13.10.2019, 15:09 Uhr | von | Wirtschaft

Aufgrund der Komplexität der Preisgestaltung laut eigenen Angaben, weisen die meisten Bestatter auf ihren Webseiten keine Preise aus. Aber warum sind die Kosten für ein Begräbnis so hoch?

Warum sind die Begräbniskosten in Österreich so hoch?
Bild: pixabay.com / Joggie

Österreichische Bestatter sind, vor allem wenn es um die Kosten eines Begräbnisses geht, eher verschwiegen. Seit Jahren wünschen Menschen mehr Transparenz rund um die Preisgestaltung eines Begräbnisses. Manche fordern eine Art Vergleichsportal für Bestattungskosten, wie es in Großbritannien in Erwägung gezogen wurde, wie aus einem Bericht des Kurier hervorgeht. Darunter kann man sich ein Portal vorstellen, wie man es etwa aus dem Bereich der Apartmentvermittlung kennt. Ziel wäre es, eine Landkarte zu sehen, wo man mit nur wenigen Klicks die umliegenden Bestattungsunternehmen mit ihren Preisen sehen und untereinander vergleichen kann. Davon ist die Bestattungsbranche Österreichs jedoch weit entfernt, denn viele der Bestattungsunternehmen haben nicht einmal eine Webseite und wenn, dann nur eine solche, die nur einen groben Überblick über angebotene Leistungen ohne Preise gibt.

Kostenrechner im Internet

Martin Dobretsberger aus Linz ist jedoch eine Ausnahme. Er hat einen Bestattungskostenrechner eingerichtet. Der Preis, der sich am Ende der Berechnung ergibt, hängt hierbei von einer Vielzahl an Faktoren ab. Dies beginnt schon bei der Wahl, ob eine Feuer- oder Erdbestattung gewünscht ist, geht über den Ort der Verabschiedung und Beisetzung bis hin zur Trauerrede. Selbstverständlich spielen aber auch andere Details, wie das gewählte Grabmodell ebenso eine Rolle, wie auch die Anzahl der Patenbriefe und vieles mehr. Ein durchschnittlicher Preis für ein Begräbnis kann mit mindestens 5.000 Euro beziffert werden. Das ist jedoch laut Dobretsberger ein Betrag, mit dem Angehörige in der Regel auch rechnen.

Er sollte wissen, wovon er redet. Er bestattet im Jahr ungefähr 800 Menschen und ist somit ein großer Bestatter in Österreich. Darum ist auch die Einrichtung eines Rechners rentabel. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass weniger Menschen für Preisauskünfte anrufen. Dies bedeutet auch weniger Verwaltungskosten. Herr Dobretsberger meint weiter, dass andere Unternehmen, die nur sehr wenige Bestattungen pro Jahr durchführen, keinen Online-Rechner haben, da sich dies für diese Unternehmen nicht rechnen würde.

Liberalisierungsfolgen

Der Markt wurde 2002 liberalisiert. Seit dieser Liberalisierung ist die Zahl an Bestattungsunternehmen in Österreich leicht gestiegen. So war es der Fall, dass zum Jahresende des Jahres 2018 541 Bestatter in Österreich anzutreffen waren. Vor allem in Wien hat man innerhalb von fünf Jahres eine Verdoppelung der Bestatter auf eine Gesamtzahl von 26 verzeichnen können. In den anderen Bundesländern waren diese Entwicklungen nicht so stark bemerkbar.

Der Blick in das Bundesländerranking ist auch interessant. Oberösterreich hat mit 151 Unternehmen die meisten Bestattungsbetriebe in Österreich. Gefolgt von Niederösterreich mit 139 Betrieben und dem Burgenland und der Steiermark mit jeweils 61 Bestattungsunternehmen. Die wenigsten Bestatter kann Vorarlberg mit 18 und Salzburg mit 22 Bestattern vorweisen.

Wünsche der Kundinnen und Kunden

2.000 Österreicherinnen und Österreicher wurde im Zuge einer Umfrage nach ihren Erwartungen an einen Bestatter befragt. Das Ergebnis ist wenig überraschend. Denn ein Bestatter muss für die Vielzahl der Befragten Verlässlichkeit und Freundlichkeit ausstrahlen und wenn es um die Kosten geht, diese nachvollziehbar vorzeigen. Das Begräbnis soll ferner professionell vonstatten gehen. Außerdem sehen die meisten der Befragten eine persönliche Beratung als zentralen Bestandteil des Prozesses.

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

BegräbnisBestatterKostenRechner

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Korrektur: Die Referenz zum Bericht auf Kurier.at wurde dem Artikel beigefügt.
von Daniel Herndler (Chef-Redaktion)


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