03.06.2019, 12:00 Uhr | von | Wirtschaft

Das generelle Rauchverbot in der Gastronomie könnte nun doch im Nationalrat beschlossen und in Umsetzung gebracht werden. Durch die Aufkündigung der Koalition zwischen ÖVP und FPÖ könnten auch Abgeordnete der Volkspartei für das Gesetz zum Nichtraucherschutz stimmen. Welche wirtschaftlichen Folgen könnte das Rauchverbot haben?

Rauchverbot in der Gastronomie: Was das für die Wirtschaft bedeutet
Bild: pixabay.com / geralt

Das absolute Rauchverbot in der Gastronomie könnte mit der neuen Interimsregierung doch noch umgesetzt werden. Doch welche finanziellen und wirtschaftlichen Folgen könnte diese Regelung nach sich ziehen?

Wirtschaftliche Auswirkungen auf die Gastronomie

Viele Kritiker haben immer wieder behauptet, das generelle Rauchverbot in der Gastronomie würde zu einem Wirte-Sterben und negativen wirtschaftlichen Folgen für die Gastronomie führen. Doch stimmt das?

Das Institut für Höhere Studien (IHS) hatte diese Behauptungen bereits 2018 wiederlegt. So hätte ein absolutes Rauchverbot sogar positive Effekte auf die Gastronomie. Die Umsätze in den Einzelstudien zeigen deutlich bessere Werte, als von Kritikern prognostiziert. Einzig in der Getränkegastronomie - Bars, Pubs und Nachtlokalen - kam es zu kurzfristigen Einbrüchen in den Umsätze.

Neben den finanziellen Aspekten stehen aber vor allem die gesundheitlichen Auswirkungen im Vorderung. Allen voran die Auswirkungen auf die Gesundheit der Nichtraucher, die durch den Passivrauch gestört oder sogar geschädigt werden können. Die Kosten für Wirte und Gastronomen können niemals die Kosten für Gesundheitsschädigungen und Folgeschäden bis zum Tod durch Tabakrauch aufwiegen.

Kosten für Umbau bei Nichtraucherbereich

Viele Gastronomiebetriebe haben bereits vor einigen Jahren getrennte Bereiche für Raucher und Nichtraucher eingeführt. Dafür waren seitens der Behörden strikte Auflagen vorgesehen: So musste der Nichtraucherbereich mittels bestimmter Türen vom Raucherbereich abgetrennt werden. Zudem durften Nichtraucher nicht durch den Raucherbereich gehen müssen.

So mussten Mehr-Gastraum-Lokale können einen der Räume als Raucherbereich ausweisen. Dabei ist wichtig, dass der Nichtraucherraum mindestens 50% der Gesamtfläche einnimmt. Zudem muss sichergestellt werden, dass kein Tabakrauch aus dem Raucherzimmer austritt. Bei Ein-Gastraum-Lokalen kann der Gastwirt selbst entscheiden, ob es abgetrennte Bereiche gibt, sofern der Gastraum nicht größer als 50m² ist. Andernfalls sind bauliche Maßnahmen zu treffen. Die Kosten dafür lagen in den letzten Jahren durchschnittlich im niedrigen bis mittleren 5-stelligen Bereich.

Letzlich gilt es noch die Frage zu klären, ob Angestellte, die selbst nicht rauchen, Raucher in deren Bereich der Gaststätte bedienen dürfen. Auch hierfür wurden bestimmte Auflagen ausgegeben. Nun wollen bei einem generellen Rauchverbot viele Gastronomen ihre Investitionen für die notwendigen Umbauten rückerstattet wissen. Bei einer generellen Lösung seien die umgebauten Bereiche ohnehin obsolet.

Doch ist die Klärung der Kostenfrage tatsächlich wichtiger, als die Frage nach der Gesundheit der Mitarbeiter und Gäste? Das scheint der Kern der wiederaufkeimenden Debatte um das Rauchergesetzt zu sein.

ÖVP könnte nun doch für Rauchverbot stimmen

Die Volkspartei könnte nach dem Misstrauensantrag und der darauffolgenden neuen Bundesregierung Bierlein durch das freie Spiel der Kräfte für ein generelles Rauchverbot stimmen. Durch das Ende der Koalition mit der FPÖ sind Sebastian Kurz und die Abgeordneten zum Nationalrat nicht mehr an die Bedingungen der Freiheitlichen gebunden. Damit könnte bis zur Neuwahl im September das viel geforderte Raucherschutzgesetz, das spätestens nach dem Dont-Smoke-Volksbegehren hohe Wellen schlug (immerhin mit fast 900.000 Unterschriften), doch umgesetzt werden.

Die Bedingung dafür soll, laut ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer, der Pakt gegen Wahlzuckerl vor der vorgezogenen Nationalratswahl sein. Die SPÖ will einen Antrag dafür im Nationalrat einbringen.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

Schlagwörter:

Generelles RauchverbotAbsolutes RauchverbotRauchverbotRauchverbot Gastronomie

Melden Sie sich zum kostenlosen Newsletter an und erhalten Sie immer aktuelle Infos und News sofort per Email.
Mehr Schlagzeilen

Alle Informationen zu den Richtlinien finden Sie hier. Kontaktieren Sie uns für Ihr Feedback!