagekräft", teilt Ökonom Gerald Kropf auf Anfrage von Finanz.at mit. "Den Abgaben stehen auch unter anderem Sozialleistungen gegenüber."

Staaten mit niedrigeren Steuerquoten haben meist auch weniger Leistungen zu tragen. Besonders das Gesundheits- und Pensionssystem beruhen in den Staaten mit geringerer Abgabenquote oftmals vermehrt auf privater Vorsorge.

Die Abgabenquote in den USA beispielsweise ist im Vergleich sehr niedrig. Das ist jedoch auch auf die Reduktion der Unternehmens- und Einkommensteuern zurückzuführen. Zudem stehen den Steuereinnahmen des Staates auch deutlich geringere Ausgaben im Sozialsystem gegenüber, als es etwa in Österreich der Fall ist.

Mario Schantl
Email: ms@finanz.at
Redakteur, Ressort-Leiter Immobilien
Experte für Immobilien und Finanzierung
Redaktion | Kontakt | Steiermark
Mario Schantl ist Experte für Finanzierungen und Immobilien und berichtet als Redakteur auf Finanz.at über Nachrichten und Sachverhalte.

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