12.10.2020, 10:45 Uhr | von | Finanzen
Kredite in Zeiten von Covid-19: Zinsentwicklung, Stundungen und Angebote
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Die Covid-19-Krise gilt weltweit nicht nur als Gesundheits-, sondern auch als globale Wirtschaftskrise. Nicht nur Unternehmen haben große Sorge um ihre finanzielle Zukunft, auch Privatpersonen sind immer häufiger mit Unsicherheiten konfrontiert. Ein wichtiger Aspekt dabei sind laufende oder dringend benötigte Kreditfinanzierungen.

Die Corona-Pandemie stellt nicht nur Österreich und Europa, sondern die ganze Welt vor neue Herausforderungen im Gesundheitswesen und vor allem auch im Wirtschaftsbereich.

Nun stellt sich vor allem für all jene, die von den wirtschaftlichen Folgen des Corona-Lockdowns und den allgemeinen Schutzmaßnahmen der Regierung betroffen sind, die Frage, wie es um die Aufnahme von Krediten und die damit verbundenen Kosten im Allgemeinen steht. Aber auch die Kreditstundungen und die weitere Entwicklung der Zinsen sind wichtige Aspekte für Kreditnehmer und -Geber.

Sind die Konditionen von Krediten in der Corona-Zeit wirklich so günstig?

Die Kosten für Fremdkapital waren in den vergangenen Jahren auf Grund der guten Konjunktur und dem Nullzinsumfeld durchaus gering. Die Folge war, dass sich viele Menschen verschuldet haben, also einen Kredit aufgenommen haben, um sich den Traum einer Eigentumswohnung oder eines Hauses zu verwirklichen.

Die Folgen der Corona-Pandemie waren nicht nur die Kurzarbeit und ein massiver Jobverlust vieler Menschen, sondern auch die zunehmende Unsicherheit der Wirtschaftszweige auf lange Sicht. Man kann noch nicht abschätzen, welche wirtschaftlichen Zweige wie stark getroffen werden und ob wir zeitnah wieder zu einer Normalität kommen, wie wir sie alle kennen und schätzen gelernt haben.

In den letzten Wochen und Monaten waren auf Grund der jüngsten Entwicklungen in der Wirtschaft vor allem Fremdfinanzierungsumstrukturierungen, Kreditratenstundungen und die Neuaufnahme von Krediten vermehrt gefragt.

Wie sieht die aktuelle Zinsentwicklung im Allgemeinen aus?

Nicht zuletzt deswegen sind die Kosten für eine Neuaufnahme eines Kredits gestiegen. Die Kosten für Verbraucher Kredite orientieren sich zunächst an dem EURIBOR-Zinssatz. Diesen Kosten werden dann vonseiten der Bank noch Aufschläge hinzugerechnet, woraus sich die gesamten Kreditkosten für ein aufgenommenes Darlehen ergeben.

Der EURIBOR liegt derzeit immer noch in einem negativen Bereich. Da aber auf Grund der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Auswirkungen auf die Wirtschaft die Nachfrage nach Krediten, beispielsweise vonseiten der Klein- und Mittelbetriebe zur Überbrückung gestiegen ist, schlagen die Banken mitunter mehr auf die Kreditkosten auf.

Im Durchschnitt kann ein Aufschlag, der derzeit bis zu 25 Prozent höher ausfällt als der durchschnittliche Aufschlag vor der Corona-Pandemie, verzeichnet werden. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Liquiditätskosten für die Banken gestiegen sind und diese ebenso mehr Risiko tragen, dass Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer bei einer anhaltenden negativen Wirtschaftsentwicklung ausfallen könnten.

Wie ist die Situation der Stundungen von Krediten im Zuge der Corona-Pandemie?

Es stellt sich beispielsweise die Frage, welche Möglichkeiten eine Kreditnehmerin oder ein Kreditnehmer hat, wenn Zahlungsverpflichtungen aus einem Verbraucherkredit nicht nachgekommen werden können. Hier wurden gesetzliche Maßnahmen vonseiten der Regierung ins Leben gerufen. Diese sehen ein gesetzliches Stundungsrecht vor. Es ist mit 16.03.2020 wirksam und sieht konkret vor, dass Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer Zahlungen eines Verbraucherkredites von 01.04.2020 bis 30.10.2020 (zunächst 30.06.) stunden, also aussetzen, können. Die Stundungen beinhalten Pauschalraten, also die eigentliche Rate zusätzlich der Zins- und Tilgungszahlungen, sowie die Zins- und Kapitalrückzahlungen. Wurde der Kredit nach 15. März 2020 abgeschlossen, können auch Zins- und Tilgungsraten gänzlich entfallen.

