28.06.2021, 10:50 Uhr | von | Steuern
Steuern und Abgaben: Was sich ab Juli in sterreich ndert
Bildquelle: pixabay.com / stevepb

Ab 01. Juli treten neue steuerliche Regelungen in Kraft. So wird etwa die NoVA abermals neu berechnet und geregelt, Steuerstundungen laufen aus. Weitere Steuersenkungen für Unternehmen wurde bereits angekündigt - wann sie in Kraft treten werden, ist noch unklar. An der Steuerreform und damit einhergehenden Lohnsteuersenkungen wird weiter festgehalten.

Diese steuerlichen Neuregelungen und Änderungen treten ab Juli 2021 in Kraft:

Steuerstundungen laufen aus

Die im Zuge der Coronakrise gewährten Steuerstundungen für Unternehmen laufen mit Ende Juni aus. Im Zuge dessen erinnert das Finanzministerium daran, dass eine allfällige benötigte Ratenzahlung bis zum 30. Juni beantragt werden muss. Die Beantragung kann direkt über FinanzOnline vorgenommen werden.

Der 30. Juni ist somit der letzte Tag, an dem Unternehmen ieine Ratenzahlung für die Steuerschulden beantragen können - ab 01. Juli muss die Steuerschuld wieder zurückgezahlt werden. Aufgrund der in den ersten drei Monaten niedrigen Raten von nur 0,5 oder 1,0 Prozent rechnen Experten bis September mit keiner Insolvenzwelle. Zurückfallen könnten die Steuerschulden auf die Geschäftsführer.

Das Ratenzahlungsmodell gilt für alle, bei denen mehr als die Hälfte der Steuerrückstände nach dem 15. März 2020 fällig geworden sind. Die Abgabenschuld kann dann innerhalb eines Zeitraums von bis zu 36 Monaten zurückgezahlt werden. Insgesamt wurden nach Angaben des BMF von Ende April aufgrund der Coronapandemie 5,4 Mrd. Euro für Stundungen und Herabsetzungen von Steuervorauszahlungen gewährt, davon entfiel die Hälfte auf echte Stundungen.

NoVA wird ab Juli erhöht

Bereits seit 01. Januar 2021 wird die Normverbrauchsabgabe (NoVA) für Neuzulassungen von Fahrzeugen in Österreich neu berechnet. Dadurch steigen die Preise für viele KFZ deutlich an. Einen NoVA-Rechner für 2021 findet man auf Finanz.at.

Ab 01. Juli 2021 wird die zweite Erhöhung der NoVA in Kraft treten. Diese führt dazu, dass der Höchst Steuersatz von 32 auf 50 Prozent und damit abermals die Höhe der NoVA deutlich angehoben wird. Zusätzlich wird ab Juli auch der Malusbetrag von 40 auf 50 Euro pro Gramm erhöht. Bis 2024 wird die Höhe der Normverbrauchsabgabe zudem jährlich automatisch steigen. Auch Motorräder werden ab Juli höher besteuert. Hier wird der Höchststeuersatz für Neuzulassungen ebenfalls angehoben.

Für diese Fahrzeuge ist ab Juli ebenfalls die Normverbrauchsabgabe abzuführen

Ab 01. Juli 2021 gilt die NoVA auch für alle KFZ zur Güterbeförderung mit mindestens vier Rädern und einer zulässigen Gesamtmasse von bis zu 3,5 t (Klasse N1).

Zusätzlich wird die NoVA auch an die Fahrzeugklassen des Kraftfahrgesetzes 1967 und nicht mehr an die Einordnung der Kombinierten Nomenklatur geknüpft. Von der Normverbrauchsabgabe weiterhin ausgenommen sind historische Fahrzeuge mit einem Baujahr vor 1956 bzw. wenn sie älter als 30 Jahre und in der Liste historischer KFZ eingetragen sind.

Diese KFZ sind von der NoVA ausgenommen

Steuerfrei bzw. von der NoVA ausgenommen sind ab Juli 2021 alle Fahrzeuge, die aufgrund des Antriebs keine CO2-Emissionen aufweisen. Für Vorführfahrzeuge und KFZ mit Tageszulassung bis 3 Monate entfällt die Steuer, ohne dass hierfür eine Vergütung beantragt werden muss.

Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro für Unternehmen

Laut Experten würden heimischen Unternehmen in den nächsten drei Jahren insgesamt bis zu 1,2 Milliarden Euro an Mehrkosten durch die Neuregelung der NoVA entstehen.

Neue Steuersenkungen für Unternehmen

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) und Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer haben am Montag einmal mehr auf Maßnahmen gedrängt, um in Unternehmen mehr Eigenkapital aufzubauen. Das wäre wichtig, damit die heimischen Betriebe für eine mögliche nächste Krise gerüstet sind, sagte Blümel. Neben anderen Stützungsmaßnahmen wies Blümel als Möglichkeiten auf eine unlängst vorgestellte neue Rechtsform für Wagniskapital (Sicaf) und eine fiktive Eigenkapitalverzinsung hin.

Körperschaftsteuer (KÖSt) soll gesenkt werden

Blümel bestätigte auch, dass es noch in dieser Legislaturperiode zu einer Absenkung der Körperschaftsteuer (KÖSt) von derzeit 25 "in Richtung 21 Prozent" kommen soll. Das sei insbesondere angesichts der Diskussionen um einen international verankerten Mindest-Steuersatz von 15 Prozent für Unternehmensgewinne wichtig, um im internationalen Wettbewerb nicht ins Hintertreffen zu geraten.

Gewinnfreibetrag von 13 auf 15 Prozent erhöhen

Angesichts der Entwicklung der Steuerstrukturen in anderen Ländern, in der Konkurrenz vor allem mit in Zentraleuropa, zeige sich "dass es gut ist, wenn wir die Steuern weiter senken", ergänzte Mahrer: "Im Wettbewerb mit den umliegenden Ländern liegen wir zum jetzigen Zeitpunkt einfach zu hoch". WKÖ-Generalsekretär Karl-Heinz Kopf ergänzte, dass parallel zur KöSt-Senkung auch angedacht sei, den Gewinnfreibetrag von 13 auf 15 Prozent zu erhöhen.

Wann die Umsetzung dieser Steuersenkungen erfolgen wird, ist noch völlig unklar. Im Juni wurden diese Schritte erstmals von der türkis-grünen Regierung angekündigt. Weitere steuerliche Entlastungen - wie etwa die Senkung der Lohnsteuer (Stufe 2 und 3) - sollen ebenfalls bis 2022 folgen. Hier wird laut Bundesregierung an den Plänen der Steuerreform festgehalten.

Arbeitslosigkeit sinkt weiter

Die Arbeitslosigkeit geht in Österreich weiter zurück: In der Vorwoche waren beim Arbeitsmarktservice 289.901 Leute arbeitslos gemeldet, um 5.000 weniger als in der Woche zuvor. In Schulungen befinden sich 72.200 Personen, somit sind derzeit 362.101 Leute ohne Arbeit. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit hat sich damit etwas verlangsamt, in der Vorwoche ging die Zahl der Menschen ohne Job um 7.083 zurück.

Derzeit sind nach Angaben des Arbeitsministeriums um 136.000 Personen weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Seit den Öffnungsschritten am 19. Mai ist die Arbeitslosigkeit um 37.600 gesunken.

Mehr Informationen: Steuerreform

aktualisiert: 30.06.2021, 12:10 Uhr
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Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
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Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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