Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man im Finanzbereich von „Überziehungszinsen“ in Österreich. In Deutschland betitelt man diesen Verbraucher-günstigen Zins als „Dispozins“. Allerdings ist dieser Begriff recht ungenau. Genauer ausgedrückt nennt er sich „Sollzins“. Dabei handelt es sich um Zinsen, die der Inhaber eines Girokontos zahlen muss, wenn er auf seinem Konto den von der Bank eingeräumten Kreditrahmen in Anspruch nimmt. Im Volksdeutsch: „Wenn er wie Millionen andere Girokonto-Inhaber sein Konto überzieht“.

Spätestens dann leuchten bei den Banken vor Freude die Augen, da der Sollzins auf dem Konto heftig zu Buche schlägt. Bei einigen Banken reichen die Sollzinsen bis zu 19,75 % per Anno. Einmal im Strudel drin, ist es bei derart hohen Zinsen schwer dort wieder in die Plus-Zone zu kommen. Warum heißt er Sollzins? Wahrscheinlich leitet sich der Name des Satzes ab: Wie „soll“ ich da wieder runterkommen!

Sollzinsen bei Kontoführung

In der Regel liegt das Limit einer Konto-Überziehung bei netto 2 bis 3 Nettoeinkommen. Wird dieser Betrag überschritten, was leicht einmal mehrere tausend Euro sein können, kommt es zu einer weiteren Überziehung mit einem Zuschlag von „derzeit“ 3 bis 5 Prozent. In der Fachwelt wird nur dieser Teil als Überziehungszinsen bezeichnet.

Sollzinsen sind auch bei österreichischen Banken stark unterschiedlich. Daher ist es wichtig, bei der Kontoeröffnung eines Girokontos diese Zinsen zu berücksichtigen. Hauptsächlich dann nicht, wenn die Möglichkeit das Girokonto zu überziehen häufiger gegeben ist. Ein chronisch überzogenes Girokonto ist mit Abstand die teuerste Form einer Finanzierung.

Effektiver Jahreszins und Sollzinssatz

Ein Sprichwort sagt: „Holzauge sei wachsam“, wenn die Bank von Zinsen spricht. Es ist wahrlich nicht ganz unwichtig, ob es sich dann um den effektiven Jahreszinssatz oder dem Sollzinssatz handelt.

Nominal- oder Sollzinssatz

Unter dem Nominal- oder Sollzinssatz verbirgt sich ein im Kreditvertrag vereinbarter variabler oder fixer Prozentsatz. Dieser wird jährlich auf die aushaftenden Auszahlungsbeträge eines Kredits angewandt. Bei einem Ausstattungskredit werden die Kapitalzinsen bei laufender Zahlung immer weniger. Bei einer Änderung des Sollzinssatzes muss der Kreditnehmer vorher davon schriftlich in Kenntnis gesetzt werden. Erfolgt die schriftliche Kenntnisnahme der Bank nicht, wird die nachteilige Änderung nicht wirksam.

Wichtigste Vergleichsgröße ist der effektive Jahreszins

Die Gesamtkosten eines Kredits werden durch den effektiven Jahreszins berücksichtigt. Neben den Sollzinsen beinhaltet der Jahreszins auch Spesen, Kontoführungsentgelte, Bereitstellungsprovisionen, Bearbeitungsgebühren, sowie die Kosten für Versicherungsverträge, wenn der Abschluss erforderlich ist und die Höhe bereits feststeht. Bei einer noch unbekannten Höhe muss der Konsument darauf hingewiesen werden, dass hier eine Versicherungspflicht besteht.

Somit drückt der effektive Jahreszins die Kredit-Gesamtkosten als jährlichen Prozentsatz des ganzen Kreditbetrages aus. Soll dem Kreditnehmer als Hilfe dienen, im Vergleich verschiedener Kreditangebote. So können Kredite bei gleichem Sollzinssatz einen unterschiedlichen effektiven Jahreszins beinhalten, weil die Banken neben den Sollzinsen unterschiedliche Entgelte verlangen.

