Unter einer Steuerreform versteht man im Allgemeinen eine größere oder gar grundsätzliche Änderung des aktuellen Steuersystems oder einzelner Teile des Steuergesetzes eines Landes. Ein Steuerreformvorschlag bezeichnet ein konkretes Konzept, welches zur Änderung des Steuerrechtes im Rahmen dieser Reform dienen soll.

Steuerreform 2021

Die neue Bundesregierung aus ÖVP und Grünen beschloss im gemeinsamen Regierungsprogramm eine Steuerreform. Sie soll bis 2021 teilweise und bis 2022 komplett in Kraft treten und geringe und mittlere Einkommen, sowie Unternehmen und Familie entlasten soll. Zudem soll sie ökologisiert und damit umweltfreundlicher werden.

Lohnsteuersenkung

Bis 2022 soll die Lohn- und Einkommensteuer gesenkt werden. Teile der Steuerreform sollen bereits am 01. Januar 2021 in Kraft treten.

Diese Steuersenkung sieht eine Reduktion der untersten Steuertarife, die derzeit mit 25, 35 und 42 Prozent besteuert werden, auf zukünftig nur noch 20, 30 und 40 Prozent vor. Damit werden alle Einkommen über 11.000 Euro pro Jahr begünstigt.



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Die neue Lohnsteuertablle soll wie folgt aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro 55 % 55 %

Wann diese Lohnsteuersenkung in Kraft treten wird ist noch nicht fixiert.

Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer auf Gewinne von Unternehmen soll künftig nur noch 21 Prozent statt der bisherigen 25 Prozent betragen.

Erhöhung des Familienbonus

Der Familienbonus Plus soll von 1.500 Euro auf 1.750 Euro erhöht werden. Damit soll Kinderarmut in Österreich durch höhere Steuerbefreiung für Familien mit Kinder pro Jahr bekämpft werden.

Steuerreform 2020

Die Steuerreform der Bundesregierung unter ÖVP und FPÖ setzte eine Steuerreform um, die mit 2020 in Kraft getreten ist. Das Jahressteuergesetz 2018 wurde im Parlament beschlossen:

Familienbonus Plus

Wenn man so will, ist der Familienbonus Plus das Herzstück der Reform, die im Zuge des Jahressteuergesetz 2018 übermittelt wurde. Damit sollen 1,6 Millionen Kinder bzw. rund 950.000 Familien durch steuerliche Entlastung profitieren. Es wird nämlich ab Anfang des Jahres 2019 für Familien möglich, einen Absetzbetrag von jährlich bis zu 1.500 Euro pro Kind zu erhalten, welche direkt von der Einkommensteuer im Zuge der Arbeitnehmerveranlagung oder der Steuererklärung abgezogen werden.

Bei Kindern, die das 18. Lebensjahr überschreiten, kann eine finanzielle Unterstützung von bis zu 500 Euro pro Jahr und Kind erhalten werden. Genauere Regelungen rund um den Familienbonus sind dem Artikel über diesen zu entnehmen.

Steuererleichterung für landwirtschaftliche Versicherungen

Ebenso wird im Zuge der Steuerreform eine Erleichterung in Bezug auf Steuern für landwirtschaftliche Versicherungen vorgesehen. So soll die Versicherungssteuer für alle Elementarrisikoversicherungen einheitlich gestaltet werden. Eine Herabsetzung ist die Folge. Die Versicherungssteuer soll künftig nur noch 0,2 Promille der Versicherungssumme betragen – bisher war es der Fall, dass bei Versicherungen (bis auf die Hagelversicherung) 11% vom (Versicherungs-)Entgelt abzuführen waren. Das Finanzministerium rechnet damit von einer Einnahmeneinbuße von 5 Millionen Euro pro Jahr.

Besteuerungen von Gewinnen ausländischer Tochtergesellschaften

Ferner ist eine höhere Steuerbelastung von ausländischen Tochtergesellschaften vorgesehen. Diese unterliegen nämlich zukünftig der österreichischen Körperschaftsteuer – wenn diese nicht an die österreichischen Mutterkonzerne ausschütten. Dies ist ebenso eine Maßnahme zur Bekämpfung von Betrug. Durch diese erhöhte Steuerbelastung erwartet man Einnahmen von bis zu 50 Millionen Euro pro Jahr.

