18.11.2019, 12:45 Uhr | von | Finanzen
Reportage

Die Fintech-Branche in Europa boomt. Banking-Startups, wie N26 oder Revolut, machen beinahe täglich mit neuen Innovationen und Wachstumszahlen auf sich aufmerksam. Besonders das Angebot an digitalen Bankkonten nimmt zu. Nun zeichnet sich ein neuer Branchen-Trend in der Fintech-Szene ab: Internationalisierung und Expansion.

Fintech-Startups - Challenger-Banken wachsen durch Milliarden-Investments
Bild: Finanz.at / pixabay.com (Montage)

Russische Tinkoff Bank gilt für Startups als Vorbild

Als Vorreiter für diesen Trend gilt die russische Tinkoff Bank. Sie wurde bereits 2006 als "Neobank" von Oleg Tinkov in Moskau gegründet und bietet unter anderem Online-Banking mit digitalen Girokonten an. Tinkoff gilt als Vorbild für die europäischen Banking-Startups N26 und Revolut.

Wie im Oktober bekannt wurde, plant die Bank den Börsengang an der Moscow Exchange. Das Ziel ist neue Kunden zu akquirieren und damit einen noch größeren Anteil des Einzelhandels zu gewinnen. Das Online-Modell von Tinkoff basiert derzeit rein auf russischen Privatkunden. Wie The Moscow Times im Oktober berichtete, möchte man sich durch die Expansion vom zentralisierten Bankensektor in Russland, der zu drei Viertel von staatlichen Banken kontrolliert wird, abheben. Vor allem vom Markt für Verbraucherkredite konnte die Trinkoff Bank, die mittlerweile über zehn Millionen Kunden zählt, bisher am stärksten profitieren - der Markt wuchs in den vergangenen fünf Jahren von 10,6 auf 16,3 Billionen Rubel (umgerechnet rund 260 Milliarden US-Dollar).

Laut Oliver Hughes, CEO der Trinkoff Bank, kommen jeden Monat 400.000 Neukunden hinzu. Die geplante Expansion könnte ein Plus von 85 Prozent in den nächsten zwei Jahren bringen und die Kundenzahl in den nächsten drei Jahren nahezu verdoppeln.

Revolut sammelt Milliarden für Expansion

Die britische Online-Bank Revolut plant ebenfalls eine Expansion. Derzeit arbeitet man an einer weiteren Finanzierungsrunde, um das geplante Wachstum realisieren zu können. Insgesamt sollen dafür 1,5 Milliarden US-Dollar lukriert werden. Ziel der Expansion ist eine Banklizenz in den Vereinigsten Staaten von Amerika. Wie Sky News berichtet, soll das Startup von Gründer und CEO Nikolay Storonsky eine Unternehmensbewertung von fünf bis zehn Milliarden US-Dollar ins Auge gefasst haben.

Die Finanzierung soll zu einem Drittel über ein direktes Investment und zu zwei Drittel über Wandelanleihen realisiert werden. Auch ein deutscher Investor ist mit an Bord. Rocket Internet ist bereits seit 2018 bei Revoult investiert. Das börsennotierte Berliner Beteiligungsunternehmen hat bereits im Vorjahr als Startup-Inkubator Anteile in mittlerer Millionenhöhe angekauft.

N26 wächst trotz Kritik

Auch N26 ist in der Fintech-Szene mittlerweile ein klingender Name. Das Banking-Startup der Wiener Co-Founder Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, die es bereits im Juli in die Liste der reichsten Österreich geschafft haben, soll laut Fintech-Beobachter Finance FWD aktuell eine Unternehmensbewertung von 3,5 Milliarden US-Dollar aufweisen.

Dennoch steht das Unternehmen immer wieder in der Kritik. Erst im April soll die Challenger-Bank ins Visier der deutschen Finanzmarktaufsicht geraden sein, wie das Handelsblatt berichtet. Aufgrund diverser Mängel nahm man das Unternehmen damals genauer unter die Lupe. Dennoch sollen pro Tag rund 10.000 neue Kunden gewonnen werden.

In Österreich machte N26 zuletzt auf sich aufmerksam, als das neue Büro in Wien eröffnet wurde. Bis 2020 möchte man 100 Beschäftigte in Wien erreichen. Insgesamt zählt die Online-Bank derzeit rund 1.300 Mitarbeiter.

Im Juli 2019 gelang N26 mit dem Start am US-Markt ein weiterer großer Schritt in der Expansion. Gemeinsam mit dem Bankpartner Axos erreichte man trotz längerer Verzögerung den Markteintritt in den USA, der sich nach Angaben von CEO Stalf durchaus positiv entwickelt hat.

Analyse: Banken müssen sich anpassen

Insgesamt sind die Fintech-Startups im Online-Banking weiterhin auf dem Vormarsch. Die Expansionen und Finanzierungsrunden zeigen, dass viele Investoren Challenger-Banken nicht als kurzzeitigen Trend, sondern tatsächlich als Chance im Wettkampf gegen herkömmliche Banken sehen. Für diese bedeutet es jedoch, dass man die Digitalisierung und das Angebot im Online-Banking-Sektor weiter forcieren und an die Gegebenheiten der Zeit anpassen muss. In Österreich zeigt die Erste Bank mit George, wie erste Schritte in diesem Segment aussehen können und sollten. Legen N26, Revolut und Co. noch weiter an Wachstum zu, könnten herkömmliche Banken in Zukunft jedoch einen Wettbewerbsnachteil haben.

Referenzen:

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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