Zu wenig Pflegegeld: Falsche Einstufung - viele Betroffene klagen

Pflegebedürftige erhalten in Österreich je nach Pflegebedarf monatlich eine finanzielle Unterstützung in Form des Pflegegeldes. In vielen Fällen soll die Einstufung laut AK jedoch zu niedrig sein. Alle Details dazu findet man hier auf Finanz.at.

16.06.2026, 07:00 Uhr von
Pflegegeld
Bildquelle: Finanz.at (Montage) / Pflegegeld

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Rund 475.000 Menschen beziehen aktuell Pflegegeld in Österreich. Die Einstufung soll jedoch in vielen Fällen nicht korrekt sein, weshalb weniger Geld ausgezahlt wird als Betroffenen aufgrund des tatsächlichen Pflegebedarfs zustehen würde.

Wie der ORF kürzlich berichtet hat, häufen sich die Pflegegeldberatungen bei der Arbeiterkammer in den vergangenen Jahren. Laut AK Oberösterreich etwa verzeichne man in den letzten vier Jahren eine Steigerung von 75 Prozent in der Beratung bei den Pflegefällen. Man habe derzeit rund 600 Fälle pro Jahr und sei "fast jeden Tag bei Gericht", um Betroffenen zur richtigen Einstufung beim Pflegegeld zu verhelfen, wie AK-OÖ-Direktorin Andrea Heimberger berichtet.

In allen Fällen von Sozialrechtsangelegenheiten geht es laut AK vor Gericht. Außergerichtliche Einigungen sind nicht möglich, wie die AK mitteilt. Dabei handle es sich überwiegend um die Themen Pension und Pflegegeld. "Wir fordern eine lückenlose Aufklärung, wie solch falsche Einstufungen zustande kommen, die regelmäßig korrigiert werden müssen. Auffällige Fehlbegutachtungen müssen auch Sanktionen zur Folge haben", so Andreas Stangl, Präsident der Arbeiterkammer OÖ, in einer Aussendung vor wenigen Wochen.

Bereits im Vorjahr hat Finanz.at über ähnliche Fälle berichtet. Laut Arbeiterkammer Vorarlberg kam es häufig vor, dass die Einstufung pflegebedürftiger Menschen zu niedrig ausfällt. Die Pflegestufen und der notwendige Pflegebedarf entscheiden letztlich über die Höhe des Pflegegeldes. Laut AK habe man allein in den vergangenen drei Jahren in 611 Fällen in Vorarlberg vor Gericht geklagt. Prüfungen entschieden in über der Hälfte der Fälle, dass die Stufe tatsächlich zu niedrig gewesen sei.

Extrembeispiele seien laut AK damals vor allem zwei Fälle gewesen, bei denen Betroffene zunächst in Pflegestufe 1 eingestuft wurden. Letztlich wurde diese auf Stufe 5 erhöht. Das ergibt immerhin eine Differenz von fast 900 Euro monatlich beim Pflegegeld.

Die Arbeiterkammer rät daher dazu, unbedingt ein Pflegetagebuch zu führen. Darin sollte der tägliche und wöchentliche Pflegebedarf schriftlich festgehalten werden. Im Zweifel sollte man die Pflegestufe auch überprüfen lassen.

Pflegegeld wurde auch 2026 erhöht

Das Pflegegeld wird in Österreich anhand des Pflegebedarfs (Stunden pro Monat und besonderen Pflegeaufwand) errechnet. Hierfür werden die Personen in bis zu sieben Pflegestufen eingeteilt.

Wie hoch das Pflegegeld je nach Pflegebedarf im Jahr 2026 ausfallen wird, zeigt diese Tabelle:

Plegestufe Betrag 2025 Betrag 2026 *
Stufe 1
Monatl. Pflegebedarf mehr als 65 Stunden
200,80 Euro 206,30 Euro
Stufe 2
Monatl. Pflegebedarf mehr als 95 Stunden
370,30 Euro 380,30 Euro
Stufe 3
Monatl. Pflegebedarf mehr als 120 Stunden
577,00 Euro 592,60 Euro
Stufe 4
Monatl. Pflegebedarf mehr als 160 Stunden
865,10 Euro 888,50 Euro
Stufe 5
Monatl. Pflegebedarf mehr als 180 Stunden
bei außergewöhnlichem Pflegeaufwand
1.175,20 Euro 1.207,00 Euro
Stufe 6
Monatl. Pflegebedarf mehr als 180 Stunden
bei regelmäßiger Betreuung bei Tag und Nacht
oder dauernder Anwesenheit einer Pflegeperson (24 Stunden)
1.641,10 Euro 1.685,50 Euro
Stufe 7
Monatl. Pflegebedarf mehr als 180 Stunden
wenn keine "zielgerichtete" Bewegungen der Extremitäten möglich
2.156,60 Euro 2.214,90 Euro
* Die Beträge werden um 2,7% angehoben. Die Beträge gelten pro Monat und sich von der Lohnsteuer und Krankenversicherungsbeiträgen befreit.

Die Höhe kann auch mit dem Pflegegeld-Rechner online berechnet werden. Dabei wird der monatliche Pflegebedarf anhand der Stundenanzahl eingetragen und das Jahr ausgewählt, für das der Auszahlungsbetrag berechnet werden soll.

Pflegeboni auch heuer möglich

Auch heuer werden wieder diverse Pflegeboni und Zuschüsse für pflegende Angehörige in Österreich ausgezahlt. So wurde etwa mit Jahresbeginn der 2023 eingeführte "Angehörigenbonus" erhöht. Die neue Höhe liegt 2026 bei monatlich 134,30 Euro bzw. jährlich 1.611,60 Euro. Alle Informationen und Details zum Anspruch und den Voraussetzungen findet man hier auf Finanz.at.

In Niederösterreich gibt es zudem auch in diesem Jahr wieder einen eigenen Bonus: den NÖ Pflege- und Betreuungsscheck. Dieser fördert pflegebedürftige Personen mit 1.000 Euro pro Jahr extra. Anträge sind pro Kalenderjahr von 01. Januar bis inklusive 31. Dezember 2026 möglich.

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aktualisiert: 16.06.2026, 07:00 Uhr
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Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
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