02.12.2019, 12:45 Uhr | von | Steuern

Ab Januar 2020 gelten in Österreich einige steuerliche Neuregelungen, die Entlastungen auf der einen Seite, aber auch Steuererhöhungen auf der anderen Seite mit sich bringen. Die Steuerreform soll unter anderem Geringverdiener und KMUs entlasten, sowie umwelt- und klimafreundlicher gestaltet sein. 

Steuerreform 2020 - Diese neuen Regelungen gelten ab Januar
Bild: Finanz.at (Montage) | Steuerreform bringt Entlastungen für Geringverdiener und Unternehmen

Ab 01. Januar 2020 treten in Österreich weitere Teile der Steuerreform in Kraft. Ab Juli 2020 gilt auch die Neuregelung der Finanzverwaltung. Weitere Reformen, die derzeit noch pausiert oder blockiert sind, könnten durch die neue Bundesregierung ebenfalls umgesetzt werden. Eine dieser Reformen soll die Entlastung des Faktors Arbeit und die Änderung der Einkommensteuertarife betreffen.

Steuerentlastungen ab 2020

Diese Steuerenlastungen gelten treten in Österreich ab 01. Januar 2020:

Kleinunternehmerregelung:

Für Kleinunternehmer wird die Umsatzgrenze von 30.000 Euro auf 35.000 Euro pro Jahr erhöht. Kleinunternehmer mit weniger als 35.000 Euro Umsatz sind damit von der Umsatzsteuer befreit. In der Einkommensteuer wird zudem eine neue Pauschalierung für Umsätze unter 35.000 Euro geschaffen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter:

Die Grenze für sofort abschreibbare geringwertige Wirtschaftsgüter wird von 400 Euro auf 800 Euro erhöht. Danach soll sie schrittweise auf bis zu 1.000 Euro angehoben werden. Wirtschaftsgüter unter 800 Euro (Computer / PC, Notebooks, Smartphones, ...) können also sofort in der Arbeitnehmerveranlagung beziehungsweise der Einkommensteuererklärung abgeschrieben werden.

Verkehrsabsetzbetrag:

Der Verkehrsabsetzbetrag für Arbeitnehmer wird mit einem Zuschlag von 300 Euro bedacht, sofern das Einkommen im Kalenderjahr nicht höher ist, als 15.500 Euro. Zwischen einem Einkommen von 15.500 Euro und 21.500 Euro pro Jahr schleift sich dieser Betrag auf 0 Euro ein.

Sozialversicherungsbonus:

Der Sozialversicherungsbonus - also eine SV-Rückerstattung - wird für Arbeitnehmer, Pensionisten, Selbstständige und Landwirte in unterschiedlichen Höhen eingeführt. Arbeitnehmer mit geringen Einkommen können bis zu 300 Euro an SV-Bonus erhalten, Pensionisten sogar 430 Euro. Bei Unternehmern und Bauern kann die Rückerstattung bis zu 371 Euro pro Jahr betragen.

Unabhängig vom Einkommen wird für sie die Senkung der allgemeinen Krankenversicherungsbeiträge mit auf 0,85 Prozent gelten. Für Arbeitnehmer und Pensionisten gilt diese Regelung zwar bereits ab 2020, sie kann jedoch erst ab 2021 rückwirkend ausbezahlt werden. Damit werden alljene Einkommen entlastet, die über der Geringfügigkeitsgrenze und unter 22.600 Euro jährlich liegen.

Pensionserhöhung:

Pensionen bis 1.111 Euro brutto pro Monat werden um insgesamt 3,6 Prozent erhöht. Für Pensionisten mit einem monatlichen Bruttoeinkommen über 1.111 Euro schleift sich die Pensionsanpassung und -Erhöhung bis zur Höhe von 2.500 Euro auf den Inflationswert von 1,8 Prozentpunkte ein. Der gesetzliche Anpassungsfaktor von 1,8 Prozent wird auch auf alle übrigen Pensionen entfallen.

