Kurzer Überblick zum Arbeitslosengeld

  1. Um Arbeitslosengeld beziehen zu können, muss man sich zunächst beim AMS arbeitslos melden.
  2. Die Höhe wird anhand des Grundbetrags vom täglichen Nettoeinkommen samt Familienzuschlag und Ergänzungsbeitrag berechnet.
  3. Prinzipiell haben Arbeitssuchende 20 Wochen Anspruch auf Arbeitslosengeld in Österreich.
  4. Arbeitslose müssen während des Bezugs dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

Alle Infos zum Arbeitslosengeld, zum Antrag, der Höhe und dem Anspruch auf Geld vom AMS in Österreich finden Sie hier online. Nutzen Sie auch den Online-Rechner auf Finanz.at und berechnen Sie die Höhe und Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld online!

AMS-Kontaktmöglichkeiten

Allgemeine Informationen

Folgende Fragen werden im Artikel geklärt:

  • Welche Bedingungen müssen für einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erfüllt werden?
  • Wie werden das Arbeitslosengeld und der Grundbetrag berechnet?
  • Wann erhält der Antragsteller einen Ergänzungsbetrag und Familienzuschlag?
  • Wie lange kann man in Österreich Arbeitslosengeld beziehen?
  • Wie wird das Arbeitslosengeld konkret beantragt?

Alle Termine zur Auszahlung finden Sie hier.

Arbeitslosenbonus von 450 Euro

Im September 2020 wurde ein erster Arbeitslosenbonus von einmalig 450 Euro ausbezahlt. Ein erneuter Bonus wird bis spätestens Januar 2021 ausbezahlt werden. Alle Informationen zum Arbeitslosenbonus von 450 Euro findet man hier.

Berechnung

Die Berechnung des Arbeitslosengeldes beruht auf der monatlichen Beitragsgrundlage, die vom Dienstgeber an den Sozialversicherungsträger gemeldet wird. Innerhalb einer Berichtigungsfrist von einem Jahr, können die gemeldeten Beitragsgrundlagen vom Arbeitgeber berichtigt werden.

So wird das Arbeitslosengeld berechnet:

Für die Berechnung des Arbeitslosengeldes bei einer Antragstellung ab 01. Juli 2020 gilt daher folgendes:

Zur Berechnung werden die letzten zwölf monatlichen Beitragsgrundlagen vor der Berichtigungsfrist herangezogen. Wird der Antrag also im Januar 2021 gestellt, gilt die Berichtigungsfrist von 01. Januar bis 31. Dezember 2020. Daher werden vorerst monatliche Beitragsgrundlagen aus dem Jahr 2019 berücksichtigt.

Liegen weniger als zwölf monatliche Beitragsgrundlagen im Jahr vor der Berichtigungsfrist vor, werden sechs Beitragsgrundlagen (volle Monate) vor der Berichtigungsfrist herangezogen. Sind weniger als sechs Beitragsgrundlagen (volle Monate) vor der Berichtigungsfrist vorhanden, werden auch Beitragsgrundlagen innerhalb der Frist - also jene, die nicht älter als ein Jahr sind - herangezogen.

Es werden bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes nur vollständige Monate berücksichtigt. Das bedeutet, dass nur Monate herangezogen werden, in denen durchgehend eine arbeitslosenversicherungspflichtige Beschäftigung vorlag. Liegen keine vollständigen Monate vor, werden auch unvollständige herangezogen.

Kann das Arbeitslosengeld nicht anhand der monatlichen Beitragsgrundlagen berechnet werden, wird die bis 2018 vorhandene Jahresbeitragsgrundlage verwendet.

Grundbetrag

Der Brutto-Wert der monatlichen Beitragsgrundlage (maximal die Höchstbemessungsgrundlage) wird in ein Netto-Einkommen umgerechnet. Bei dieser Berechnung werden bestimmte Abgaben und die Einkommenssteuer abgezogen. Der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes beträgt 55 Prozent des errechneten Netto-Einkommens.

