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In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ist nach mehreren Wochen zäher Verhandlungen ein Kollektivvertragsabschluss gelungen. In der vierten und zugleich letzten Runde einigten sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auf eine Erhöhung der kollektivvertraglichen Mindestgehälter um 2,55 Prozent. Die Anhebung ist mit 150 Euro gedeckelt und tritt mit dem vereinbarten Stichtag in Kraft. Auch Lehrlinge profitieren vom Abschluss: Ihre Einkommen steigen ebenfalls um 2,55 Prozent, zusätzlich wird eine Freizeitoption eingeführt.
Das im Vorjahr beschlossene Mindest Gehalt von 1.957,57 Euro in der Verwendungsgruppe I. steigt damit auf 2.008,47 Euro brutto pro Monat an. Das bringt den Angestellten im heurigen Jahr aufgrund der Steuerentlastung eine jährliche Netto-Erhöhung von 552,11 Euro (39,16 Euro pro Monat).
Die Höhe des neuen Netto-Gehalts und einer Gehaltserhöhung kann mit dem Brutto-Netto-Rechner für 2026 auf Finanz.at berechnet werden.
Kompromiss unter „schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“
Aus Sicht der Gewerkschaft GPA handelt es sich um einen Kompromiss unter schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der zuständige Wirtschaftsbereichssekretär Bernhard Hirnschrodt verweist auf den zunehmenden Druck durch die starke Marktkonzentration im Handel. Große Handelsketten hätten ihre Marktmacht weiter ausgebaut, was sich direkt auf die Herstellerseite auswirke. Besonders im Getränkesektor seien Absatzrückgänge spürbar, unter anderem als Folge der Einführung des Pfandsystems. Gleichzeitig blieben hohe Energie- und Rohstoffpreise zentrale Kostentreiber für die Betriebe.
Der nun erzielte Abschluss soll vor allem eines bringen: Planbarkeit und eine gewisse Stabilität für Unternehmen wie Beschäftigte.
Nach Angaben der Gewerkschaft war der Verhandlungserfolg auch das Resultat intensiver Mobilisierung in den Betrieben. Betriebsrätinnen und Betriebsräte, zahlreiche Betriebsversammlungen und eine hohe Beteiligung der Beschäftigten hätten maßgeblich dazu beigetragen, den notwendigen Druck auf die Arbeitgeberseite aufzubauen. Aus Sicht der GPA zeigt der Abschluss, dass gemeinsames Auftreten in wirtschaftlich angespannten Zeiten Wirkung entfalten kann.
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Abstimmung für 150.000 Beschäftigte im Handel folgt
Parallel dazu rückt auch der Handel in den Fokus. Rund 150.000 Handelsarbeiterinnen und Handelsarbeiter könnten in den kommenden Monaten ebenfalls ein Lohnplus erhalten. Nach der vierten Verhandlungsrunde kündigte die Gewerkschaft vida an, das aktuelle Angebot der Arbeitgeber den Beschäftigten zur Abstimmung vorzulegen. Dieses sieht ebenfalls eine Erhöhung der Löhne um 2,55 Prozent vor. Ob der neue Kollektivvertrag zustande kommt, hängt nun vom Ausgang dieser Befragung ab, mit einem Ergebnis wird in den nächsten Wochen gerechnet.
Aus Sicht der Gewerkschaft vida blieb der Durchbruch im Handel begrenzt. Verhandlungsleiterin Christine Heitzinger spricht von keinem großen Wurf, betont aber, dass wichtige Verschlechterungen abgewehrt werden konnten. So hätten die Arbeitgeber ursprünglich gefordert, Samstagsarbeit per Betriebsvereinbarung deutlich auszuweiten sowie bestehende Regelungen zur Altersteilzeit und Bildungskarenz aufzuschnüren. Diese Punkte konnten laut Gewerkschaft verhindert werden. Neben der allgemeinen Lohnerhöhung wurden zumindest bei einzelnen Zulagen Verbesserungen erzielt: Die Kältezulage steigt um 4,65 Prozent, die Nachtzulage um 4,35 Prozent.
Insgesamt zeigt sich damit ein gemischtes Bild der aktuellen Lohnrunde. Während die Erhöhungen vielfach unter der Inflation liegen, bringen sie dennoch für viele Beschäftigte ein reales Plus und vor allem Planungssicherheit. Wie stark sich die Abschlüsse letztlich im Alltag auswirken, hängt jedoch nicht zuletzt von der weiteren Preisentwicklung ab.

