Der Ölpreis ist wohl der wichtigste Wert an den Rohstoffmärkten. Durch die gesteigerte Nachfrage und dem knappen Angebot wird der Wert deutlich gesteigert. Die aufstrebenden Industriestaaten stützen mit ihrem Wirtschaftswachstum und dem höheren Energieverbrauch den Ölpreis. Allerdings bleibt ein gesteigertes Angebot aus, da es seit den letzten Jahren deutlich schwieriger und aufwendiger geworden ist, neue Vorkommen zu finden und zu erschließen. Demzufolge ist der Ölpreis für die Wirtschaftsentwicklung von sehr großer Bedeutung.

Rohöl und Ölpreis

Rohöl zählt nicht ohne Grund zu den wichtigsten globalen Energieträgern, somit ist der Ölpreis ein sehr wichtiger wirtschaftlicher Faktor. In Europa ist die Rohölsorte Brent am wichtigsten, benannt wurde diese Sorte nach einem Nordsee-Ölfeld. Das Öl gelangt von der Nordsee mittels Unterwasserpipeline zum Ölterminal Sollum Voe auf Mainland, Schetland und wird im Anschluss mit einem Tanker weiter transportiert.

Der Preis von Rohöl wird je Barrel angegeben. Barrel ist eine Maßeinheit, die am Rohstofmarkt vor allem bei Rohöl zum Einsatz kommt.

Grundstoff in der Produktion

Doch nicht nur als Energieträger spielt Erdöl eine wichtige Rolle. Es dient außerdem als wichtiger Grundstoff bei der Produktion von Kunststoffen, Kosmetika, Medikamenten und vielen mehr. Der steigenden Nachfrage steht einem begrenzten Vorkommen gegenüber. Daraus resultiert der Ölpreis. Das US-amerikanische Investmenthaus Goldman Sachs gibt den Anteil von Rohöl am globalen Produktionsvolumen aller Rohstoffe mit beinahe 45 Prozent an. Dementsprechend zählt Erdöl mit Abstand zu dem wichtigsten Rohstoff der Welt.

Investment und Geldanlage

In den letzten Jahren wurde relativ wenig Kapital in die Suche, Entdeckung, Förderung und Weiterverarbeitung von Rohöl investiert. Daher schaffen die globalen Förderkapazitäten nur mit Mühe, die hohe Nachfrage aus den USA, China und Indiens zu decken. Laut einer Statistik der Internationalen Energiebehörde bezifferte sich die weltweite Nachfrage nach Rohöl im Jahr 2005 auf rund 85,3 Millionen Barrel täglich.

Auf der Welt gibt es Dutzende Sorten von Rohöl, die alle unterschiedliche Eigenschaften und somit auch Preise haben. Hierbei reicht die Herkunft von Alaska über Arab Light bis hin zu Zuetina. An den Börsen in New York und London werden aber nur mit standardisierten Produkten gehandelt, die sogenannten Referenzöle. Die Preise sämtlicher Sorten werden anschließend als Ab- oder als Zuschlag auf die Referenz ermittelt. In den USA ist das meistgehandelte Öl das West Texas Intermediate, oder kurz WTI. In Asien dagegen beherrscht das Dubai Fateh den Ölmarkt. Weitere Referenzöle sind Leona, Tijuana, Alaska North Slope, Zuetina oder Urals.

Der Preis des Öls wird als Spotkurs bezeichnet. Auf diesem Spotmarkt treffen Nachfrage und Angebot aufeinander. Der Name Sportmarkt stammt aus der englischen Sprache von „on the spot“, was übersetzt „sofort“ bedeutet.

Die Faktoren für den Ölpreis

Aus konventioneller Sicht handelt es sich bei den Ölpreisfaktoren um Fundamentaldaten. Es kommen etliche Aspekte des Börsenhandels dazu. Hierzu zählen technische Faktoren, welche zum Großteil mathematische Berechnungen verwenden und so den Eindruck einer Vorhersagebarkeit wecken. Aus mathematischer Sicht entsteht ein Preis, bei dem sämtliche Daten zusammengefasst werden. Die Bildung des Preises wird als Fortsetzung der Vergangenheit, in die die kommende Zeit verstanden.

