Alle Informationen, Regelungen und Fakten: Das sollten Sie über die Pflegefreistellung und den Pflegeurlaub in Österreich wissen. Jetzt informieren!

So können Sie für Ihre Angehörigen da sein

Die Angehörigen der eigenen Familie und vor allem die eigenen Kinder sollen im Krankheitsfall von den Eltern betreut werden können. Vor allem Kinder unter 10 Jahren genießen dabei einen besonderen Schutz. Das besagen die Vorschriften zur Pflegefreistellung und zum Pflegeurlaub, in den letzten Jahren wurden aktiv Maßnahmen für deren Verbesserung und Ausweitung ergriffen.

Die jetzige Rechtslage gilt seit dem 1. Januar 2013, Arbeitnehmer haben seitdem die Möglichkeit, bei plötzlicher oder chronischer Krankheit oder Krankenhausaufenthalten sich von ihren Aufgaben freistellen zu lassen und sich voll und ganz um die betroffenen Angehörigen zu kümmern.

Unterschied: Pflegeurlaub oder Pflegefreistellung

Doch was ist der Unterschied zwischen Pflegeurlaub und Pflegefreistellung? Können finanzielle Nachteile für den pflegenden Arbeitnehmer auftreten, was geschieht bei chronischen Krankheiten, die längerer Betreuung bedürfen? Für welche Angehörigen gilt die Möglichkeit der Pflegefreistellung?

Die Pflegefreistellung

Pflegefreistellung: Sie gilt bei Krankheiten und Krankenhausaufenthalten von Angehörigen, die in Ihrem Haushalt leben sowie uneingeschränkt für Kinder unter 10 Jahren. Sollte die Betreuungsperson für Kinder unter 10 Jahren ausfallen, so haben Sie das Recht, sich freistellen zu lassen, um den Ausfall aufzufangen. Die Pflegefreistellung wird regulär bezahlt und beinhaltet keine Abschläge, Sie erhalten also Ihr volles Gehalt.

Der Grund: Im österreichischen Arbeitsrecht handelt es sich bei der Pflege von Angehörigen um eine Freistellung aus wichtigen persönlichen Gründen, also eine Dienstverhinderung. Deswegen darf die Zeit der Pflegefreistellung auch nicht mit den verbleibenden Urlaubstagen des Arbeitnehmers verrechnet werden, das geht nur bei dem Pflegeurlaub.

Sollten Sie die Arbeitsstelle erst kürzlich begonnen haben, hat das keinen Einfluss auf die Freistellung, Sie sind in jedem Fall berechtigt zuhause zu bleiben ohne eine Wartezeit zu erfüllen.

Der Pflegeurlaub

Pflegeurlaub: Der Pflegeurlaub greift, wenn seitens des Arbeitnehmers kein Anspruch mehr auf eine Freistellung zur Pflege besteht. Beispielsweise kann für die Betreuung eines Kindes unter 12 Jahren dann unmittelbar Urlaub genommen werden, dieser wird vom Jahresurlaub abgezogen und ist nicht genehmigungspflichtig durch den Arbeitgeber. Sie sollten ihn jedoch über Ihren Urlaubsantritt informieren.

Da es sich um reguläre Urlaubstage handelt, werden diese voll bezahlt. Sollte die Betreuung des Kindes mehr Zeit in Anspruch nehmen, als der Jahresurlaub zulässt, dürfen Sie trotzdem weiteren Urlaub nehmen, dieser wird dann jedoch nicht mehr bezahlt. Der Arbeitgeber muss in jedem Fall sofort über den Antritt des Pflegeurlaubs informiert werden, damit er seine Kapazitäten dementsprechend planen und den Dienstausfall ausgleichen kann. Im besten Fall setzen Sie außerdem Ihren Arbeitgeber in Kenntnis darüber, wann Sie erwarten, an den Arbeitsplatz zurückkommen zu können.

Familienmitglieder, für die Pflegefreistellung- und Urlaub gelten

Wie bereits erwähnt gilt die Freistellung unbeschränkt für Kinder unter 10 Jahren (unabhängig ob es leibliche Kinder oder Wahl- bzw. Pflegekinder sind), Enkelkinder unter 10 Jahren, den Ehegatten oder die Ehegattin, den Lebensgefährten, die Eltern, Großeltern und den eingetragenen Partner, etwa bei einer Lebensgemeinschaft. Eingeschlossen sind ebenfalls die Kinder des Ehegatten oder des Lebenspartners.

