11.12.2019, 11:45 Uhr | von | Wirtschaft

Laut globalem Wettbewerbsindex des Weltwirtschaftsforums liegt Österreich bei der Dauer einer Firmengründung mit durchschnittlich 21 Tagen auf Platz 105 von 141. Die Wirtschaftskammer sieht dieses Ranking jedoch kritisch.

Dauer von Firmengründungen - Österreich ist schneller als gedacht
Bildquelle: Finanz.at | Firmengründungen in Österreich

Der Globale Wettbewerbsindex des World Economic Forum gibt an wirtschaftliche Faktoren und Messwerte von 141 Staaten und Wirtschaftsstandorten zu erheben. Unter anderem wird eine durchschnittliche Dauer von Firmengründungen ermittelt. Auf Platz eins wird im Index für 2019 Neuseeland mit weniger als einem Tag bis zu Gründung eines Unternehmens geführt.

Auf den letzten Rängen liegen Haiti (97 Tage), Kambodscha (99 Tage) und Laos (174 Tage) vor dem Schlusslicht Venezuela mit 230 Tagen. Österreich wird mit durchschnittlich 21 Tagen auf Rang 105 von 141 gereiht.

Der "Global Competitiveness Index" erfasst laut eigenen Angaben bestimmte Faktoren und Determinanten für ein langfristiges Wachstums. Dabei vergibt die World Bank Group einen Score von 0 bis 100 und eine Platzierung im Ranking zwischen 1 und 141.

"Mehrzahl der Gründungen geht in 15 Minuten über die Bühne"

Kritik an diesem Ranking gibt es seitens der Wirtschaftskammer.

"Da die Erhebungsmethoden und Parameter in den Ländern voneinander abweichen, ist ein seriöser Vergleich der Zahlen dementsprechend nicht möglich", erklärt Elisabeth Salzer aus dem Data & Media Center der Wirtschaftskammer Österreich auf Anfrage von Finanz.at.

"In Österreich werden zu über 80 Prozent Einzelunternehmen gegründet. Diese Mehrzahl der Gründungen geht - da es sich zumeist um freie Gewerbe handelt - in rund 15 Minuten über die Bühne. Die erwähnten 21 Tage beziehen sich ausschließlich auf die Gründungen von GmbHs."

In Österreich wird die Rechtsform der GmbH von lediglich 12 Prozent der Gründer verwendet. Die Dauer von bis zu 21 Tagen hängt dabei vor allem von den Pflichten und der Bürokratie ab.

"Die Dauer ergibt sich aus der Verpflichtung zum Notariatsakt, der Einreichung und Genehmigungsdauer beim Firmenbuchgericht sowie der Zuteilung der Steuernummer. Erst wenn die GmbH als juristische Person begründet ist, kann die Gewerbeberechtigung dafür gelöst werden", teilt Elisabeth Salzer mit. "Dies ist dann zumeist in wenigen Minuten möglich."

Risiken bei zu schneller Gründung

Natürlich könnte es auch ein Risiko für Jungunternehmer sein, wenn Firmengründungen unüberlegt und ohne Unterstützung durch Experten voreilig durchgeführt werden können.

"Wenn die Gründung gut überlegt und vorbereitet sind und administrative Schritte wenig Zeit in Anspruch nehmen, ist eine kurze Gründungsdauer positiv zu bewerten. Ein Risiko wäre, wenn Gründer unvorbereitet und ohne ausreichende Beratung in die Selbständigkeit starten würden", heißt es dazu aus der Wirtschaftskammer.

Optimierungen bei Bürokratie möglich

Es wäre wünschenswert, wenn Gründungen effizienter und ohne bürokratische Verzögerungen abgewickelt werden könnten. Die Wirtschaftskammer sieht etwa Optimierungsbedarf bei der Bearbeitungsdauer des Firmenbuchgerichts, aber auch in der Abschaffung des Notariatsaktes und der Veröffentlichungspflicht in der Wiener Zeitung. Auch wäre für die WKO eine "automatische Zuteilung der Steuernummer innerhalb von 24h wünschenswert".

Auch der ehemalige Bundeskanzler und Startup-Investor Christian Kern sieht in Österreich noch Potential. Es sei zwar viel passiert, wie er im Interview mit Finanz.at im Juni berichtet hat, "wir brauchen aber noch viel mehr an strukturierter Unterstützung für Startups und Innovatoren." Auf die Entwicklung Österreichs als Firmenstandort für Neugründungen angesprochen, antwortete Kern: "Es ist besser geworden, aber es reicht bei weitem nicht."

Digitalisierung als Hebel

Es gebe natürlich noch viele Optimierungen, die getroffen werden können, um Gründungen und Bearbeitungsabläufe zu verbessern. Ein Thema dabei wäre ein noch größerer Fortschritt in der Digitalisierung. Dennoch gibt sich die Wirtschaftskammer in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich, denn die Politik habe laut WKO "in den letzten Jahren schon sehr viel verbessert."

Neugründungen in Österreich nehmen zu

In Österreich werden laut Wirtschaftskammer immer mehr Unternehmen gegründet. Die Zahl der Firmengründungen hat den jüngsten Zahlen nach um letzten Jahr um 1,2 Prozent zugenommen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind es sogar 4,8 Prozent. Auf Anfrage von Finanz.at teilte uns die WKO mit, auch für 2019 würden die Zahlen "sehr gut" aussehen, konkretere Aussagen seien jedoch derzeit noch nicht möglich, wie man uns aus der Wirtschaftskammer mitgeteilt hat.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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