Weitere Informationen zur Berechnung findet man direkt beim Arbeitsmarktservice Österreich oder auf ams.at.

Familienzuschläge

Alle Betroffenen, die Kinder in Ihrem Haushalt haben, die maßgeblich wirtschaftlich von Ihnen abhängig sind, erhalten den sogenannten Familienzuschlag. Nebenregelungen gelten auch bei Obsorgeverpflichtungen oder ähnliches. Die Zuschläge in diesem Bereich müssen einzeln berechnet werden.

Ergänzungsbeträge

Liegt der Grundbetrag des Arbeitslosengeldes unterhalb des Ausgleichszulagen-Richtsatzes, wird der Ergänzungsbetrag bis maximal 60 Prozent des Netto-Einkommens ausgezahlt. Kommt man für den Unterhalt sorgepflichtiger Kinder auf, erhält man bis zu maximal 80 Prozent des Netto-Einkommens.

Zuverdienst

Ein Zuverdienst zum Arbeitslosengeld ist grundsätzlich möglich. Dabei gilt die maximale Zuverdiensthöhe von 475,86 Euro monatlich im Rahmen der Geringfügigkeitsgrenze. Diese Summe kann pro Monat brutto dazuverdient werden.

Höchstgrenze

Besteht kein Anspruch auf Familienzuschläge, so darf das Arbeitslosengeld inklusive des Ergänzungsbetrags maximal 60 Prozent des täglichen Netto-Einkommens entsprechen. Wenn ein Anspruch auf Familienzuschläge vorliegt, liegt die Höchstgrenze des Arbeitslosengeldes inklusive Ergänzungsbetrag und Familienzuschlag bei 80 Prozent des täglichen Netto-Einkommens.

Antrag stellen

Für die Beantragung gibt es prinzipiell zwei Verfahrenswege. Zum einen können Betroffene ein eAMS-Konto nutzen oder auch persönlich vorsprechen. Sollte man über ein solches Konto verfügen, kann die Antragsstellung online erfolgen.

Antragssteller, die noch kein AMS-Konto besitzen, müssen den Weg über das persönliche Gespräch mit ihrem Betreuer suchen und beim Arbeitsmarktservice vorstellig werden. Es sind hierbei jedoch ganzheitlich Fristen einzuhalten.

Spätestens bis zu 10 Tagen nach dem tatsächlichen Eintritt in die Arbeitslosigkeit, muss man die persönliche Vorstellung durchführen. Das ist jedoch nur der Fall, wenn man sich bereits vor Eintritt in die Phase der Arbeitslosigkeit arbeitssuchend gemeldet hat. Betroffene, die sich noch nicht arbeitssuchend gemeldet haben, müssen sich zwingend persönlich am ersten Tag der Arbeitslosigkeit bei der entsprechenden Stelle als arbeitssuchend melden.

Anspruch und Voraussetzungen

Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht in Österreich, wenn folgende Voraussetzungen bzw. Bedingungen erfüllt werden:

  • Man ist arbeitswillig, arbeitsfähig und als arbeitslos beim zuständigen AMS gemeldet.
  • Man steht dem Arbeitsmarkt vermittelbar zur Verfügung.
  • Man hat für eine bestimmte Zeit arbeitslosenversicherungspflichtig gearbeitet.
  • Es liegt die Bereitschaft vor für mindestens 20 Stunden pro Woche zu arbeiten. Eine Ausnahme besteht bei Betreuungspflichten für ein Kind unter 10 Jahren bzw. ein Kind mit Behinderung, für das es nachweislich keine Möglichkeit zur Betreuung gibt. In diesem Fall muss eine Bereitschaft vorliegen, für mindestens 16 Stunden pro Woche zu arbeiten.
  • Die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes ist noch nicht abgelaufen.

Treffen diese Voraussetzungen zu, so hat man einen Anspruch auf Arbeitslosengeld in Österreich.

