20.02.2020, 11:45 Uhr | von | Steuern

Die Taskforce zur Steuerreform nimmt ab nächster Woche ihre Arbeit auf. Dabei soll die Ökologisierung der Steuerreform von ÖVP und Grünen ausgearbeitet werden. Erste Teile werden 2021 in Kraft treten, die gesamten Maßnahmen ab 2022.

Taskforce zur Steuerreform: Das bringen die Maßnahmen den Österreichern
Bildquelle: Bundesministerium für Finanzen (BMF) | Finanzminister Gernot Blümel in Brüssel

Die Taskforce im Bundesministerium für Finanzen soll sich ab nächster Woche mit der Ausarbeitung der konkreten Maßnahmen zur Steuerreform ab 2021 und letztlich auch 2022 beschäftigen. Ziel ist dabei eine Ökologisierung des Steuersystems.

Ein erster und wesentlicher Bestandteil der Reform wird die Senkung der Lohnsteuertarife. Diese betrifft die untersten drei Lohnsteuerstufen. Einkommen zwischen 11.000 und 18.000 Euro zahlen künftig nur noch 20 statt der bisher 25 Prozent Einkommensteuer, zwischen 18.000 und 31.000 Euro fallen nur noch 30 statt 35 Prozent an. Von 31.000 bis 60.000 Euro wird die Stufe von 42 auf 40 Prozent gesenkt.

Senkung der Lohnsteuer bringt mehr Netto vom Brutto

Die Lohnsteuersenkung bringt Österreichern deutlich mehr Geld im Geldbörserl. Wer etwa monatlich ein Gehalt von 1.800 Euro brutto bezieht, verdient zukünftig netto 1.421,07 Euro (aktuell 1.398,88 Euro). Das ist ein monatliches Gehaltsplus von 22,19 Euro. Pro Jahr sind das inklusive Sonderzahlungen um 266,28 Euro mehr als vorher.

Arbeitnehmer, die ein Bruttogehalt von 2.000 Euro pro Monat verdienen, profitieren von 28,58 Euro mehr netto (1.511,12 Euro statt 1.482,54 Euro), bei 2.500 Euro brutto sind es bereits 49,05 Euro.

Die Lohnsteuersenkung wirkt sich durch die Änderung der Tarifstufen auf alle Einkommen in Österreich über 11.000 Euro pro Jahr aus. Einkommen darunter bleiben weiterhin steuerfrei.

Wie hoch Ihr Gehalt nach der Lohnsteuersenkung ist, können Sie mit dem Brutto Netto Rechner für die Steuerreform 2022 errechnen. Die neue Lohnsteuertablle soll wie folgt aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro 55 % 55 %

Familienbonus wird erhöht

Der Familienbonus wird von 1.500 Euro maximal pro Jahr auf 1.750 Euro erhöht. Das bedeutet, dass Familien mit Kindern je Einkommen pro Kind unter 18 Jahren zukünftig 1.750 Euro Steuerfreibetrag jährlich erhalten können.

Zudem wird der Kindermehrbetrag für Alleinerzieher und Alleinverdiener von 250 Euro auf 350 Euro pro Jahr erhöht.

Der Familienbonus Plus kann nach Einführung am 01. Januar 2019 seit Anfang des Jahres 2020 erstmalig rückwirkend mit Formular E30 beim Finanzamt beansprucht werden – sofern er nicht bereits direkt über die Lohnverrechnung beantragt wurde. Um Anspruch auf den Familienbonus zu haben, muss für das Kind im entsprechenden Jahr für mindestens sechs Monate aktiv Familienbeihilfe bezogen worden sein.

Zuverdienstgrenze bei Familienbeihilfe wird neu geregelt

Auch die Zuverdienstgrenze für Studierende während aktivem Bezug der Familienbeihilfe wird erhöht. Derzeit müssen rund 60 Prozent der Studierenden neben dem Studium arbeiten. Die Zuverdienstgrenze soll daher im Zuge der Steuerreform auf 15.000 Euro pro Jahr statt der bisherigen 10.000 Euro angehoben werden.

Steuerreform soll insgesamt 5,7 Milliarden Euro kosten

Für die Steuerreform hat die Regierung noch keine konkreten Berechnungen vorgelegt. Viele Maßnahmen sollen konkret erst von einer installierten Taskforce ausgearbeitet werden. Experten kommen jedoch anhand der Zahlen der alten Regierung aus ÖVP und FPÖ auf ein Gesamtvolumen der Kosten von 5,7 Milliarden Euro. Die Lohnsteuersenkung war unter anderem bereits im alten Regierungsprogramm enthalten und soll besonders Arbeitnehmer und Familien mit kleinem und mittlerem Einkommen entlasten.

Wie das Institut für Wirtschaftsforschung EcoAustria errechnet, wird die Senkung der niedrigsten Lohnsteuerstufe von 25 auf 20 Prozent rund 1,6 Milliarden Euro kosten. Diese Maßnahme soll laut Bundesregierung als erste der neuen Steuerreform umgesetzt werden.

Im zweiten Schritt soll die Lohnsteuer weiter abgesenkt werden. Die Stufen zwei und drei sollen von 35 auf 30 Prozent und von 42 auf 40 Prozent reduziert werden, was wiederum 2,3 Milliarden Euro kosten wird. Die Senkung der Körperschaftsteuer von 25 Prozent derzeit auf zukünftig 21 Prozent wird dem Staat weitere 1,8 Milliarden Euro kosten.

Umfrage: 60 Prozent der Österreicher mit positivem Urteil

Insgesamt fällen die Österreicher ein positives Urteil über die geplante Steuerreform. Mit 25,4 Prozent ist befindet rund ein Viertel die Reform als "gut", und ein Drittel der Befragten (34,5 Prozent) als "befriedigend". Damit stehen die Österreicher den bisher bekanntgegebenen Maßnahmen optimistisch gegenüber.

Wie beurteilen Sie die geplante Steuerreform?

Wie beurteilen Sie die geplante Steuerreform?

Dennoch ist ein Drittel mit den geplanten Reformen bis 2022 nicht zufrieden.

Mehr Informationen: Steuerreform

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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