05.01.2021, 13:00 Uhr | von | Wirtschaft
Zweistellige Wachstumsraten im Bereich IT-Sicherheit & Digitalisierung
Bildquelle: Finanz.at | Digitalisierung

Während viele Branchen unter der Corona Pandemie, vor allem unter den damit verbundenen existenzbedrohenden Maßnahmen leiden, boomt der Bereich IT-Sicherheit und Digitalisierung mit all seinen Nebenkriegsschauplätzen und Teilsegmenten. Berechnungen des IT-Marktforschungsunternehmens IDC im Auftrag des deutschen Branchenverbands Bitkom analysieren kontinuierliche Wachstumsraten und damit eine rosige Zukunft - auch für Anleger.

Weiterer Anstieg bei IT-Security Investitionen

Schon 2018 war ein Rekordjahr für die IT-Security-Branche. 2019 stiegen die Umsätze noch einmal deutlich an. Das Pandemie-Jahr 2020 toppt jedoch alles. Mit voraussichtlichen Ausgaben in Höhe von 5,2 Milliarden Euro deutscher Unternehmen für Software und Dienstleistungen liegt der Investitionsanstieg in diesem Segment bei 5,6 % im Vergleich zu 2019. Das größte Geld fließt in Dienstleistungen, gefolgt von Software, Endgeräten und ergänzender Hardware - z. B. professionelle Router und Hardware-Firewalls.

Digitales Wettrüsten

Es sind viele kleine Bausteine, die den IT-Markt so beflügeln. Die Umstellung von ISDN auf All-IP “zwingt” Unternehmen beispielsweise, in neue Telefonie Lösungen wie gehostete, virtuelle Telefonanlagen von 3CX und Co zu investieren. Speziell “dank” Corona sind auch neue Arbeitsformen wie die das verteilte Arbeiten im Home-Office mehr als nur im Gespräch. Unternehmen weltweit müssen schnell handeln und möglicherweise Versäumtes in Windeseile nachholen, um in der Krise nicht unterzugehen.

Cybercrime auf dem Vormarsch

Nicht nur Unternehmen und Bildungseinrichtungen rüsten auf - auch Kriminelle wittern Ihre Chance. Insbesondere Betriebe, für die Home-Office, Cloud-Computing und Co absolutes Neuland sind, machen zu Beginn noch viele Fehler: Sei es eine unzureichende Passwortvergabe und -Verwaltung, die nicht-Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben an den Heimarbeitsplätzen oder eine mangelhafte Backup-Strategie.

Die Folgen: Datenverlust, Bußgelder und existenzbedrohende Zustände wegen kompletter Lahmlegungen des Betriebs - ganz ohne Corona-Maßnahmen, sondern wegen dem temporären Ausfall der IT-Infrastruktur.

Matthias Jablonski, Vorstand der IT-Genossenschaft kiwiko e.G. fasst die aktuelle Situation so zusammen: „Der Fokus der kiwiko Unternehmen hat sich binnen weniger Jahre so stark in Richtung IT-Security verlagert, wie es bisher bei anderen IT-Trends kaum möglich war. Neben vollen Auftragsbüchern und regen M&A Aktivitäten findet vor allem eine enorme Vernetzung zwischen Industrie, Politik und IT-Security Spezialisten statt. Durch die Corona-Pandemie wurde der Trend noch beflügelt.“

Staat fördert Beratungsdienstleistungen

Was in Deutschland das Förderprogramm go-digital, das ist in Österreich die Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und der Wirtschaftskammer Österreich “KMU DIGITAL”. Dabei unterstützt der Bund halbtägige Status- und Potenzialanalysen mit 80 % und bis zu zweitägige Strategieberatungen mit 50 %.

Die Ziele: Wirtschaftlichen Schaden durch Cybercrime minimieren und Unternehmen dabei unterstützen, sich nachhaltig in der digitalen Welt zu positionieren, um Wachstum voranzutreiben und etwaige Einbrüche abzufedern.

Außerdem können kleine und mittlere Unternehmen in Österreich seit 2019 Umsetzungsförderungen beantragen, bei denen teilweise Projekt-Investitionen zwischen 5.000 und 20.000 Euro mit bis zu 30 Prozent gefördert werden.

Immerhin sehen laut statista 70 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung als Chance.

Beratung in drei Themenbereichen

E-Commerce und Social Media, Geschäftsmodelle und Prozesse sowie IT-Sicherheit: Das sind die drei Bereiche, für die eine Förderung im Rahmen von KMU DIGITAL möglich ist.

Konkret geht es also um den Ausbau digitaler Vertriebs- und Kommunikationsstrukturen, die Optimierung bestehender Software und Hardware sowie Risikoanalysen mittels sog. Penetrationstest und Security Scans.

Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass nicht etwa Software- und Hardware-Käufe subventioniert werden, sondern lediglich die Beratung. Diese ist allerdings unausweichlich, wenn man von vornherein die richtigen Entscheidungen treffen und nicht unnötig Geld “verbraten” sowie sich akuter Gefahrenlagen aussetzen will.

In IT-Unternehmen investieren?