Nun ist es der Fall, dass die Möglichkeit der Stundung ausgeweitet wurde, weswegen Zahlungen bis 31.10.2020 weiterhin ausgesetzt werden können. Dies soll eine Entlastung für Personen, die von den wirtschaftlichen Folgen betroffen sind, schaffen.

Stundungen verschieben Zahlungen lediglich

Wichtig ist zu beachten, dass es sich bei einer Stundung nur um ein vorläufiges Aussetzen und eine Verschiebung der Zahlungen handelt. Hierbei werden die betreffenden Zahlungen also nicht erlassen, sondern nur an das Kreditlaufzeitende gestellt. Stundet eine Kreditnehmerin oder ein Kreditnehmer also beispielsweise vier Monate lang die Zahlungen, so werden an das Laufzeitende die vier Monate angehängt. Die verschobenen Ratenzahlungen werden also zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Wenn eine Stundung in Anspruch genommen werden soll oder muss, so sollte man sich vorab mit der Bank in Verbindung setzen. Es ist möglich, eine entsprechende Vereinbarung mit der Bank nicht nur persönlich, sondern auch im Online-Banking oder per Mail abzuschließen. Wichtig hierbei ist auch zu erwähnen, dass Banken für die Stundung von Zahlungen in dem Fall keinerlei Spesen oder Bearbeitungs Gebühren einheben dürfen, da es sich hierbei um ein Recht der Kreditnehmerin oder des Kreditnehmers handelt, welches im Gesetz festgeschrieben wurde.

Keine Kreditkündigung von Banken möglich

Im Zeitraum von 01.04.2020 bis 31.10.2020 darf aufgrund des Gesetzes auch kein Verbraucherkredit vonseiten der Bank aufgekündigt werden. Mit anderen Worten darf die Bank hier keine Zahlungen fällig stellen.

Die gesetzlichen Regelungen gelten also für Verbraucherkredite, die vor dem 15.03.2020 aufgenommen wurden. Unter die Kategorie der Verbraucherkredite fallen also vor allem Wohn- und Konsumkredite. Die Kredite können auch in Fremdwährungen aufgenommen worden sein. Aber auch Kontoüberziehungen sind von der gesetzlichen Bestimmung miteingenommen. Ferner sind die Schutzbestimmungen auch für sogenannte Kleinstunternehmer greifend. Kleinstunternehmer haben weniger als 2 Millionen Euro Umsatz im Jahr und beschäftigen weniger als 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wenn man trotz einer Stundung als Kreditnehmerin oder Kreditnehmer in weiterer Folge nicht in der Lage ist, den Zahlungsplan einhalten zu können – beispielsweise auf Grund von vollkommenen oder starken Einkommensverlusten als Resultat der Corona-Pandemie – so steht es der Bank zu, die vereinbarten Zinsen für Zahlungsrückstände zu verrechnen. Hierbei ist der Deckel bei 4% angesetzt. Auch in einem solchen Fall ist es der Bank nicht gestattet, Mahnkosten oder andere Gebühren, wie etwa für Inkassobüros oder dergleichen, zu verrechnen. Dem Gesetz zufolge sind die Bestimmungen bis 30.06.2022 geltend.

Bereits mehrere Milliarden Euro an Staatshaftungen

Das Bundesfinanzministerium unter Führung von Minister Gernot Blümel (ÖVP) gibt an, bis Juni 2020 bereits vier Milliarden Euro an Haftungen für Stundungen übernommen zu haben. Das betrifft über 103.000 Anträge von Privatpersonen und Klein- und Mittelunternehmen (bmf.gv.at). Bis Oktober soll diese Summe auf rund sechs Milliarden Euro angewachsen sein.

Vergleiche: Günstige Finanzierungen finden

Auch in Zeiten einer wirtschaftlichen Krisensituation sollte man vor der Entscheidung für ein Finanzierungs Angebot einen unabhängigen Kreditvergleich durchführen. Besonders die derzeit günstige Zinsentwicklung kann durch einen gezielten Angebotsvergleich auch in Zeiten von Covid-19 eine Finanzierung zu komfortablen Konditionen bieten.

Wichtig ist dabei jedenfalls, dass genügend Sicherheiten, ein entsprechendes Einkommen, sowie bei bestimmter Höhe auch ein notwendiges Maß an Eigenkapital vorhanden ist. Die derzeit unsichere Situation in der Finanzwelt bedeutet nicht automatisch, dass Banken keine neuen Kreditfinanzierungen gewähren würden.

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Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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