Der Spitzensteuersatz stellt die letzte und höchste Stufe bei den Einkommensteuertarifen dar. In den meisten Ländern der Welt, auch in Österreich, gilt ein progressiver Einkommensteuertarif. Das bedeutet, dass die Höhe der Steuern, die Sie auf Ihr Einkommen bezahlen müssen, davon abhängig sind, wie viel Einkommen sie pro Jahr erwirtschaften.

Spitzensteuersatz in Österreich

In Österreich gibt es 7 Einkommensteuertarife. Die erste Stufe reicht bis 11.000 EUR und wird auch Freibetrag genannt, da in diesem Bereich noch keine Einkommensteuer anfällt. Danach, bis 18000 EUR, müssen Sie 25% Einkommensteuer auf Ihr Einkommen zahlen. Von 18.000 EUR bis 31.000 EUR sind 35% fällig, von 31.000 EUR bis 60.000 EUR 42%, von 60.000 EUR bis 90.000 EUR 48%, von 90.000 EUR bis 1.000.000 EUR 50% und ab einem jährlichen Einkommen von 1.000.000 EUR werden 55% fällig. Das bedeutet, der Spitzensteuersatz liegt momentan bei 55%. Ab 2020 wird die Spitzensteuer allerdings auf 50% herabgesenkt, was zur Folge hat, dass der Spitzensteuersatz von da an effektiv ab 90.000 EUR gilt und die bisherigen ersten beiden Steuerklassen in eine einzige Steuerklasse vereinigt werden.

Einkommensteuersätze

Einkommen pro Jahr bis Steuersatz
11.000 0%
18.000 25%
31.000 35%
60.000 42%
90.000 48%
1.000.000 50%
über 1.000.000 55%

Staffelung

Bei der Staffelung der Steuersätze ist wichtig zu verstehen, dass nicht das gesamte Einkommen mit dem Spitzensteuersatz versteuert wird. Angenommen, Sie verdienen 1.100.000 EUR pro Jahr, und fallen somit in Österreich in den Bereich des Spitzensteuersatzes. Nun werden aber nicht die gesamten 1.100.000 EUR mit 55% besteuert, sondern nur der Anteil des Betrages, der auch wirklich über der Grenze des Spitzensteuersatzes liegt. In diesem Beispiel würden also nur 100.000 EUR mit 55% besteuert werden. Der Rest des Einkommens wird ebenfalls nach diesem Muster versteuert. Die ersten 11.000 EUR sind also auch bei einem Jahreseinkommen von 1.100.000 EUR steuerfrei.

Vergleich mit anderen Ländern

Wenn man die 50 bzw. 55% Spitzensteuersatz in Österreich mit anderen Ländern in der Europäischen Union vergleicht entsteht zunächst der Eindruck, Österreich sei eines der am höchsten besteuernden Länder. Und auch wenn dies in absoluten Zahlen stimmt, wird unter Betrachtung der Betragsgrenze, ab welcher der Spitzensteuersatz gilt deutlich, dass der Vergleich nicht so einfach ist. So gilt der Spitzensteuersatz in Deutschland schon ab einem jährlichen Einkommen von knapp über 54.000 EUR, während er in Österreich erst ab 1.000.000 EUR oder ab 2020 ab 90.000 EUR beginnt. Im Moment zahlen in Deutschland ungefähr 9% aller Arbeitenden den Spitzensteuersatz, in Österreich waren es 2017 hingegen nur 197 Personen insgesamt. Im Vergleich aller EU-Länder liegt Österreich mit seinem Spitzensteuersatz im Mittelfeld.

Der Spitzensteuersatz und der progressive Einkommensteuertarif allgemein wurden eingeführt, um für mehr Gerechtigkeit bei der Steuerzahlung zu sorgen. Geringverdienende sollen entlastet werden, damit sich diese einen guten Lebensstandard leisten können. Reiche sollen stärker besteuert werden, da ihr hohes Einkommen keine wirkliche Steigerung im Lebensstandard mehr darstellt. So kann der Staat mehr Geld einnehmen, um dies wiederum in Projekte wie den Internetausbau oder eine gesetzliche Krankenversicherung zu investieren. Das ist natürlich umstritten, da je nach Wirtschaftsanschauung die Finanzkraft lieber bei Privatpersonen oder lieber beim Staat gesehen wird. Oft wird dem Staat vorgeworfen, er sei nicht effizient genug, um die Steuern gut einzusetzen und dass Privatpersonen durch eigene Investitionen die Gesellschaft besser voranbringen können. Diese Debatte wird wohl nie endgültig lösbar sein.