Außerdem wird mit der Hinzurechnungsbesteuerung für schädliche Einkunftskategorien ein weiterer Schritt gesetzt. Nicht ausgeschüttete Passiveinkünfte einer ausländischen, niedrigbesteuerten Gesellschaft werden in Zukunft dem Mutterkonzern, welcher in Österreich ansässig ist, angerechnet.

Grunderwerbsteuer

Im Zusammenhang mit der Grunderwerbsteuer soll im Zuge der Steuerreform auch eine Gesetzeslücke geschlossen werden. Grundstücke sind nur dann zum Vermögen einer Gesellschaft gezählt werden, wenn sie bereits bei der Erwerbung der Grunderwerbsteuer unterlegen sind. Finanziell soll diese Umstellung keine sonderlichen Auswirkungen haben. Eine weitere Änderung ist im Bereich der Schenkung auf den Todesfall zwischen Ehepartner vorgesehen. Hier soll die Möglichkeit einer Befreiung geschaffen werden, wenn die Immobilie dem Erwerber zum Zeitpunkt des Todes als Hauptwohnsitze gedient hat und die Wohnfläche der Immobilie eine Fläche von 150 Quadratmeter nicht überschreitet.

Horizontal Monitoring

Darunter versteht man im Allgemeinen, dass die Möglichkeit einer begleiteten Kontrolle eingeführt wird. Mit anderen Worten bedeutet dies den Austausch zwischen den Unternehmen und der Finanzverwaltung – steuerliche Großprüfungen werden damit weitgehend vermieden. Eine in der Regel nachträgliche Prüfungen durch das Finanzamt wird so durch ein Kontrollsystem, welches in Zusammenarbeit von Unternehmern und durch einen Wirtschaftsprüfer überprüftes Kontrollsystem ersetzt. Dies bedeutet aber wiederum, dass höhere Offenlegungsplichten vorherrschen.

Die Regierung erhofft bzw. erwartet sich laut eigenen Angaben durch diese Änderung einige Vorteile, wie etwa keine Ressourcenbündelung, eine bessere Nachvollziehbarkeit auf Grund von kürzeren Zeitspannen oder die Vermeidung von kumulierten Nachzahlungsbeträgen. Diese Kontrolle kann jedes Unternehmen beantragen, welches innerhalb von zwei aufeinanderfolgenden Jahren einen Umsatzerlös von 40 Millionen Euro überschreitet. Steuerrechtliche Unbescholtenheit und eine Buchführung sind ebenso Voraussetzung hierfür.

Verbindliche Rechtsauskünfte

Mehr Rechtssicherheit soll durch die Ausweitung des sogenannten Advanced Ruling geschaffen werden. So gelangen Unternehmen in gewissen Steuerangelegenheiten an die Möglichkeit, verbindliche Rechtsauskünfte im Voraus zu erhalten. Derzeit ist dies nämlich nur für Unternehmensgruppen, Umgründungen und aber auch Verrechnungspreise möglich. Im Zuge der Änderung wird dies nun auf die Fragen der Umsatzsteuer und des internationalen Steuerrechts ausgeweitet.

Sonstiges

Es gibt auch zahlreiche, weitere Änderungen – diese sind aber finanziell weitgehend unbedeutend. Darunter fällt etwa die 10%ige Abzugssteuer für die Einräumung von Leitungsrechten oder aber auch, dass die Bürgschaftserklärungsgebühr entfällt, so wie einiges mehr.

Zustätzlich wurde unter anderem die Kleinunternehmerregelung erneuert, die NoVA neu berechnet und viele weitere Maßnahmen umgesetzt. Alle Maßnahmen im Detail finden sich im Artikel "Steuerreform 2020 - Diese neuen Regelungen sind jetzt in Kraft".


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Daniel Herndler
Autor:
Chef-Redaktion | Ressorts: Finanzen, Steuern und Wirtschaft
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
Email: dh@finanz.at | Twitter: @DanielHerndler
Stand: 08.01.2020, 14:06 Uhr | Richtlinien | Über Finanz.at | Kontakt

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