Anwartschaft: Wie lange muss man gearbeitet haben, um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben?

Um Geld vom AMS zu erhalten, muss man in den letzten zwei Jahren grundsätzlich 52 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtig gearbeitet haben. Arbeitslosenversicherungspflichtig bedeutet, dass das Bruttoeinkommen pro Monat über der monatlichen Geringfügigkeitsgrenze (475,86 Euro, Stand: 2021) liegt.

Ist man bereits zum wiederholten Male arbeitslos gemeldet, muss man zumindest 28 Wochen gearbeitet haben. Unter 25-Jährige müssen bei erstmaliger Arbeitslosigkeit lediglich 26 Wochen arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.

Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes

Die Bezugsdauer für Arbeitslosengeld beträgt grundsätzlich 20 Wochen.

Unter bestimmten Voraussetzungen bzw. Ausnahmen kann diese Bezugsdauer verlängert werden:

  • Hat man drei Jahre arbeitslosenversicherungspflichtig gearbeitet, verlängert sich die Bezugsdauer auf 30 Wochen.
  • Hat man das 40. Lebensjahr bereits vollendet und innerhalb der letzten zehn Jahre mindestens sechs Jahre arbeitslosenversicherungspflichtig gearbeitet, verlängert sich die Bezugsdauer auf 39 Wochen.
  • Hat man das 50. Lebensjahr bereits vollendet und innerhalb der letzten 15 Jahre wenigstens neun Jahre arbeitslosenversicherungspflichtig gearbeitet, verlängert sich die Bezugsdauer auf 52 Wochen.
  • Nach Abschluss einer beruflichen Rehabilitationsmaßnahme, kann sich die Bezugsdauer unter bestimmten Voraussetzungen auf 78 Wochen verlängern.
  • Wird an einer Schulung im Rahmen einer Arbeitsstiftung teilgenommen, verlängert sich der Bezug auf bis zu drei bzw. vier Jahre.

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende

Unter bestimmten Voraussetzungen besteht auch ein Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn man in Österreich selbstständig erwerbstätig (ohne Pflichtversicherung) war. Selbstständige können freiwillig der Arbeitslosenversicherung beitreten. Damit erhalten sie Anspruch auf sämtliche darin enthaltenen Leistungen, wie das Arbeitslosengeld oder die Notstandshilfe. Die Beiträge für die Arbeitslosenversicherung werden von der SVS eingehoben.

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Häufige Fragen und Antworten

Wie lange wird das Arbeitslosengeld ausbezahlt?

Die Dauer der Auszahlung ist im Regelfall auf 20 Wochen beschränkt. Sie kann auf 30 Wochen erhöht werden, wenn insgesamt 156 Wochen lang eine versicherungspflichtige Beschäftigung vorgelegen ist.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes in Österreich liegt im Regelfall bei 55% des errechneten Nettoeinkommens anhand der monatlichen Beitragsgrundlagen (seit 01.07.2020).

Wer hat Anspruch auf das Arbeitslosengeld?

Grundsätzlich besteht für alle Personen, die beim AMS arbeitslos gemeldet sind, ein Anspruch auf Arbeitslosengeld. Dieser Anspruch gilt grundsätzlich 20 Wochen ab Meldung der Arbeitslosigkeit. War der Arbeitslose in den letzten fünf Jahren für mindestens 156 Wochen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, erhöht sich diese Anspruchsdauer auf 30 Wochen.

Aktuelle Nachrichten:

Schlagzeilen und News:

Acht Wochen kein Geld: Härtere Sanktionen sollen Arbeitslose motivieren

Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sprach sich für härtere Sanktionen für Arbeitslose aus, die zumutbare Jobs nicht annehmen würden. Von bis zu acht Wochen Entzug der Sozialleistungen ist die Rede. Zusätzlich soll die Langzeitarbeitslosigkeit mit weiteren 300 Mio. Euro gesenkt werden.

