Sie haben den ersten Teil des Jobinterviews erfolgreich hinter sich gebracht? Sie haben im Assessment-Center überzeugt? Dann wird nun Klartext geredet: Die Gehaltsverhandlung steht an. Die meisten Arbeitnehmer sehen sich hier in der Zwickmühle.

Zum einen wollen sie ein möglichst hohes Gehalt erzielen, zum anderen möchten Sie nicht Gefahr laufen, unverschämt zu erscheinen oder aufgrund der Gehaltsvorstellungen abgelehnt zu werden. Dazu kommt die oft emotionale angespannte Situation, in der nackte Zahlen gefordert werden. Wie können Sie verhandeln, was ist realistisch und was sollten Sie vermeiden? Die folgenden Aspekte werden Ihnen dabei helfen, einen fairen Deal auszuhandeln.

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Wie viel sind Sie wert?

Einer Sache können Sie so sicher sei, wie das Amen in der Kirche. Früher oder später wird die Frage nach dem Gehalt kommen und dann müssen Sie liefern. Wage Angaben helfen oft nicht weiter und werden eher als Zeichen der Unsicherheit gewertet. Zudem wollen Unternehmen sehen, wie sich selbst einschätzen. Sie haben jedoch einen großen Vorteil: Sie können sich vor dem Interviewtag ausgiebig auf diesen Moment vorbereiten. Üben Sie die Situation mit einem Freund oder Freundin. Es ist immer ein unangenehmer Moment. Lernen Sie, damit umzugehen und zu Ihrer Forderung zustehen, indem Sie einen möglichen Ablauf vorher mehrmals üben.

Wie viel Gehalt können Sie verlangen?

Im Raum steht die zentrale Frage: Wie viel sind Sie wert? Und wie viel ist der Arbeitgeber bereit Ihnen zu bezahlen? Diese Beträge müssen nicht immer übereinstimmen. Die entscheidenden Faktoren, um Ihren Marktwert zu ermitteln, sind Ihre Ausbildung, Ihre Arbeitserfahrung und – das wird oft vergessen – Ihre Alleinstellungsmerkmale. Existieren viele Menschen, die das gleiche können wie Sie, sinkt Ihr Marktwert. Haben Sie eine gute Ausbildung und schon 5 Jahre Berufserfahrung, spricht das für Sie. Diese Aspekte gilt es vorher abzuwägen.

Nichtsdestotrotz fällt es gerade am Anfang schwer, den eigenen Marktwert realistisch einzuschätzen. Fragen Sie Freunde, die in ähnlichen Positionen arbeiten. Da oft nicht gerne über das Gehalt gesprochen wird, machen Sie es Ihren Freunden einfacher: Findest Du 45 000 € im Jahr realistisch? So kann Ihr Freund seine Einschätzung geben, ohne sein eigenes Gehalt offen legen zu müssen. Nutzen Sie außerdem das Internet, um sich ein Bild der Gehaltslandschaft zu machen. Wichtig dabei ist, dass Sie in Ihrer Branche suchen, da Letztere stark unterschiedlich bezahlen. Ziehen Sie als dritten Faktor den Tarifvertrag des Österreichischen Öffentlichen Dienstes heran, welcher frei einsehbar ist. Daran können Sie sich orientieren, ob Sie darüber oder darunter liegen wollen.

Bringen Sie Argumente!

Seien gefasst auf die Frage: Warum wollen Sie Betrag X verdienen? Legen Sie sich Argumente bereit, welche Sie wertvoll machen und auszeichnet. Das können ähnliche Tätigkeiten in der Vergangenheit gewesen sein, was eine kurze Einarbeitungszeit zur Folge hätte. Das könne Fachkenntnisse in einem speziellen Bereich sein oder auch persönliche Stärken. Allein der Fakt, dass man mehr verdienen möchte, als im Job davor, ist kein eindringliches Argument. Der Hinweis, dass Ihre Ausbildung genau auf das Profil passt und Sie ein harter Arbeiter sind, aber schon.

Dreistigkeit siegt?

Lieber zu viel fordern, als sich aus Versehen unter Wert verkaufen? Die Antwort lautet: ja. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie wegen einer zu hohen Gehaltsforderung abgelehnt werden, ist relativ klein. Wenn ein Unternehmen sich für Sie entschieden hat, wird es Ihnen vor eine Absage ein Gegenangebot machen. Vermutlich nicht direkt im Gespräch, sondern vielleicht dann nach einiger Zeit Überlegung. Wenn Sie sich unter Wert verkaufen, wird es äußert schwierig, im Laufe der Jahre in dieser Firma im Gehalt zu steigern. Sie müssten mehrmals interne Gehaltsverhandlungen führen, was unrealistisch und aufreibend ist.

Überlegen Sie auch für sich selber, wie wichtig der Job für Sie ist. Können Sie es sich erlauben zu pokern, weil Sie vielleicht noch einen anderen Job in der Hinterhand haben? Dann sollten Sie es probieren. Sind Sie auf den Job angewiesen, dann seien etwas vorsichtiger und bewerben sich vielleicht besser aus dem Job heraus wieder neu. Vermeiden Sie jedoch in jedem Fall, ein Gehalt in der Höhe des Chefs zu fordern, das könnte allerdings zum Knock-out Kriterium werden. Umfragen haben gezeigt, dass die größten Gehaltssteigerungen durch häufige Jobwechsel zu erreichen sind, eben weil Sie jedes Mal neu verhandeln und jedes Mal ein bisschen mehr vorweisen können.

Sie haben nicht alles selbst in der Hand

Seien Sie sich trotz aller Vorbereitung bewusst: Sie haben nicht alles in der Hand. In vielen Fällen steht die Gehaltsspanne bereits fest und der Arbeitgeber möchte nur sehen, wie Sie sich selber einschätzen. In den wenigsten Unternehmen herrscht wilder Westen bei der Gehaltsverhandlung. Im Gegenteil, die Gehälter und Zulagen sind tariflich geregelt und es gibt nur sehr enge Spielräume. Selbst im außertariflichen Bereich sind die Gehälter nach Erfahrung und Ausbildung geregelt. Aus in dieser Hinsicht lohnt es sich, einige Recherchen im Voraus anzustellen.

Hat das Unternehmen einen eigenen Tarifvertrag? Gibt es vielleicht veröffentlichte Gehälter irgendwo im Internet? Sollten Sie eine entsprechende Zahl gefunden haben, schlagen Sie noch ein wenig drauf und nennen die Zahl selbstbewusst im Interview. Die Gehaltstruktur in Österreich zeigt klar, dass große Unternehmen tendenziell mehr Gehalt bezahlen und auch oft bessere Zusatzleistungen haben, als kleinere Unternehmen. Auch das sollte Ihnen bewusst sein. Bewerben Sie sich bei einem Start-up, einem Amt oder einem Global-Player?

In jeden Fall, denken Sie daran, dass kein Job für die Ewigkeit ist und Sie jederzeit wechseln können, um vielleicht den nächsten Gehaltssprung zu machen. Viel Erfolg!

Aktueller Stand: 05/2019 -