Anwendung findet diese Art der Zwischenfinanzierung nicht nur im Privatbereich, sondern auch oft im Firmenkunden- beziehungsweise Geschäftsbereich. Im Privatbereich ist diese Variante der Überbrückung eines Liquiditätsengpasses vor allem bei Pensionisten oder Arbeitslosen, aber auch bei vielen anderen Menschen beliebt, um etwa eine Kontoüberziehung zu regeln. Im Bereich der Firmenkredite nutzen vor allem selbstständig-tätige Menschen und andere, bei denen kein regelmäßiges Einkommen zur Verfügung steht, diese Variante.

Antrag und Berechnung

Die Vorgehensweise bei einem Überbrückungs Kredit gestaltet sich sehr einheitlich. Zunächst wird ein mit dem Hauptkonto zusammenhängendes, dennoch separates (Unter-)Konto eröffnet. Im nächsten Schritt wird der vereinbarte Betrag von diesem Konto behoben. Abgedeckt wird dieser Betrag in weiterer Folge mit monatlichen oder periodischen Einzahlungen bzw. mittels eines Dauerauftrages, je nach vorheriger Vereinbarung. Sofern die Kreditnehmerin bzw. der Kreditnehmer alle Zahlungen samt den Sollzinsen abbezahlt hat, wird das vorhin angesprochene Unterkonto, welches auch als Septo-Konto bezeichnet wird, wieder geschlossen.

Im Zusammenhang mit Überbrückungskrediten, welche auch oftmals als Zwischenfinanzierung bezeichnet werden, sind auch Begriffe wie Vorausfinanzierung und - Darlehen verwendet. Dies entspricht aber nicht der Wirklichkeit bzw. Richtigkeit. Denn anders als bei einer Vorausfinanzierung oder einem Vorausdarlehen wird bei einem Überbrückungskredit die Endfinanzierung bereits festgelegt.

Wann eignet sich eine Überbrückungsfinanzierung?

Vor allem bei größeren Anschaffungen, die sich jedoch zu diesem Zeitpunkt als günstig erweisen, wie etwa bei einem Hauskauf, aber auch bei anderen Anschaffungen, wie etwa einem Autokauf oder eines einfachen Liquiditätsengpasses, kommt der Überbrückungskredit zur Anwendung. Zur besseren beispielhaften Veranschaulichung der Thematik wird an dem Beispiel des Liegenschaftskaufes angehalten.

Ist etwa zum Zeitpunkt des beabsichtigten Kaufes bereits Eigenkapital zwar vorhanden (beispielsweise durch Bausparverträge), jedoch noch nicht auf dieses zugreifbar, so kann der Kauf mit einem Überbrückungskredit vollzogen werden, da die Käuferin bzw. der Käufer gegenüber der Bank nachweisen kann, dass das Geld von dem Bausparvertag an einem gewissen Datum freigegeben wird und dann die Summe zurückbezahlt werden kann.

Ebensolches gilt aber auch etwa für Eigenkapital aus der Ausschüttung einer Lebensversicherung oder einem Wertpapier-Depot, welche jedoch zum beabsichtigten Kaufzeitpunkt noch nicht auszahlbar sind. Aber auch erwartete Erbschaften können hier berücksichtigt werden. Die Höhe des Darlehens gleicht in diesem Fall der Höhe des zu erwarteten Sparkapitals. Bei dieser Art der Finanzierung gilt es Vorteile, aber auch auftretende Nachteile zu beachten, welche im Nachfolgenden angeführt werden.

Vorteile

Wenn die Vorteile von Überbrückungskrediten beleuchtet werden, so kann als erster Vorteil die Verkürzung von Wartezeiten genannt werden. Durch diese Verkürzung lassen sich in der Praxis sowohl für Privat- als auch gewerbliche Kundinnen und Kunden Projekte und Käufe in einem kurzfristigen Zeithorizont realisieren.