Mückstein gegen ÖVP-Vorschlag zur Senkung des Arbeitslosengeldes

Der vorgeschlagenen Senkung des Arbeitslosengeldes erteilt Sozialminister Wolfgang Mückstein (Grüne) eine deutliche Absage. Mit ihm werde es "keine Kürzungen beim Arbeitslosengeld geben". Zuletzt hatten Teile der ÖVP eine Senkung auf 40 Prozent für Langzeitarbeitslose gefodert.

Aktuelle AMS-Zahlen: Weniger Arbeitslose, mehr Schulungen

Die Zahl der Arbeitslosen ist derzeit leicht rückläufig, dafür steigt die Anzahl der Personen in Schulungen an. Die Kurzarbeitszahlen sind weiterhin konstant bei rund 486.000 Personen.

Arbeitslosigkeit auf 468.500 gesunken - Reform des Arbeitslosengeldes geplant

Der Arbeitsmarkt in Österreich entspannt sich zunehmend. Derzeit sind noch 393.500 Personen beim AMS als arbeitslos gemeldet und 75.000 in Schulungen. Eine Reform des Arbeitslosengeldes sei laut Arbeitsminister Kocher (ÖVP) notwendig - allerdings erst nach Ende der Coronakrise.

Arbeitslosenzahlen im Februar um 27 Prozent höher als 2020

508.923 Menschen waren arbeitslos gemeldet oder in AMS-Schulung, das sind um 109.564 mehr als im Februar 2020. Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent gestiegen. Der Höchststand lag mit 588.000 Arbeitslosen Mitte April 2020.

Trotz Rückgang bei Arbeitslosenzahlen: Noch immer 513.000 Personen ohne Job

Trotz leichter Entspannung am Arbeitsmarkt aufgrund der Öffnungen sind weiterhin rund 513.000 Personen in Österreich arbeitslos oder in Schulung. 485.000 Personen befinden sich in Kurzarbeit - Tendenz steigend.

Nach Öffnung: Arbeitslosenzahlen sinken, Wirtschaft verbessert sich minimal

Aufgrund der gesetzten Öffnungsschritte sinken die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zur Vorwoche - auch Wirtschaft erholt sich minimal. Steuerstundungen und Kurzarbeit werden noch bis Ende Juni verlängert.

Leichte Erholung am Arbeitsmarkt: 450.000 Arbeitslose, 465.000 in Kurzarbeit

Der Arbeitsmarkt beginnt sich langsam zu erholen. Aktuell sind aber noch immer 450.000 Personen in Österreich arbeitslos, weitere 70.000 befinden sich in Schulungen. Zudem gibt es derzeit noch 465.400 Kurzarbeiter.

Arbeitslosigkeit sinkt - aber Wirtschaftsleistung bricht ein

Die Arbeitslosenzahlen beginnen - auch aufgrund der Lockerungen des Lockdowns leicht zu sinken. Aktuell sind noch 525.992 Personen in Arbeitslosigkeit oder Schulung. Auch die Kurzarbeit sinkt auf rund 450.000 Personen.

Arbeitslosengeld wurde 2020 seltener gesperrt

Das Arbeitsmarktservice hat im Vorjahr viel weniger Menschen die Arbeitslosen- oder Notstandshilfe gestrichen als im Jahr davor. Auslöser waren der starke Rückgang bei den offenen Stellen und ein genereller Verzicht auf solche Sperren zwischen Mitte März und Mitte Mai, teilte das AMS am Montag mit.

Quellen:
  • Arbeitslosengeld beantragen in Österreich (www.ams.at)
  • Leistungen bei Arbeitslosengeld für EU-Bürger im Ausland (europa.eu)

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Daniel Herndler
Autor:
Chef-Redaktion | Ressorts: Finanzen, Steuern und Wirtschaft
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
Email: dh@finanz.at | Twitter: @DanielHerndler
Stand: 11.01.2021, 16:55 Uhr