Den Arbeitgeber schon beim Bewerbungsschreiben überzeugen

Der erste Eindruck zählt, sagten uns schon unsere Eltern. Doch der beginnt nicht beim Bewerbungsgespräch. Unzählige Bewerbungen führen nie zu der erhofften Vorstellung, da Arbeitgeber bereits im Vorfeld aussortieren.

Ein Tag im Büro der Personalabteilung: Erst kürzlich hat Frau K., die Personalmanagerin des Unternehmens, eine Stelle im Sekretariat ausgeschrieben. Gleich zwei Tage darauf trudeln die ersten Briefe ein, die Frau K. ohne das Kuvert zu öffnen in den Papierkorb wandern lässt. Es wurde zwecks leichterer Bearbeitung um eine Bewerbung per E-Mail gebeten.

Auch in ihrem E-Mail Postfach warten Hunderte von Bewerbungsmails zitternd vor Aufregung auf ihre Bearbeitung. Frau K. sortiert nach Größe und wirft dreißig Schreiben heraus, die auf jeglichen Anhang verzichten. Gut fünfzig weitere folgen nur angelesen in den Tiefen des Webmülls, da im ersten Satz bereits Tipp- oder Rechtschreibfehler existierten, beziehungsweise die Norm zur Geschäftsbriefgestaltung missachtet wurde. Zehn Schreiben bleiben unbemerkt im Spamordner, aufgrund ihres unpassenden Betreffs.

Warum landet Ihre Bewerbung im Müll?

Sie haben sich nicht adäquat vorbereitet oder Ihr Profil entspricht nicht dem gesuchten. Eine Sekretärin, deren Tagwerk es ist, stil- und formgerechte Briefe zu verfassen, bedarf einer exzellenten Rechtschreibung. Ein Verkäufer benötigt eine Handelsausbildung und ein Pädagoge einen einwandfreien Leumund.

Abgesehen von diesen Berufsspezifika gibt es noch weitere Hürden zu nehmen, bevor ihr Schreiben es in den Endspurt schafft: auf den Schreibtisch des Personalbüros. Was Sie im Vorfeld tun müssen, wie Ihr Bewerbungsschreiben aussehen muss und weitere hilfreiche Tricks bringe ich Ihnen im Folgenden näher.

Was sie vor der Bewerbung tun müssen

Gerade haben Sie eine Stellenbeschreibung in der Tageszeitung gelesen. Der Verdienst wirkt angemessen, der Arbeitsort erreichbar. Sie nehmen Ihre Standard-Bewerbungsunterlagen, passen den Briefkopf an, drucken die Papiere aus und schicken Sie mit der Post los.

Aber bevor Sie mit Ihrer Standard-Bewerbung Briefpapier, Toner und Portoendgeld verschwenden, beherzigen Sie diese Tipps!

Bevor Sie sich bewerben, stellen Sie sich folgende drei Fragen:

  1. Gefällt mir der Beruf und warum?
  2. Bin ich für diesen Beruf qualifiziert?
  3. Kann ich mir vorstellen, diesen Beruf langfristig auszuüben?

Wenn Sie diese Fragen gewissenhaft mit Ja beantworten können, fahren Sie fort.

Informieren Sie sich über das Unternehmen

Ein kürzliches Gespräch mit der Zuständigen für die Personalakquise eines größeren Unternehmens ließ mich staunen: Der Trend geht zur Massenbewerbung. Statt sich um eine Bewerbung zu bemühen, werden Tausende versandt. Doch die Hoffnung mit Masse statt Klasse zu punkten ist trügerisch.

Die meisten Personalbüros erkennen Standardbewerbungen ohne Umschweife und sortieren sie aus. Das Gros der Unternehmen erwartet sich ein individuelles Bemühen um die ausgeschriebene Stelle.

Was tun, um aus Hunderten von Bewerbern hervorzustechen?

Überprüfen Sie die Website des Unternehmens. Machen Sie sich schlau über die Unternehmensphilosophie und verarbeiten Sie diese in ihrem Schreiben.

Informieren Sie sich über die Ansprechperson und richten Sie das Schreiben direkt an diese. Eventuell können Sie im Vorfeld telefonischen Kontakt aufnehmen und bleiben somit im Hinterkopf.

