18.02.2020, 10:15 Uhr | von | Steuern

Viele österreichische Unternehmen versteuern ihre Gewinne im Ausland. Das führt zu einem Steuerausfall von rund 1,3 Milliarden Euro. Beliebtestes Ziel ist dabei die Schweiz.

Österreichs Unternehmen sparen 1,3 Milliarden Euro durch Gewinnverschiebung
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Steuervermeidung und Offshore

Durch die oft deutlich niedrigeren Abgabensätze im europäischen Ausland, versteuern viele heimische Unternehmen ihre Konzerngewinne ebenda. Dadurch komme es in Österreich zu einem Steuerausfall von etwa 1,3 Milliarden Euro pro Jahr. Grund dafür ist, dass die Unterschiede in der Höhe der Abgabensätze entsprechend hoch sind, wodurch Staaten, wie etwa die Schweiz, besonders attraktiv für Unternehmen werden.

Steuervermeidung innerhalb der EU boomt

Wie das Momentum-Institut gemeinsam mit dem Ökonom Konstantin M. Wacker untersucht hat, locken auch innerhalb der Europäischen Union Mitgliedsstaaten, wie die Niederlande, Luxemburg, Malta oder Irland Unternehmen anderer EU-Staaten durch ihre deutlich niedrigeren Steuersätze an. Besonders die attraktiven Bestimmungen für Konzerne machen diese Länder auch für Österreichs Unternehmen beliebt. Die Studie wurde anlässlich des "Corporate Tax Refusal Day" am 17. Februar veröffentlicht. Bis zu diesem Tag zahlen Unternehmen praktisch keine Steuern.

Im Jahr 2016 sollen dem Fiskus so rund 1,1 Milliarden Euro – laut Momentum Institut 2018 sogar 1,3 Milliarden Euro (hochgerechnet) – entgangen sein. Die meisten Einnahmen fließen dabei in die Schweiz ab, gefolgt von Irland und Luxemburg. Durch die engen Beziehungen Österreichs mit der Schweiz und Irland werden unter anderem auch der Transfer eines Produkts als Gewinnverlagerung angerechnet, sofern für dessen Herstellung Lizenzen in Österreich anfallen.

Internationales Problem

Laut Momentum handelt es sich dabei um ein internationales Problem. So sollen rund 40 Prozent aller Profite von multinationalen Konzernen „in Steuersümpfen gemeldet“ werden. Österreich halte sich mit 1,3 Milliarden Euro an Steuerverlust noch im Mittelfeld.

Markenrechte und Patente als legale Steuervermeidung

Viele rechtlich legale Praktiken zur Steuervermeidung sind bereits in den vergangenen Jahren bekannt geworden. Darunter ist vor allem die Vergütung von Markenrechten und Patenten an den Mutterkonzern sehr beliebt. Ein multinationaler Konzern in Irland mit mehreren Tochterunternehmen in anderen EU-Staaten beispielsweise verrechnet seitens des Mutterkonzern enorme Kosten für die Verwendung des Markennamens, wodurch die Gewinne in Staaten, wie Österreich, deutlich sinken.

Diese Praxis wird unter anderem von Konzernen, wie Apple, Ikea, McDonalds oder Amazon angewandt. Die Fast-Food-Kette McDonalds etwa konnte durch seine hohen Lizenzgebühren innerhalb von sechs Jahren seit 2009 rund 1,5 Milliarden Euro an Steuern einsparen. Die Gewinne flossen an die Mutter in Luxemburg ab.

Vermieden werden kann diese Praxis unter anderem dadurch, dass Gewinne zukünftig in jenem Land zu versteuern sind, in dem die Anlagen stehen oder der Endkonsum anfällt, so das Momentum Institut.

Quelle:

Momentum Institut

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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SteuervermeidungGewinnUnternehmensgewinnKonzernOffshoreFiskus

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