19.01.2020, 15:15 Uhr | von | Steuern

Der Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Einkommensmillionäre soll laut ÖVP-Finanzminister Gernot Blümel und Sebastian Kurz nun doch verlängert werden. Im Regierungsprogramm war das nicht vorgesehen.

Spitzensteuersatz bleibt - Millionäre zahlen weiterhin die meiste Einkommensteuer
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Senkung der Lohn- und Einkommensteuer bringt mehr Netto vom Brutto

Einkommen über einer Million Euro pro Jahr werden in Österreich seit 2016 mit 55 Prozent besteuert. Zuvor galt der Spitzensteuersatz von 50 Prozent für alle Einkommen ab 90.000 Euro jährlich. Durch die zeitliche Begrenzung läuft der Steuersatz von 55 Prozent mit Jahresende aus. Einkommensmillionäre würden dann ebenfalls wieder mit lediglich 50 Prozent besteuert werden.

Nachdem das Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen eine Verlängerung dieser Sonderbesteuerung nicht vorsieht, gab es dazu heftige Kritik aus den Reihen der Opposition. Vor allem die SPÖ warf den beiden Regierungsparteien vor, hohe Einkommen zu begünstigen.

Spitzensteuersatz wird nun doch verlängert

Wie Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) im Ö1-Journal erklärte, wird die neue Bundesregierung nun doch eine Verlängerung einplanen. Dazu wird ein entsprechender Antrag im Nationalrat zur Abstimmung gebracht werden. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz bestätigte daraufhin, dass Jahreseinkommen von über einer Million Euro weiterhin mit 55 Prozent besteuert werden sollen.

Industriellenvereinigung nennt Spitzensteuersatz eine „Blamage“

In der ORF-Pressestunde am Sonntag nennt der Chef der österreichischen Industriellenvereinigung (IG), Georg Kapsch, die Weiterführung der Einkommensteuerstufe von 55 Prozent eine „Blamage“. Diese Maßnahme treffe zu wenige Personen in Österreich, da nur rund 440 Personen von diesem Steuersatz betroffen sind. Materiell habe es also keine Auswirkungen und Österreich „mache sich damit lächerlich“, so Kapsch.

Betroffen von dieser Regelung ist die 7. Stufe der Einkommensteuertabelle. Sie umfasst den geringsten Anteil an Steuerzahlern.

Steuerstufen Personen
1. Stufe 2.600.000 Personen
2. Stufe 1.400.000 Personen
3. Stufe 2.000.000 Personen
4. Stufe 1.100.000 Personen
5. Stufe 190.000 Personen
6. Stufe 110.000 Personen
7. Stufe 440 Personen

Lohnsteuersenkung für geringe mittlere Einkommen

Die Lohnsteuertabelle wird sich nach der geplanten Steuerreform von ÖVP und Grünen bis 2022 drastisch verändern. Die Steuerreform sieht vor, dass Einkommen zwischen 11.000 und 60.000 Euro deutlich entlastet werden. Profitieren werden davon jedoch alle Einkommen, da die Steuertarife in Österreich progressiv ausgestaltet sind.

So wird die neue Lohnsteuertabelle bis 2022 aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro 55 % 55 %

Bleiben werden demnach der Steuerfreibetrag bis 11.000 Euro pro Jahr, sowie die Steuersätze von 48 Prozent auf Jahreseinkommen von 60.000 Euro bis 90.000 Euro, 50 Prozent auf Einkommen von 90.000 Euro bis eine Million Euro pro Jahr, sowie eben der Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Einkommen über einer Million Euro.

Mehr Informationen: Spitzensteuersatz

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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