Passen Sie Ihre Bewerbung dem Unternehmen an. Nehmen Sie dabei folgende Fragestellungen als Leitfaden:

  • Warum gehören gerade Sie hinein?
  • Welche Ressource stellen Sie für das Unternehmen dar?
  • Und warum bewerben gerade Sie sich bei genau diesem Unternehmen?

Informieren Sie sich über die gängige Norm bzgl. der Briefgestaltung

Enorm viele Bewerber haben zwar grundsätzlich eine Ahnung davon, was in eine Bewerbung gehört, doch keine Kenntnis über deren professionellen Aufbau. Ein Blick in die DIN 5008 (Deutschland) beziehungsweise ÖNORM A 1080 (Österreich) hilft Ihnen, den Brief entsprechend normgerecht aufzubauen. Insbesondere für Positionen, in denen Briefverkehr mit Kunden zu führen ist, punkten Sie hier mit Fachkenntnis!

Reflektieren Sie Ihre eigene Person

  • Was macht Sie einzigartig?
  • Was unterscheidet Sie von anderen?
  • Was sagen Freunde über Sie?

Personelle Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Pünktlichkeit sind im Zuge der Ökonomisierung von Arbeitsabläufen von immer größerer Bedeutsamkeit. Seien Sie sich darüber im Klaren, wozu Sie fähig sind. Insbesondere im Bewerbungsgespräch bieten diese Punkte eine Möglichkeit, sich zu profilieren.

11 Bestandteile, die jede Bewerbung enthalten muss

Hier finden Sie alle Inhaltselemente und Bestandteile eines idealen Bewerbungsschreibens:

Der Absender

Zuallererst notieren Sie ihre Anschrift, Telefon und bei Bedarf Ihre E-Mail-Adresse. Der Arbeitgeber muss sofort erkennen, wer das Schreiben verfasst hat und wie er diesen erreichen kann. Hier lassen die meisten Normen für Geschäftsbriefe Kreativität zu. Eine besondere Form kann allein schon aus der Masse herausstechen. Vergleichen Sie bspw. diese zwei Möglichkeiten:

Variante 1:

Max Mustermann

Mustermannstraße 67

1234 Musterhausen

Variante 2:

Max Mustermann

Mustermannstraße 67, 1234 Musterhausen

Tel: 0123 123 123, Mail: [email protected]

Der Empfänger

Notieren Sie hier die postalische Anschrift der Firma und im besten Fall die Ansprechperson, die den Brief erhalten soll.

Das Datum

Das Datum steht in der Regel rechtsbündig zwischen Empfänger und dem Titel des Bewerbungsschreibens. Häufig wird es wie folgt formatiert: Ort, Tag. Monat Jahr. Wenn Sie Standardvorlagen für Ihre Bewerbung verwenden: Vergessen Sie niemals das Datum anzupassen. Das fällt sofort ins Auge.

Beispiel: Musterhausen, 08. Oktober 2017

Der Titel

Der Titel wird meistens fett markiert. Häufig wird er in einer größeren Schrift geschrieben, was zumeist nicht der gültigen Norm entspricht. Machen Sie es dem Sachbearbeiter einfach und schreiben Sie nicht nur Bewerbung.

Beispiel: Bewerbung zum Großhandelskaufmann

Die Anrede

Klassischerweise schreiben Bewerber hier: Sehr geehrte Damen und Herren.

Besser ist, sie kennen die betreffende Ansprechperson namentlich. Dann fühlt sich der Lesende von Ihrem Schreiben angesprochen.

Die Einleitung

Formulieren Sie in zwei bis drei Absätzen Ihr Anliegen, die Quelle und Ihre Motivation. Die Einleitung sollte kurz und prägnant bleiben. Kommen Sie auf den Punkt, verfallen Sie nicht ins Schwafeln. Liefern Sie Ihr überzeugendstes Hauptargument. Bereits eine unpassende Einleitung kann dazu verleiten, Ihre Bewerbung in die Tonne zu werfen.

Beispiel: Hiermit bewerbe ich mich als Großhandelskaufmann im Einkauf. Kürzlich las ich im Kurier von Ihrem Stellenangebot. Da ich mich privat viel mit Elektrotechnik beschäftige und auch beruflich fundierte Kenntnisse darüber habe, interessiere ich mich für diese Stelle.

