Während die meisten von uns das Internet täglich in Verwendung haben und verschiedenste Internetseiten aufrufen, ist vielen gar nicht bewusst, dass bestimmte Internetadressen (Domains) viel Geld wert sein können und der Handel mit diesen Domains einen regelrechten Boom erlebt.

29.09.2021, 15:55 Uhr | von | Finanzen
Domainhandel boomt - Warum fr Internet-Domains hohe Preise bezahlt werden
Bildquelle: Smartmockups | Domain Nic.at PC Notebook

Die Kosten für die Registrierung einer Domain belaufen sich in Österreich auf durchschnittlich 12 bis 36 Euro pro Jahr. Dabei hängen die Kosten nicht vom Domainnamen selbst, sondern von den Preisen des Registrars – also der Organisation oder dem Unternehmen, das Registrierungen von Internet-Domains durchführt – ab. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen viel-gesuchten Begriff, ein sogenanntes „Keyword“ oder einen willkürlichen anderen Domain-Namen handelt. In Österreich fungiert die nic.at als Vergabestelle für .at-, .co.at- und .or.at-Domains.

Was ist Domainhandel eigentlich?

Bei einer Domain handelt es sich um einen eindeutigen, einmaligen Namen für eine Website. Es ist im Grunde also nichts anderes als eine Internetadresse. Der Domainhandel umfasst demnach den gewerblichen Handel mit eben diesen Adressen, die jedoch ideelle Güter und keine materiellen Güter darstellen. Das Rechtsgeschäft besteht dadurch in der Übertragung der Inhaberschaft an einer Domain von einer Person zur anderen, wodurch der Domainhandel im Grunde ausschließlich der Handel mit den Rechten an einer Internet-Domain bezeichnet.

Solange keine Markenrechte oder Namensrechte Dritter verletzt werden, ist der Domainhandel gemäß deutscher Rechtsprechung ebenso legal wie jeder andere Handel.

So funktioniert der Handel mit Internet-Domains

Der Domainhandel hat viel mit Spekulation zu tun. Immerhin weiß man noch nicht, welche Domain später einmal beliebt sein wird und wofür man viel Geld verlangen kann. Eine Faustregel besagt jedoch: „Je kürzer der Name, desto wertvoller die Domain.“ Kurze, prägnante Domains stehen hoch im Kurs: Immerhin sind Käufer meist diejenigen, die eine Webseite aufziehen möchten, die nicht nur gut performt, sondern auch einfach zu merken ist.

Wertsteigernd ist die Endung .com, die als die beliebteste TLD (Top-Level-Domain) weltweit gilt. Aktuell werden .com-Domains, die aus drei Zeichen bestehen, im Millionenbereich gehandelt und sind vor allem im chinesischen Raum äußerst populär.

Um in den Domainhandel einzusteigen, sollte man daher günstig Domains registrieren, von denen man erwartet, dass sie später einmal beliebt und nachgefragt sein werden. Um potenziellen Käufern zu zeigen, dass eine Domain zum Verkauf steht, bietet sich die Möglichkeit des „Domain-Parkings“. Hier wird anstatt einer Webseite eine Anzeige geschaltet, die darauf hinweist, dass die entsprechende Domain verkauft wird.

Zudem gibt es unzählige Plattformen im Interent, um als Inhaber eine Domain am Markt anzubieten. Ist man davon überzeugt, eine beliebte und somit gewinnbringende Domain zu besitzen, kann man sie so den potenziellen Käufern präsentieren.

Als einer der bekanntesten heimischen Domainhändler gilt Walter Temmer (43), der bereits seit fast 20 Jahren in diesem Geschäft tätig ist. Als sein bisher größter Erfolg gilt der Verkauf des Auto-Portals gebrauchtwagen.at im Jahr 2017 an die deutsche AutoScout24 GmbH, dessen Verkaufspreis ein wohl-gehütetes Geheimnis ist. „Wie viel ich dafür bekommen habe, darf ich nicht sagen“, erklärt Temmer. Ein mehrstelliger Millionenbetrag wird in der Szene kolportiert.