Dauer und Voraussetzungen der Pflegefreistellung

Die Arbeitszeit einer Woche in einem ganzen Arbeitsjahr ist die maximale Dauer, für die die Pflegefreistellung gedacht ist. Sollte diese Woche nicht ausreichen, besteht die Möglichkeit einer erweiterten Pflegefreistellung: Diese gilt für die Dauer einer weiteren Arbeitswoche. Sind beide Wochen für die normale und die erweiterte Pflegefreistellung verbraucht worden, kann er sich trotzdem von der Arbeit befreien lassen. Dafür kann entweder mit dem Arbeitgeber eine individuelle Absprache getroffen werden oder eigenmächtig Urlaub genommen werden.

In beiden Fällen hat der Arbeitnehmer jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf Lohnfortzahlung, kann mit dem Arbeitgeber jedoch eine Karenzierung vereinbaren. Bei der Pflegefreistellung muss die Notwendigkeit der Betreuung Ihrer Angehörigen gegeben sein und Sie selbst müssen mit der Pflege betraut sein. Übernehmen Sie diese nicht selbst, besteht kein Anspruch auf Pflegefreistellung.

Im Fall der Pflegefreistellung, der erweiterten Pflegefreistellung oder des Pflegeurlaubs muss der Arbeitnehmer seinen Vorgesetzten unmittelbar darüber in Kenntnis setzen. Bei der vollständig bezahlten Pflegefreistellung muss die Notwendigkeit dem Arbeitgeber dargelegt und nachgewiesen werden, etwa durch ein Attest oder eine ärztliche Mitteilung. Fallen für das Attest zusätzliche Kosten an und der Arbeitgeber besteht ausdrücklich darauf, so ist er verpflichtet es zu bezahlen. Wenn der Arbeitnehmer seinerseits unaufgefordert ein Attest einholt, muss er dieses bezahlen.

Kurzfristige Lösungen!

Insgesamt sind die Pflegefreistellung und der Pflegeurlaub als kurzfristig angelegte Lösungen gedacht, die die schnelle und flexible Betreuung von nahen Angehörigen und besonders Kindern ermöglichen sollen. Beide sind ausdrücklich nicht als Dauerzustand oder langfristige Befreiung von der Arbeitspflicht konzipiert. Bei chronischen Krankheiten oder in einem Fall, in dem absehbar ist, dass kurzfristige Pflege nicht ausreicht, müssen andere Wege gefunden werden.

Beispiel

Ein Beispiel wäre die Pflege von bettlägerigen oder demenzkranken Angehörigen: Sollte die reguläre Betreuungsperson ausfallen oder ein Notfall eintrete, darf der Arbeitnehmer die voll bezahlte Pflegefreistellung nutzen. Der Pflegeurlaub kann angeschlossen werden, bleibt jedoch nach dem Aufbrauchen der Urlaubstage vollkommen unbezahlt. Der Arbeitnehmer hat jedoch kein Recht, die langfristige Pflege oder Betreuung selbst vollständig zu übernehmen und währenddessen das Gehalt von seinem Arbeitgeber weiter zu beziehen.

Arbeitgeber informieren

Der Arbeitgeber sollte in jedem Fall, ob kurzfristige Pflegefreistellung oder Pflegeurlaub, eingebunden und ausreichend informiert werden. Das kann mündlich oder schriftlich geschehen, die schriftliche Variante ist jedoch vorzuziehen, um die Benachrichtigung des Arbeitgebers im Zweifelsfall nachweisen zu können.

Beim einseitigen Antritt des Pflegeurlaubs beispielsweise gebietet es ein vertrauensvoller Umgang zwischen Ihnen und Ihrem Vorgesetzten, dass Rücksprache gehalten wird und der Arbeitgeber bei einer kurzfristigen Pflege der ungefähre Zeitpunkt der Rückkehr erfährt.

Informieren Sie sich auch über das Pflegegeld in Österreich und Ihre Pflegeversicherung!