Eine weitaus wichtigere Bedeutung ist die kollektive Finanzmarkt-Psychologie, allerdings lässt sich dieser Wert nur schwer erfassen. Geprägt wird dieser Wert durch Angst, Gier und Herdenantrieb. In den derzeitigen Auffassungen geht man davon aus, dass alles bis zu einem Flügelschlag eines Schmetterlings die Preise beeinflussen kann. Dementsprechend ist eine gesicherte Ölpreis-Prognose nahezu undenkbar.

Es ist nahezu unmöglich, sich an dieser Stelle ausreichend über die Faktoren des Ölpreises zu informieren. Da diese Faktoren meist nach der Preisbildung und somit als Geschichte zum Geschehen, genannt werden. Dadurch haben sie ohnehin einen sehr fiktionalen Beigeschmack.

Einflüsse auf den Ölpreis

Der Ölpreis wird inzwischen nicht mehr von den größeren Mineralölgesellschaften bestimmt. Noch heute wird dieser Einfluss weit überschätzt. Diese falsche Bewertung hat allerdings eine wahre Geschichte. In der Vergangenheit teilten sich die sieben großen Gesellschaften rund 70 Prozent des weltweiten Marktes. Bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts existierte die Gesellschaft Rockefellers Standard Oil of America, welche bestimmend im Ölgeschäft war. Nach einem Kartellverfahren wurde dieser Konzern zerschlagen. Es entwickelten sich Chevron, Exxon und viele weitere Gesellschaften.

Heutzutage hat keiner der Ölmultis mehr als drei Prozent Förderanteil am weltweiten Ölaufkommen. Mehr als 80 Prozent des global verbrauchten Öls werden von Staatsunternehmen gefördert. Dadurch wird das politische Ausmaß des Ölmarktes deutlich. In der sogenannten OPEC sorgen staatliche Unternehmen für die Produktion von Öl. So werden rund 40 Prozent des globalen Aufkommens gedeckt.

Was macht den Preis aus? Alle, die auf den Ölmärkten und Ölbörsen tätig sind. Ölhändler, Ölproduzenten, Banker, Versicherungen und Finanzjongleure aber auch große und kleine Verbraucher. Hierbei spielt die Staatlichkeit keine Rolle.

Die unterschiedlichen Sorten

Wenn man allgemein von Öl spricht, ist man sehr unspezifisch. Hinter dem Begriff Öl kann Heizöl, Schmieröl, Rohöl, Speiseöl und so weiter gemeint sein. In diesem Artikel war bislang von Rohöl die Rede. Doch selbst diese Bezeichnung ist sehr unpräzise. Es gibt zahlreiche Rohölsorten auf dem Markt. Dabei hat jede Sorte seine eigenen Spezifikationen und somit auch einen speziellen Wert. Die wichtigsten Unterscheidungskriterien sind die Dichte, der Schwefelgehalt und mitunter der Säuregehalt.

Die weltweit bekanntesten Sorten sind Texas-Rohöl WTI, Nordsee-Rohöl Brent und der OPEC-Korb, dies ist eine Mischung aus Ölsorten der Mitgliedsstaaten des Kartels. Aus physischer Sicht spielen diese Arten keine Rolle, da sie kaum vorkommen. Doch buchungstechnisch sind sie so etwas wie die Leitwährung des Ölmarkts.

Der Rohöl-Handel an der Börse

Die Faktoren sind sehr vielseitig, dadurch ist es unmöglich, diese ganz zu erfassen. Dementsprechend ist Öl ein perfekter Stoff für Wett- und Spekulationsgeschäfte. Die Spieler und die Spekulanten übernehmen hierbei das Risiko von Händlern und Produzenten. Solange beide Parteien mit ausgeglichenen Werten auf dem Markt auftreten, sorgen die Spekulationen für wirtschaftliche Stabilität.

Wenn die hypothetischen Geldwerte die Warenwerte übersteigen, ist das Gleichgewicht gestört. Die Spekulationsblasen steigern das Kollapsrisiko der Wirtschaft. Durch die Rettungsaktionen der Zentralbank nach dem Kollaps im Jahr 2008 sind alle Märkte mit der bisweilen freien Geldschöpfung vom Kollaps bedroht. Dank des Ölpreisfalls im Jahr 2015 ist das Risiko wieder gesunken.

Aktueller Stand: 07/2019 - Autor: