Steuerentlastung wackelt - Sparmaßnahmen könnten neue Belastung für alle bringen

Die Abschaffung der kalten Progression wurde von Finanzminister Marterbauer bereits mehrfach als Fehler bezeichnet. Nun könnte die ohnehin bereits reduzierte Entlastung den Sparmaßnahmen aufgrund des Budgetdefizits zum Opfer fallen. Alle Details findet man hier auf Finanz.at.

24.11.2025, 07:00 Uhr von
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Bildquelle: Finanz.at (Montage) / Euro

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Die Lage der Staatsfinanzen ist angespannt. Für heuer wird ein gesamtstaatliches Defizit von rund 4,9 Prozent erwartet. Dass ohne tiefgreifende Reformen auf der Ausgabenseite kein dauerhaft stabiler Staatshaushalt möglich ist, gilt unter Budgetexperten als unbestritten.

Doch statt strukturelle Einschnitte vorzunehmen, deutet vieles darauf hin, dass Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) erneut an der Einnahmenseite ansetzen will – und damit direkt bei Arbeitnehmern und Pensionisten. Das berichtet unter anderem die Krone.

Wiedereinführung der kalten Progression im Gespräch

Im Zentrum steht die Debatte um die kalte Progression, die erst 2023 abgeschafft wurde. Sie entsteht, wenn Löhne aufgrund der Inflation steigen und Steuerzahler in eine höhere Tarifstufe rutschen, ohne real mehr Kaufkraft zu erhalten. Zwei Drittel dieses Effekts wurden seit der Reform automatisch ausgeglichen, um diese schleichende Steuererhöhung zu verhindern.

Marterbauer bezeichnete das Aus der kalten Progression mehrfach als „Fehler der Budgetpolitik“ – und genau diese zwei Drittel könnten nun wieder gestrichen werden. Das würde bedeuten: Lohnerhöhungen würden ab 2026 wieder stärker von der Steuer abgefangen, ohne tatsächlichen Mehrwert für die Beschäftigten.

Für die Regierung wäre das ein schneller Weg, Milliarden einzunehmen. Eine Reform der großen Kostenblöcke – Pensionen, Gesundheitssystem, Sozialleistungen, öffentlicher Dienst – ist politisch heikel, langwierig und technisch aufwendig. Das Rückgängigmachen des Progressionsausgleichs hingegen funktioniert sofort und sorgt aufgrund der Komplexität oft nur für begrenzte öffentliche Reaktionen.

Die Abschaffung der kalten Progression wurde aufgrund der Budgetsanierung bereits reduziert. So wird etwa das dritte Drittel, dass nicht automatisch zur Anwendung kommt, einbehalten. Das wirkt sich letztlich auf die neue Lohnsteuertabelle ab 2026 und die Steuerentlastung in Österreich aus. Wie viel man ab 01. Januar 2026 netto verdient, kann man bereits jetzt mit dem Brutto-Netto-Rechner und Pensionsrechner auf Finanz.at herausfinden.

Die neue Lohnsteuertabelle ab 2026 sieht wie folgt aus:

Einkommen (2026) Einkommen (2025) Steuersatz (2026) Steuersatz (2025)
bis 13.539 Euro bis 13.308 Euro 0 % 0 %
bis 21.992 Euro bis 21.617 Euro 20 % 20 %
bis 36.458 Euro bis 35.836 Euro 30 % 30 %
bis 70.365 Euro bis 69.166 Euro 40 % 40 %
bis 104.859 Euro bis 103.072 Euro 48 % 48 %
bis 1.000.000 Euro bis 1.000.000 Euro 50 % 50 %
ab 1.000.000 Euro ab 1.000.000 Euro 55 % 55 %
Grundlage der Prognose: Erhöhung aller Tarifstufen bis zur höchsten Stufe um 1,75 %.

Was Arbeitnehmer und Pensionisten verlieren würden

Die Auswirkungen wären konkret:

  • Bei 2.000 Euro brutto pro Monat ginge sich ein jährliches Minus von 82 Euro netto aus.
  • Bei 4.000 Euro brutto wären es bereits mehr als 230 Euro netto.

Das rechnet die Agenda Austria vor, die generell vor einer höheren Belastung des Faktors Arbeit warnt. Österreich zählt schon heute zu den Ländern mit der höchsten Abgabenquote auf Arbeitsleistung.

Milliarden für den Staat

Für die öffentliche Hand wäre die Maßnahme äußerst lukrativ:

  • 2026: rund 1 Milliarde Euro zusätzlich
  • 2029: bereits 4,6 Milliarden Euro jährlich
  • Summe 2026–2029: 11,6 Milliarden Euro

Ganz ohne Reformen auf der Ausgabenseite würde sich der Staat dadurch – erneut – stärker über die Einkommen der Beschäftigten finanzieren.

Kritik: Vollzeit trifft es stärker

Laut Ökonom Dénes Kucsera (Agenda Austria) hätte die Wiedereinführung auch arbeitsmarktpolitische Nebenwirkungen. Höhere steuerliche Belastungen bei höheren Einkommen könnten Teilzeitmodelle attraktiver machen, da Arbeitsstunden am oberen Ende stärker besteuert würden. Gleichzeitig fließen die Einnahmen aus der Lohnsteuer ohnehin kräftig – seit 2022 um 20 Prozent, während die Inflation im selben Zeitraum um 12 Prozent gestiegen ist.

Die Debatte um den „Steuerhammer“ dürfte in den kommenden Monaten intensiver werden – und für viele Beschäftigte und Pensionisten eine spürbare Verschlechterung der finanziellen Situation bedeuten.

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aktualisiert: 24.11.2025, 07:00 Uhr
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Mehr Informationen: Lohnsteuer

Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
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