Mitunter wird im Kreditvertrag der effektive Jahreszins zu niedrig angegeben, weil z. B. die Pflichtversicherung nicht mit inbegriffen war. Hier gilt dann in einem solchen Fall der Sollzinssatz, welcher unter dem falschen Effektivzins bei der Berechnung sich ergeben hätte. Dadurch müssen Kunden automatisch weniger Zinsen zahlen.

Wie gestaltet sich der Sollzins?

Im Zusammenhang mit verschiedenen wirtschaftlichen Faktoren bildet sich der Sollzins. Die österreichische Wirtschaft gehört zum Beispiel zu den Einflussfaktoren, als auch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die amerikanische Zentralbank Federal Reserve. Beeinflusst werden kann jedoch auch die Höhe der Zinsen von wirtschaftspolitischen Ereignissen, im kurzen oder mittelfristigen Bereich

Zinsvergleich

Vergleicht man die Kreditzinsen in Österreich mit den Kreditzinsen im Ausland, so wird schnell transparent, dass die Menschen in Österreich in einer äußerst günstigen Kreditwelt leben. Das liegt daran, dass die über 600 Kreditinstitute in Österreich einen in sich harten Wettbewerb austragen und somit die Preise nicht nach Lust und Laune anpassen können, was ansonsten zulasten der Marktanteile geht. Hinzu kommt, dass auch die Digitalisierung einen nicht unerheblichen Anteil daran trägt. Durch die Digitalisierung ist es für Kunden ein leichtes, sich über die Finanzlage ein Bild zu verschaffen, um notfalls die Bank zu wechseln.

Die günstigsten Kreditzinsen in Österreich

Wer hier die günstigsten Kredite anbietet, ist bei 600 Kreditinstituten nicht so einfach zu beantworten. Es hängt von vielen Faktoren ab, besonders ausschlaggebend ist die persönliche Bonität und bei einer Baufinanzierung die vorhandenen Eigenmittel. Genauso wichtig ist das Kreditmodell. Einige Kreditinstitute sind bei variablen Zinsen sehr günstig und andere Kreditinstitute bieten bei Fixzinsbindungen sehr niedrige Zinsen an. Daher sollte man sich immer verschiedene Kreditangebote einholen, um ein für sich maßgeschneidertes Angebot zu erhalten.

Aktuelle Kreditzinsen

In Österreich sind die Zinsen auf einem historischen Tiefpunkt, weil die Europäische Zentralbank seit 2015 die Zinsen bei 0 belässt.

Knappe Ware – hoher Preis, Ware im Überfluss – niedriger Preis, weiß jeder, nur die Kreditinstitute nicht. Noch nie kamen die Banken billiger an Geld als in jetziger Zeit. Für die Kunden mit einem Girokonto in Österreich tendiert die Sollzins-Schraube schon seit ewigen Zeiten in schwindelerregender Höhe. 13,25 Prozent sind die Norm, es geht aber noch drastischer. Die Sollzinsen wurden nie an das stark gesunkene Leitzins-Niveau angepasst.

So auch bei der Bawag PSK, der Austrian Anadi Bank, der Erste Bank oder der Easybank. Um nur einige zu nennen. Eine der wenigen Banken, die „Hello Bank“ in Österreich senkt die Sollzinsen auf den Gehalts- und Girokonten von 7,00 % auf 6,90 % p.A. Sie gehört damit zu den Banken mit den geringsten Überziehungskrediten im Bereich Überziehungsrahmen oder kurzfristiger Kredit. Selbst Online-Banken wie „Nummer 26“ mit sonst guten Konditionen verlangen 8,90 % p.A. Sollzinsen auf dem Girokonto.



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Daniel Herndler
Autor:
Chef-Redaktion | Ressorts: Finanzen, Steuern und Wirtschaft
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
Email: dh@finanz.at | Twitter: @DanielHerndler
Stand: 01.11.2019, 12:30 Uhr | Richtlinien | Über Finanz.at | Kontakt

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