Ein weiterer Vorteil, welcher im Zusammenhang mit der Überbrückungsfinanzierung steht, ist, dass Zahlungsfristen zum Beispiel bei einem Hauskauf unter Umständen nicht eingehalten werden könnten, wenn es diese Art der Finanzierung nicht gäbe. Ein Antrag ist seitens der Kundin oder des Kunden in der Regel problemlos möglich, nachdem die Geldgeberseite die Bonität geprüft hat und eine Finanzierungsbedarfsrechnung durchgeführt wurde.

Mögliche Risiken und Nachteile

Werden die Nachteile eines Überbrückungskredits betrachtet, werden etwa relativ hohe Zinssätze beobachtet. Dies bedeutet, dass der Kreditnehmerin oder dem Kreditnehmer zusätzliche Kosten entstehen. Auch werden meistens Gebühren für die Bearbeitung von Seiten der Bank verrechnet, was wiederum Kosten verursacht. Ein Überbrückungskredit stellt ein variables Darlehen dar. Als solches werden die Konditionen laufend an das aktuelle Zinsniveau angepasst. Dies kann wiederum zu Mehrausgaben für die den Kredit aufnehmende Person führen.

Auch als Nachteil angesehen werden kann der Umstand, dass von Seiten der Bank meistens keine reine Überbrückungsfinanzierung angeboten wird, sondern dass diese im Zuge der Vereinbarung verlangt, dass ein Folgedarlehen mit einem langfristigen Zeithorizont aufgenommen wird.

Fazit zum Überbrückungskredit

Zusammenfassend ist zu beobachten, dass die zwischenzeitliche Finanzierung mittels eines Überbrückungskredites sehr wohl in gewissen Umständen sehr hilfreich sein kann und sich eignet, einen kurzen Liquiditätsengpass zu überbrücken. Auf der anderen Seite sind mit dieser Finanzierungsart auch einige Nachteile verbunden, welche sich vor allem in dem Anfallen von diversen, zusätzlichen Kosten, wiederspiegeln.

Wann sollte man auf einen Überbrückungskredit zurgreifen?

Mit einer Überbrückungsfinanzierung kann der Zeithorizont zwischen dem Auslaufen und Verfügbarsein einer alten Finanzierung oder Kapitalanlage und dem Beginn einer neuen Finanzierung überbrückt werden. Daher kommt dieser Art der Finanzierung in der Praxis durchaus häufig zur Anwendung. Dies ist auch vor allem deswegen der Fall, da Zeitdruck etwa bei einem guten Kaufangebot besteht. Aber auch andere Umstände, wie beispielsweise Verzögerungen interner Abläufe der Bank können dazu führen, dass auf die Finanzierungsart zurückgegriffen wird.

In unterschiedlichen Situationen eignet sich die Aufnahme eines Überbrückungskredites, meist aber im Bereich der Immobilienfinanzierungen.

Darauf sollte man achten

Obgleich eine Überbrückungsfinanzierung in vielen Situationen empfehlenswert ist oder sich als die attraktivste Lösung anbietet, sollte die Kreditnehmerin bzw. der Kreditnehmer im Vorfeld auch die damit einhergehenden, zusätzlich entstehenden Kosten beachten und miteinberechnen. So fallen nicht nur Zinskosten, welche in der Regel variabel sind, sondern auch Bearbeitungsgebühren an.

Daher sollte im Vorfeld genau berechnet werden, ob es sich für die jeweilige, individuelle Situation um die beste Finanzierungsmöglichkeit handelt. In vielen Fällen wird diese Frage mitunter positiv beantwortet werden, es gibt aber auch Situationen, in denen es unter Umständen kostengünstiger wäre, einen herkömmlichen Kredit der gesamten Summe aufzunehmen, welcher vorab, früher zurückbezahlt werden kann. So kann dieser mit der gesamten Restschuld ab dem Zeitpunkt wieder beglichen und abgeschlossen werden, sobald das Eigenkapital aus Lebensversicherung, Erbschaft, Bausparvertrag oder Ähnliches verfügbar wird.

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Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
Stand: 03.01.2021, 17:33 Uhr