Pensionisten mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5.220 Euro oder mehr erhalten eine Deckelung der Anpassung von 94 Euro. Zusätzlich zur Pensionserhöhung wurde auch die Ausgleichszulage für Ehepaare angehoben. Ab 2020 beträgt diese 1.472 Euro statt bisher 1.398,97 Euro.

NoVA:

Die Normverbrauchsabgabe wird durch eine neue Regelung für emissionsarme KFZ begünstigt. Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen werden künftig mit einem Malusbetrag schlechtergestellt. Die NoVA wird dabei an den CO2-Wert aus dem WLTP-Verfahren angepasst.

Die Neuregelung der NoVA bringt auch viel Kritik mit sich. Der WWF Österreich etwa sieht die Änderung der Normverbrauchsabgabe als "zu kurz gedacht". 

"Als Anreiz und zur sozialen Abfederung schlagen wir daher zum Beispiel für alle Haushalte einen Klimabonus vor, der aus einer sozial und wirtschaftlich gerechten CO2-Bepreisung finanziert wird", teilte Mag. Volker Hollenstein (WWF) auf exklusiver Anfrage von Finanz.at mit. "Neben einer jährlichen Klimaschutz-Milliarde braucht es dafür vor allem eine umfassende öko-soziale Steuerreform."

Motorbezogene Versicherungssteuer:

Auch die motorbezogene Versicherungssteuer - kurz KFZ-Steuer genannt - wird an den CO2-Wert des Fahrzeugs angepasst. CO2-ärmere PKW und Motorräder sollen so steuerlich begünstigt werden.

Umsatzsteuer auf E-Books:

Im Steuerreformgesetz 2020 ist ebenfalls die Senkung der Umsatzsteuer auf E-Books auf 10 Prozent beschlossen und geregelt.

Erneuerbare Energie:

Die Steuern für die Erzeugung von umweltfreundlichem Ökostrom durch Photovoltaik-Anlagen, Biogas oder Wasserstoff werden für private Haushalte begünstigt.

Pflegeregress:

Die Bundesländer erhalten einen vollständigen Kostenersatz durch den Bund für die Abschaffung des Pflegeregresses. Dieser Kostenersatz gilt für die Jahre 2019 und 2020.

Steuererhöhungen ab 2020

Neben den Entlastungen gibt es im Zuge der Steuerreform ab 2020 auf Erhöhungen:

Umsatzsteuer auf Online-Einkäufe:

Die Umsatzsteuerbefreiung auf Online-Einkäufe unter 22 Euro fällt ab 2020. Damit sind auch diese Einkäufe umsatzsteuerpflichtig.

Tabaksteuer:

Die Tabaksteuer wird ab Januar 2020 ebenfalls neuerlich erhöht.

Online-Werbeabgabe:

Eine Online-Werbeabgabe wird gelten, die dem Staat jährlich rund 30 Millionen Euro einbringen soll.

Änderungen der Steuergesetze

Insgesamt sind folgende Steuergesetze von der Reform betroffen:

  • Einkommensteuergesetzes 1988
  • Körperschaftsteuergesetzes 1988
  • Umgründungssteuergesetzes
  • Umsatzsteuergesetzes 1994
  • Gebührengesetzes 1957
  • Grunderwerbsteuergesetzes 1987
  • Versicherungssteuergesetzes 1953
  • Kraftfahrzeugsteuergesetzes 1992
  • Elektrizitätsabgabegesetzes
  • Erdgasabgabegesetzes
  • Energieabgabenvergütungsgesetzes
  • Normverbrauchsabgabegesetzes 1991
  • Kommunalsteuergesetzes 1993
  • Änderung der Bundesabgabenordnung
  • Bundesfinanzgerichtsgesetzes
  • EU-Amtshilfegesetzes
  • Amtshilfe-Durchführungsgesetzes
  • Alkoholsteuergesetzes
  • Biersteuergesetzes 1995
  • Tabaksteuergesetzes 1995
  • Mineralölsteuergesetzes 1995
  • Tabakmonopolgesetzes 1996
  • Punzierungsgesetzes 2000
  • Wohnbauförderungsbeitragsgesetzes 2018

Familienbonus Plus erstmals rückwirkend möglich

Ab 2020 können Arbeitnehmer, die Familienbeihilfe beziehen beziehungsweise im Jahr 2019 bezogen haben, den Familienbonus Plus erstmals rückwirkend ausbezahlt bekommen.

