28.11.2019, 13:00 Uhr | von | Arbeitnehmer
Reportage

Enormes Interesse weckt derzeit die von der SPÖ und FPÖ neubeschlossene Hacklerregelung. Pensionsexperte Marin betont, dass die Frühpension in kaum einem anderen Land so exzessiv genützt werden würde, wie in Österreich.

Was die neue Regelung der Hacklerpension für Österreich bedeutet
Bild: Finanz.at / pensionsversicherung.at Formular (Montage) | Die Neuregelung der Hacklerpension in Österreich

Am 19. November 2019 beschlossen die SPÖ gemeinsam mit der FPÖ und der Liste Jetzt die Neuauflage der sogenannten Hacklerregelung. Demnach darf jede Person, die 45 Arbeitsjahre geleistet hat, ohne Abschläge mit 62 Jahren in Pension gehen. Davon sollen laut Angaben der SPÖ zufolge rund 6.900 Männer in Österreich profitieren. Frauen können von dieser Regelung vorerst nicht profitieren, da das gesetzliche Pensionsantrittsalter derzeit noch 60 Jahre beträgt.

Die Folge ist, dass sich bei der Pensionsversicherungsanstalt die Anträge auf künftige Pensionisten häufen. Von den Antragstellenden haben rund 1.400 eine sogenannte Vergleichsberechnung anstellen lassen. Dies bedeutet, dass für all jene die PVA überprüfen wird, ob die betreffenden Personen nach dem alten Szenario oder nach der neuen Regelung besser aussteigen. Von Seiten der PVA wird davon ausgegangen, dass ein Großteil dieser 1.400 Antragstellern von der neuen Regelung profitieren werde.

Grundsätzlich kann man die Personen, die einen Antrag gestellt haben, in zwei Gruppen einteilen: Einerseits gibt es die, die mit November oder Dezember in Pension gehen könnten, andererseits die, die grundsätzlich vorgehabt haben, noch länger zu arbeiten, aber nun das Pensionsantrittsalter vorziehen können ohne dabei Abschläge hinnehmen zu müssen.

Wie die Recherchen von Finanz.at ergaben, sollen Erstere nun überlegen, ob sie den Pensionsantritt bis Januar 2020 hinausziehen, um etwaige Abschläge umgehen zu können. Dazu haben wir mehrere Personen befragt, auf die diese Regelung zutrifft. 78 Prozent der Befragten wollen demnach eine Verlängerung des Antritts in Erwägung ziehen, 57 Prozent planen bereits definitiv länger zu arbeiten.

Bereits im September wurde im Nationalrat über die abschlagsfreie Frühpension abgestimmt. Finanz.at hat damals berichtet.

Mögliche Mehrkosten in Millionenhöhe

Derzeit ist noch offen, wie sich die Neuregelungen auf das Budget auswirken werden.

Noch im September hieß es dazu aus dem Finanzministerium auf Anfrage von Finanz.at, dass "die abschlagsfreie Pension für langzeitversicherte Personen im Jahre 2020 rund 380 Millionen und im Jahre 2021 rund 390 Millionen Euro kosten wird."

Von Seiten der PVA heißt es hierzu heute, man könne seriöserweise höchstens das Jahr 2020 schätzen. Die PVA selbst rechnet mit Kosten von bis zu 50 Millionen Euro.

Entwicklung der Pensionsantrittzahlen

Ein Monitoring des Sozialministeriums sah sich die Zahlen der Pensionsanträge und -antritte an und gibt eine Prognose für das Jahr 2019 ab. So wurden laut dem Bericht im Jahre 2018 über 140.000 Anträge auf Pensionsantritt gestellt. Im Jahre 2018 gab es insgesamt 28.895 Personen, die vorzeitig in Alterspension gegangen sind, was wiederum einem Plus von 7 Prozent zum Vorjahr entspricht.

Länger arbeiten, höhere Pension?

Nach der im September beschlossenen Neuregelung der Hacklerpension, informiert die Arbeiterkammer nun zukünftige Pensionisten. Auf der Webseite der AK heißt es hierzu, dass all jene die 45 Arbeitsjahre geleistet und den Pensionsantritt am 01.10., 01.11. oder 01.12.2019 geplant haben, einen möglichen Aufschub des Pensionsantritts zum 01.01.2020 in Erwägung ziehen sollten.

Grund hierfür ist, dass all jene, die sich zu einem Aufschub des Pensionsantritts entschließen, in weiterer Folge eine Frühpension ohne Abschläge genießen können. Dieser Aufschub müsse jedoch mit dem derzeitigen Arbeitgeber vereinbart werden.

Die Arbeiterkammer teilt uns in einer Stellungnahme dazu mit, "wenn man bereits 2019 die 45 Arbeitsjahre erworben hat und die Voraussetzungen für die Langzeitversichertenregelung ab 62 Jahren, wie die Schwerarbeitspension oder die Invaliditäts- beziehungsweise Berufsunfähigkeitspension, erfüllt, dann sollte man sich überlegen, ob man den Pensionsantritt nicht bis 2020 aufschieben möchte." So würde man länger von einer höheren Pension profitieren, erklärt die Arbeiterkammer Österreich.

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

HacklerpensionNeuregelungAlterspensionPension

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