Über die Verkaufspreise anderer Domains aus seinem Portfolio spricht der selbsternannte „Domainkönig“ auf seiner Website deutlich offener. So habe ihm etwa die Domain aktion.de 500.000 Euro eingebracht, kunst.de immerhin noch 200.000 Euro und für preisvergleich.at wurde ein Preis von 175.000 Euro erzielt.

Welche Domains kann man handeln?

Prinzipiell kann jede Domain gehandelt werden. Meist sind es jedoch die generischen Domains, die beliebt sind. Dazu zählen zum Beispiel Adressen wie schuhe.de, teacher.org oder Fantasienamen, die keinen rechtlichen Schutz haben.

Wenn eine Domain besonders gut in der Suchmaschine indexiert ist, ist sie umso wertvoller. Auch wenn sie über viele Backlinks verfügt, ist das ein Argument für einen etwas höheren Preis. Backlinks sind Verlinkungen von anderen Webseiten auf die betreffende Seite. Was den Preis für eine Domain ebenso anheben kann, ist es, wenn besonders viele Suchanfragen zu einem Begriff vorliegen, der dem Domainnamen entspricht.

Die teuersten Domains weltweit

Seit der Registrierung der ersten Internetdomain symbolics.com wird mit den einzigartigen Namen auch Handel betrieben. Dabei wurden und werden noch immer hohe Summen für Domains mit bestimmten Keywords oder viel-gesuchten Namen bezahlt. Als teuerste Domain aller Zeiten gilt cars.com, wie Joe Styler von GoDaddy, einem der bekanntesten Provider in den USA, berichtet.

Ebenfalls in der Liste der teuersten Internetdomains sind insurance.com (35 Mio. USD) oder business.com (7,5 Mio. USD) vertreten. Als bisher teuerste deutsche Domain gilt wg.de. Die Liste der höchsten öffentlich-bekannten Preise, die für Domains in Auktionen oder im Handel erzielt werden, wird jährlich neu veröffentlicht. So wurde etwa 2020 für die Domain bier.de immerhin ein Kaufpreis von 149.000 Euro bezahlt, womit sie in diesem Jahr den höchsten bekannten Preis erzielt hat.

Warum Internet-Domains so hohe Preise erzielen

Rund 30 Jahre nach Entstehung des World Wide Web sind fast alle „guten“ Domains bereits vergeben. Adressen, wie kredit.at oder schuhe.at, sind längst registriert und können somit nicht mehr einfach für 16 Euro jährlich angemeldet werden. So waren Ende 2020 laut statista.com bereits mehr als 144 Millionen .com-Domains und rund 16 Millionen .de-Domains registriert.

Die Nachfrage nach gut-merkbaren sogenannten „Keyword-Domains“ – also Domains, die aus dem Hauptbegriff des Website-Themas bestehen – ist aber dennoch sehr hoch. Möchte ein Uhrenhändler seinen Webshop beispielsweise über die Domain uhren.at bereitstellen, so bleibt ihm nur die Kontaktaufnahme mit dem aktuellen Inhaber, um über den Kauf zu verhandeln.

Was macht Domains so attraktiv?

Ähnlich wie beim aktuellen Phänomen der NFTs (Non-Fungible Token) – also nicht ersetzbare, digital verschlüsselte Objekte – sind auch Domainnamen einzigartig und können nur vom derzeitigen Inhaber auf einen neuen Inhaber übertragen werden. Und eben diese Einzigartigkeit sorgt dafür, dass gefragte Domains immer noch sehr hohe Preise am Markt erzielen können.

Bei sogenannten Keyword-Domains spielt zudem die gute Merkbarkeit der Domain und die vermeintlich zunehmende Seriosität beziehungsweise das Vertrauen in die bereitgestellte Website eine Rolle. Möchte man ein Unternehmen oder eine Marke im Internet direkt mit einem bestimmten Thema in Verbindung bringen, kann die dafür zutreffende Keyword-Domain ein gutes Mittel sein.

Kann man mit Domains wirklich Geld verdienen?

Domainhandel kann eine Möglichkeit sein, um im Internet Geld zu verdienen. Dabei sollte man sich jedoch nicht von den Millionenbeträgen blenden lassen, die etwa für cars.com bezahlt wurden. Aber mit etwas Geschick und Geduld kann man wohl auch im fortschreitenden 21. Jahrhundert mit Internetdomains noch den ein oder anderen Euro verdienen.

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Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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