Ab Januar 2022 werden weite Teile der türkis-grünen Steuerreform in Kraft treten. Darin enthalten werden neben der angekündigten CO2-Bepreisung auch Lohnsteuersenkungen enthalten sein. Die geplante Entlastung für Geringverdiener könnte jedoch durch die kalte Progression nicht eintreten.

25.08.2021, 11:55 Uhr | von | Steuern
Diese Lohnsteuersenkungen kommen 2022 - ohne Entlastung für Geringverdiener
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Steuerreform

Laut Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sei man bei der Ausarbeitung der Steuerreform ab 2022 bereits sehr weit. Mit enthalten wird auch eine CO2-Bepreisung sein. Die Entlastung durch Steuersenkungen sei jedoch größer als der CO2-Preis, um für echte Entlastung zu sorgen. Mit Jahresbeginn 2022 sollen die Lohn- und Einkommenssteuersätze gesenkt werden. Dadurch müssen vor allem die Abgaben bei kleinen und mittleren Einkommen geringer ausfallen. Auch eine Senkung der Lohnnebenkosten sei vorgesehen.

Lohnsteuersenkungen ab 2022

Bereits 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie die Steuersenkung der erster Tarifstufe von bisher 25 auf 20 Prozent umgesetzt. Die weiteren Senkungen der Steuersätze von derzeit 35 auf 30 Prozent und von 42 auf 40 Prozent werden ab Januar 2022 folgen. Dabei werden also auch mittlere und höhere Einkommen deutlich mehr profitieren. Insgesamt soll die Steuersenkung für eine Entlastung von bis zu 1.230 Euro sorgen. Allerdings: die volle Entlastung werden nur Besserverdiener erhalten. Die volle Entlastung von 1.230 Euro wird nur Einkommen von rund mindestens 6.200 Euro brutto pro Monat zuteil.

So wird die neue Lohnsteuertabelle in Österreich nach der Steuerreform aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
ab 1.000.000 Euro 55 % 55 %

Alle Informationen zur Steuerreform 2022 findest du hier!

Steuersenkungen höher als Belastung durch CO2-Preis

Der Gesamtumfang der Steuerreform 2022 ist noch nicht gänzlich klar. "Es werden jedenfalls Milliarden sein", erklärt Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der die Reform bereits zum "Jahrhundertprojekt" erklärt hat. Es soll vor allem die untere Einkommenshälfte profitieren. "Unter dem Strich wird mehr Entlastung da sein als auf der anderen Seite durch den CO2-Preis hereinkommt", so Kogler gegenüber der "Krone". Das Problem: Nach Berechnungen des Instituts Agenda Austria werden aufgrund der kalten Progression von der durch die Senkung der Lohnsteuer und Einkommensteuer herbeigeführten Entlastung Geringverdiener kaum bis gar nicht profitieren.

Kalte Progression frisst Entlastung für Geringverdiener

Die Berechnung zeigt, dass für Personen mit einem monatlichen Einkommen von 2.000 Euro brutto die kalte Progression seit der letzten Reform sogar für eine zusätzliche Belastung von knapp 200 Euro im Jahr 2022 sorgen wird. Erst ab einem Monatseinkommen von 2.500 Euro brutto kommt es zu einer jährlichen Entlastung von 117 Euro, ab 3.000 Euro Einkommen sind es 360 Euro. Personen mit einem monatlichen Einkommen von 4.000 Euro brutto werden am Jahresende mit 380 Euro entlastet. Bei 5.000 Euro brutto pro Monat profitiert man von 570 Euro.

Einkommensbezieher ab 2.500 Euro würden damit zwar gewinnen - aber nur in der Theorie, analysiert Agenda Austria. In der Praxis werden auch sie durch die schleichende Steuererhöhung stark belastet, womit der Großteil der Steuersenkung verpufft. Auch für die übrigen Einkommensbezieher wird ein Teil der Steuersenkung aufgefressen. "Es kann erst dann von einer wirklichen Steuerreform gesprochen werden, wenn die kalte Progression abgeschafft wurde", so Agenda Austria-Ökonom Denes Kucsera in einer Aussendung. Erst danach würde eine Tarifreform eine nachhaltige Entlastung für die Steuerzahler bedeuten."

Steuern fürn Unternehmen werden ebenfalls gesenkt

Ebenfalls 2022 soll eine Senkung der Körperschaftsteuer (KöSt) kommen. Damit werden auch Unternehmen zukünftig steuerlich entlastet werden. Bereits im Juli hatte WKO-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) darauf gepocht, die KöSt. von 25 auf 21 Prozent zu reduzieren. "Wenn ich die Lohn- und Einkommensteuer senke, muss ich auch die KöSt senken", so Mahrer.

Durch die Absenkung der Körperschaftsteuer würden Unternehmen um bis zu 1,5 Milliarden Euro entlastet werden. Zeitgleich wird auch ein Modell diskutiert, dass es ermöglicht, fiktive Eigenkapitalzinsen steuerlich nutzen zu können. Das soll weitere 500 Millionen Euro Entlastung bringen.

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Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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