Der Hauptteil

Warum eignen Sie sich für diese Stelle? Was zeichnet Sie aus? In diesem Teil punkten Sie damit, wenn Sie sich im Vorfeld vorbereitet haben. Gehen Sie auf Ihre Stärken ein. Machen Sie nicht den Fehler, sich als eierlegende Wollmilchsau darzustellen. Jeder Mensch hat seine persönlichen Schwächen. Es liegt an Ihnen, diese vorteilhaft für Sie darzustellen.

Beispiel: Freunde bezeichnen mich häufig als perfektionistisch. Es ist mir wichtig, meine Aufgaben so pflichtbewusst als möglich zu erfüllen.

Der Schluss

Runden Sie Ihre Bewerbung ab. Hier ist Kreativität gefragt. Bringen Sie beispielsweise ein letztes schlagendes Argument für Ihre Einstellung ein oder warum Ihnen gerade diese Firma so gut gefällt, eine Zusammenfassung Ihrer nützlichen Fähigkeiten etc. Halten Sie es aber kurz und knapp!

Beenden Sie diesen Teil mit dem Ausdruck Ihrer Freude ob eines möglichen persönlichen Gesprächs.

Beispiel: Ich würde mich freuen, wenn wir uns zu einem persönlichen Termin verabreden könnten, damit ich mich näher vorstellen kann.

Die Verabschiedung

Hier empfiehlt es sich im Regelfall beim Standard bleiben: Mit freundlichen Grüßen.

Abhängig vom Arbeitsfeld z. B. im Sportbereich, Kinderbetreuung oder dergleichen kann auch ein Beste Grüße oder Mit lieben Grüßen annehmbar sein, wenn es dem gewohnten Jargon dieser Branche entspricht. Beispielsweise ist man im breitensportlichen Vereinswesen zumeist schnell beim Du und kann auch eine weniger förmliche Verabschiedung wählen.

Die Unterschrift

Mit gewöhnlich zwei bis drei Zeilen Abstand zur Verabschiedung schreiben Sie Ihren Namen maschinell auf. Darüber bringen Sie Ihre händische Überschrift noch einmal zu Papier. Bei Online-Bewerbungen lohnt es sich, diese einzuscannen.

Anlagen der Bewerbung

Diese werden in aller Regel am untersten Teil des Schreibens aufgelistet. Vergessen Sie nicht, Ihrer Bewerbung die nötigen Qualifikationsnachweise beizulegen. Gewöhnliche Beilagen sind:

Einige wichtige Tipps zum Abschluss

Sie haben sich ausreichend über das Unternehmen informiert, ein individuelles Anschreiben verfasst, ihre Stärken und Schwächen optimal dargestellt und sind sich sicher, dass alles glatt laufen wird? Dann stolpern Sie im letzten Schritt nicht über diese Anfängerfehler, die all Ihre Mühen vergebens machen können:

  1. Lesen Sie Ihre Bewerbung Probe. Klingen die Formulierungen gut, hat sich kein Logikfehler eingeschlichen? Auch Tippfehler kommen bei größter Sorgfalt regelmäßig in Bewerbungsschreiben vor. Nutzen Sie unbedingt zumindest die Rechtschreibprüfung Ihres Textverarbeitungsprogramms!
  2. Senden Sie Ihre Bewerbung auf dem geforderten Weg ein. Viele Arbeitgeber lassen Ihnen freie Hand, doch Bewerbungen per E-Mail sind heutzutage am geläufigsten.
  3. Quälen Sie die Ansprechperson nicht mit endlosen Telefonaten! Ein kurzer Anruf, ob die Bewerbung angekommen ist, mag noch von Interesse künden. Jedoch setzen Sie sich ganz schnell auf die Rote Liste, wenn Sie täglich den Stand Ihrer Bewerbung urgieren.

Muster-Bewerbung: kostenlose Vorlagen

Eine kostenlose Muster-Bewerbung als Vorlage zum Herunterladen und Ausdrucken finden Sie im Internet auf karriere.at oder monster.at zum Beispiel.

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Daniel Herndler
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.
Stand: 08.08.2021, 06:29 Uhr