Wurde länger als sechs Monate im Jahr 2019 Familienbeihilfe bezogen, kann die Steuerentlastung von bis zu 1.500 Euro beantragt werden.

Gegenfinanzierungen

Die Gegenfinanzierung der steuerlichen Entlastungen beträgt derzeit rund 414 Millionen Euro für die sogenannte "Entlastungs-Milliarde". Durch die Umsatzsteuer auf Online-Einkäufe, die bisher für Käufe unter 22 Euro nicht angefallen war, können etwa 150 Millionen Euro refinanziert werden.

Die Erhöhung der Tabaksteuer ab 2020 bringt weitere 26 Millionen Euro, die neue Werbeabgabe auf Online-Werbung weitere 30 Millionen Euro pro Jahr.

Noch nicht umgesetzt wurden bisher die geplanten Maßnahmen zur Neuregelung der Einkommensteuer und der Körperschaftsteuer (KÖSt.). Diese könnten - sofern sich die möglichen Koalitionspartner ÖVP und Grüne einig werden - im Regierungsübereinkommen beschlossen und dem Nationalrat vorgelegt werden.

Diese steuerlichen Änderungen könnte eine Regierung aus ÖVP und Grünen bringen

Die Grünen erklärten bereits vor der Nationalratswahl exklusiv auf Anfrage von Finanz.at, dass der Faktor Arbeit zu hoch besteuert werde und daher entlastet werden muss.

"Klar ist, dass der Faktor Arbeit in Österreich viel zu hoch besteuert ist, während zB. Ressourcenverschwendung, Luftverschmutzung sowie Superreiche vergleichsweise niedrig besteuert werden", so Clara Schweighofer im Gespräch. "Wir setzen uns daher dafür ein diese Schieflagen in unserem Steuersystem zu beheben." Steuersenkungen ohne entsprechender Gegenfinanzierung wären jedoch nach Aussagen der Grünen unseriös.

Die Volkspartei unter Sebastian Kurz hatte im Wahlkampf ebenfalls angekündigt, die progessiven Steuerklassen in Österreich deutlich senken zu wollen. Davon besonders die untersten Steuerstufen profitieren. Zur Entlastung des Faktors Arbeit und niedriger Einkommen könnte es im Rahmen der Koalitionsverhandlung daher auch eine Zustimmung der Grünen geben.

So könnte diese Neuregelung der Steuerklassen aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro   55 % 55 %

Uneinigkeit könnte es hingegen bei den Themen Unternehmenssteuern, wie der Kapitalertragssteuer für Unternehmen, und der CO2-Steuer geben.

Finanzverwaltung wird ab Juli 2020 neu geregelt

Ab 01. Juli 2020 soll auch die beschlossene Neuregelung der österreichischen Finanzverwaltung in Kraft treten. Diese sieht eine Konsolidierung der Aufgaben der Finanzämter auf zwei Abgabebehörden mit bundesweiter Zuständigkeit vor.

Die derzeit 40 Finanzämter werden durch zwei bundesweiten Behörden, das "Finanzamt Österreich" und das "Finanzamt für Großbetriebe", ersetzt.

Zudem werden die aktuell neun bestehenden Zollämter zum gemeinsamen "Zollamt Österreich" zusammengefasst. Auch die Aufgaben der Steuerfahndung, der Finanzpolizei und der Finanzstrafbehörde werden ab 2020 in einem "Amt für Betrugsbekämpfung" zusammengeschlossen.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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