Wer schon länger mit dem Gedanken gespielt hat, sich im IT-Bereich selbstständig zu machen, der hat momentan sicherlich gute Chancen, seine unternehmerischen Pläne durch Erfolg zu krönen. Vor allem Systemhäuser, IT-Security-Consultants und Datenretter profitieren von der Digitalisierung - und von der Pandemie, die eben diese Digitalisierung auf “Lichtgeschwindigkeit” beschleunigt.

Hohe Anforderungen an zertifizierte Beratungsunternehmen

Wichtig: Firmen mit Beratungsbedarf wenden sich naturgemäß an zertifizierte Beratungsunternehmen, deren Dienstleistungen gefördert werden. Eine entsprechende Zertifizierung erhält man als Berater*in nicht über Nacht. Um Missbrauch vorzubeugen, stellt das Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort hohe Anforderungen an solche, die sich als Dienstleister zertifizieren lassen möchten.

Dazu zählen u.a. eine zumindest dreijährige berufliche Tätigkeit als Unternehmensberater/in im Feld Digitalisierung, eCommerce, IT-Sicherheit und / oder Unternehmensberatung. Außerdem müssen Referenzen für zumindest drei durchgeführte Projekte in den zu beratenden Themenfeldern nachgewiesen werden.

Börsennotierte IT-Unternehmen

Wer nicht gleich ein Gewerbe anmelden oder eine GmbH gründen möchte, kann natürlich auch über Investitionen in börsennotierte IT-Unternehmen von der aktuellen Entwicklung profitieren. Eine über die letzten Jahre hinweg recht konstante Entwicklung verzeichnet zum Beispiel die Aktie des Softwaregiganten Microsoft.

Das von Bill Gates gegründete Unternehmen ist mit Office 365, einer Cloud-Variante der beliebten Office-Suite, hervorragend aufgestellt und fast flächendeckend in Unternehmen und Privathaushalten vertreten.

Insbesondere “Teams” erfreut sich großer Beliebtheit. Das in Office 365 enthaltene “Tool” dient als Plattform für Chats, Videokonferenzen, Terminierung und File-Sharing. Damit ist sogar Homeschooling über Teams möglich. Sehr beliebt ist Teams auch als Ergänzung oder eigenständige Alternative zur modernen VoIP-Telefonanlage.

IT-Security Soft- und Hardware

Neben Verwaltungssoftware werden auch spezielle IT-Security-Suiten von Entwicklern wie McAfee und Kaspersky verstärkt nachgefragt. Diese sind zwar nur ein Teil nachhaltiger IT-Security-Strategien von Unternehmen, aber eben alles andere als sinnlos. Auch Passwort-Manager zählen zum teilweisen Angebot bekannter Softwarehersteller.

Die Aktienkurse der hier genannten Firmen sind allerdings sehr volatil. Das gilt auch für Cisco Systems, einem Big Player am IT-Markt und Hersteller von Netzwerktechnik, Endpoint-Security-Lösungen, Storage-Geräten und Analysetools.

Clouds, Social-Media und E-Commerce

Möglicherweise wachsen die Hersteller von Storage-Systemen für Unternehmen deshalb nicht mehr so schnell, weil sich immer mehr in die Cloud verlagert. Profiteure sind eher Unternehmen wie Googles Mutterkonzern Alphabet, dessen Wachstum natürlich auch durch andere Auswirkungen der Digitalisierung nicht zu bremsen ist.

Doch es wird nicht nur mehr “gegoogelt” und mehr in der Cloud, statt auf lokalen Servern gespeichert: Auch der Onlinehandel wächst und wächst. Das zeigt nicht zuletzt die Entwicklung der Zalando Aktie.

Amazon, der größte Onlinehändler weltweit, gefolgt von JD.com, ist über sein Tochterunternehmen Amazon Web Services außerdem mit einer professionellen Cloud-Plattform am Start.

Übrigens: Auch Streaming-Portale wie Netflix entpuppen sich in Zeiten des Corona-bedingten Kinosterbens als gutes Investment.

Facebook allgegenwärtig

Last but not least scheint auch Facebooks Aktienkurs keine Pause auf der Reise in Richtung neuer Rekorde einlegen zu wollen. Der Zuckerberg-Konzern, der sich schon 2012 Instagram und 2014 die Instant-Messaging-Lösung WhatsApp einverleibt hat, entwickelt sein Angebot stetig weiter.

Neben einem anständigen Webauftritt (Webseite, Onlineshop etc.) und einer starken Google-Präsenz (z. B. Google My Business Profil, AdWords Kampagne, nachhaltige SEO) führt auch an Facebook-Profilen für Unternehmen samt zielgerichteter Ad-Kampagnen kaum noch ein Weg vorbei.

Nicht erst seit Cambridge Analytica und Donald Trump wissen wir, dass selbst moderner Wahlkampf vornehmlich auf Social-Media-Plattformen geführt wird.

Tipp: Risikoverteilung durch Fonds und ETFs

Will man nicht in volatile Einzelwerte investieren oder ist die Angst, dass irgendwann auch für Amazon, Facebook, Microsoft und Co die Talfahrt ansteht, lässt sich das Risiko durch klassische Fonds und ETFs (börsengehandelte Fonds) mit einem breiten Portfolio minimieren.

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Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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