29.11.2019, 09:00 Uhr | von | Steuern

Ab 2020 treten zunächst die Neuberechnung der NoVA und ab Oktober auch die neue motorbezogene Versicherungssteuer in Kraft. Die Berechnungen werden dabei an die CO2-Emissionen der Kraftfahrzeuge geknüpft.

Neue NoVA und motorbezogene Versicherungssteuer - diese Änderungen treten 2020 in Kraft
Bild: Finanz.at (Montage) | Berechnung der NoVA für KFZ

Im Rahmen der Steuerreform wurde im September im Nationalrat eine Ökologisierung der motorbezogenen Versicherungssteuer und der Normverbrauchsabgabe beschlossen. Diese Neuregelungen treten ab 2020 in Kraft.

Ökologisierung der NoVA NEU

Die Berechnungsgrundlage der NoVA wird zukünftig durch das WLTP-Messverfahren ("Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure") für CO2-Emissionen ersetzt. Das von der EU gemeinsam mit Japan und Indien entwickelte Messverfahren liefert gegenüber der bisherigen Berechnung realitätsnahe Werte für den Ausstroß von Kohlenstoffdioxid.

Mehr Emissionen werden noch höher besteuert

Auch die Berechnungsformel wurde angepasst. Damit werden zukünftig Fahrzeuge mit höherem CO2-Ausstoß noch höher besteuert, als es bisher der Fall war. Vom CO2-Emissionswert (g/km) werden 115 Gramm abgezogen. Dieser Wert wird durch fünf dividiert. Prozentsätze werden auf volle Zahlen ab- bzw. aufgerundet. Bei einem CO2-Ausstoß über 275 g/km, erhöht sich der Betrag je Gramm über dieser Höchstgrenze um 40 Euro.

Für Motorräder wird ab 2020 ebenfalls ein neues Messverfahren (WMTC) statt dem Hubraum als Grundlage der Berechnung angewandt.

Übergangsfrist endet im Dezember

Die Übergangsfrist zur neuen Normverbrauchsabgabe gilt für alle Fahrzeuge, deren Kaufvertrag vor dem 01. Dezember 2019 unterzeichnet und die Auslieferung des KFZ vor dem 01. Juni 2020 erfolgt. Käufer können in diesem Fall noch zwischen der alten und der neuen Berechnung der NoVA wählen. Für alle weiteren Fahrzeugkäufe und Neuzulassungen gilt danach bereits die neue Regelung.

Auch die KFZ-Steuer wird an CO2-Werte gebunden

Neben der Normverbrauchsabgabe wird auch die motorbezogene Versicherungssteuer 2020 neu geregelt. Sie tritt jedoch erst ab Oktober in Kraft. Die "KFZ-Steuer" soll zukünftig ebenfalls auf Grundlage der CO2-Emissionen des Fahrzeugs berechnet werden. CO2-arme PKW und Motorräder würden so steuerlich bevorzugt.

Autokäufe könnten teurer werden

Autohändler wollen nun aus den möglicherweise steigenden Kosten für Neuwagen Kunden locken. So teilte etwa Porsche Salzburg mit: "Sollten Sie derzeit über die Anschaffung eines neuen Autos nachdenken, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dieses anzuschaffen."

Finanz.at hat exklusiv mit einem Autohändler aus Oberösterreich über die Änderung der NoVA und KFZ-Steuer gesprochen. "Viele unserer Kunden haben sich in den letzten Wochen über die neuen Regelungen informiert und letztlich noch ein Auto gekauft, um einer höheren Normverbrauchsabgabe zu entgehen", erklärte uns Ford-Händler Hubert Gerngross. "Wirtschaftlich hat uns das sicher den ein oder anderen Autoverkauf eingebracht. Dennoch begrüße ich die Umstellung der NoVA auf den neuen CO2-Wert."

Doch sind nicht alle Fahrzeuge von einer höheren NoVA betroffen. Emissionsarme oder gar Elektroautos profitieren von der Neuberechnung ab 2020. Hingegen werden KFZ mit hohem CO2-Ausstoß deutlich mehr zu Kasse gebeten.

Für Umweltschützer sind die neuen Regelungen nicht weitreichend genug

Umweltschützern greift dieser Vorstoß im Zuge der Steuerreform dennoch zu kurz.

"Die neue Regelung greift viel zu kurz. Aus unserer Sicht sollte die Normverbrauchsabgabe deutlich stärker ökologisiert werden", erklärt Volker Hollenstein vom WWF Österreich exklusiv gegenüber Finanz.at. "Auch mit der Neuregelung der NoVA fällt ein Fixbetrag von 40 Euro erst über 275 Gramm an und unterliegt ebenfalls der Deckelung."

Laut WWF müsse die NoVA noch deutlich mehr Anreize für die Anschaffung von CO2-armen Fahrzeugen schaffen.

"Tatsache ist, dass der Verkehr weiter als jeder andere Sektor von den EU-Klimazielen entfernt ist und Österreich langfristig hohe Ausgleichszahlungen drohen, wenn keine Klimaschutz-Trendwende erfolgt. Je länger die notwendigen Maßnahmen verzögert werden, desto höher wird der Schaden für unser Land ausfallen", schätzt Volker Hollenstein die Situation auf Anfrage von Finanz.at ein.

Der WWF hat zu den generellen Anforderungen ein Positionspapier mit Maßnahmen und Forderungen veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, man müsse "umweltschädliche Subventionen abbauen" und eine Mobilitätswende durch "saubere Mobilität statt fossiler Verbrenner" herbeiführen. Die Neuregelung der NoVA sei hierfür zu kurz gedacht. Umweltfreundliches Verhalten müsse zwar auf allen Ebenen begünstigt werden, führt Hollenstein weiter aus, es solle aber nicht "isoliert passieren, sondern in einem stimmigen Gesamtkonzept, das ökologisch, sozial und wirtschaftlich gerecht gestaltet wird."

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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