14.11.2019, 13:15 Uhr | von | Arbeitnehmer

Der Österreichische Gewerkschaftsbund ÖGB steht derzeit für ein veröffentlichtes Sujet mit dem Titel "Kreislauf für ein gutes Leben" in sozialen Medien in der Kritik. Die Darstellung soll zeigen, dass Lohnerhöhungen automatisch ein Wirtschaftswachstum nach sich ziehen würden.

Kreislauf für ein gutes Leben - Kritik an Botschaft des ÖGB
Bild: (Montage Finanz.at / Sujet: irinastrel123 - stock.adobe.com bitontawan02)

In sozialen Medien kursiert derzeit ein Sujet des Österreichischen Gewerkschaftsbundes mit einer Darstellung des "Kreislaufs für ein gutes Leben". Darin wird vereinfacht dargestellt, dass Lohnerhöhungen zu mehr Konsum führen würden. Der Konsum würde schließlich Arbeitsplätze schaffen, wodurch sich das Wirtschaftswachstum positiv entwicklen würde.

"Kreislauf für ein gutes Leben" - ÖGB

Kritik an Darstellung - "Das ist 80er Jahre"

Einige Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter kritisieren das Sujet des ÖGB. Ein Twitter-Nutzer schreibt etwa "Was aktuell vom @oegb_at [ÖGB, Anm. Redaktion] verbreitet wird, ist der reinste Wahnsinn. Der feuchte Traum vom ewigen Wachstum durch Konsum?". Der Beitrag sorgt mittlerweile für heftige Diskussionen rund um die Rolle des Gewerkschaftsbunds und wurde im Kurznachrichtendienst sogar "gesponsert", um seine Reichtweite zu erhöhen. Mehrere Nutzer bezeichnen den beschriebenen Kreislauf in der Diskussion als veraltet. "Der Kreislauf [...] kann so nicht mehr gehen und ist 80er Jahre.", kommentiert etwa ein Gemeinderat der Grünen.

Der dargestellte Kreislauf scheint an die Wirtschaftstheorie des Keynesianismus (1936) des britischen Ökonomen John Maynard Keynes (1883 - 1946) angelehnt zu sein. Diese Theorie sieht die gesamtwirtschaftliche Nachfrage als entscheidende Größe für Produktion und Beschäftigung.

Neben einigen negativen Äußerungen dazu, gibt es auch Stimmen, die den ÖGB verteidigen. Nikolaus Jilch, Journalist und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Agenda Austria, nennt das ÖGB-Sujet auf Twitter zwar scherzhaft "Marktradikal neoliberales Heuschreckendenken", bezieht sich dabei jedoch auf die negativen Kommentare zur Botschaft des Gewerkschaftsbunds. Zwar handle es sich um eine sehr vereinfachte Darstellung, diese sei jedoch laut Jilch durchaus zutreffend: "Im Grunde zeigt der ÖGB nur wirtschaftlichen Verstand in seiner Darstellung."

Jilchs Meinung nach wird in der Diskussion die Botschaft des ÖGB bewusst falsch verstanden. Er beurteilt den Inhalt dahingehend, dass der ÖGB durch stärkeres Wirtschaftswachstum seinen Mitgliedern ein besseres Leben ermöglichen wolle. "Die Agenda Austria ist in der Vergangenheit nicht immer einer Meinung mit dem ÖGB gewesen. In diesem Fall ist die Kritik an der Aussage des Gewerkschaftsbundes jedoch falsch", teilte Jilch auf Nachfrage der Redaktion mit. Nikolaus Jilch ist beim Thinktank Agenda Austria für die Bereiche "Digital Content", "Geldanlage" und "Digitale Währungen" verantwortlich.

Stellungnahme des ÖGB

Auf Nachfrage nimmt auch der Gewerkschaftsbund zu den Diskussionen Stellung: "Gute Arbeitsplätze mit guter Entlohnung sind die Grundlage dafür, dass möglichst viele Menschen ein möglichst gutes Leben haben. Neoliberal wäre wohl eher, den Schutz der Kollektivverträge auszuhöhlen, etwa durch Auslagerungen von Jobs, durch Scheinselbstständigkeit und Verlagerung der Lohnrunden auf die Betriebsebene."

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel mit dem Titel "Nur Lohnerhöhungen retten uns die Konjunktur" erläutert der Gewerschaftsbund die vereinfacht dargestellte Botschaft. Darin verweist man auf die Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) von Anfang November. "Die zentrale Aussage darin lautet: Lohn- und Gehaltserhöhungen fließen zu 95 Prozent in die Wirtschaft. Sie sind der wesentliche Faktor, der die Konjunktur stabilisiert.", heißt es seitens des ÖGB auf Anfrage von Finanz.at.

Über den Österreichischen Gewerkschaftsbund

Der ÖGB (Österreichische Gewerkschaftsbund) wurde im April 1945 gegründet und zählt derzeit rund 1,2 Millionen Mitglieder. Er ist zudem Mitglied des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) und des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB).

Referenzen:

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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ÖGBGewerkschaftÖsterreichischer GewerkschaftsbundKritikWirtschaftswachstumLohnerhöhung

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