Konjunktur in Österreich gut: OeNB-Prognosen für Wirtschaftswachstum dennoch nach unten korrigiert

Österreich befindet sich seit Jahren in einer wirtschaftlich guten Situation. Die Konjunktur hat in den vergangenen Jahren deutlich positiv entwickelt. Dennoch hat die Oesterreichische Nationalbank und andere Wirtschaftsforscher die Prognosen für die Jahre 2019 und 2020 vorsichtig reduziert. Grund dafür ist vor allem die schwächelnde deutsche Wirtschaft. Besonders die Exportwirtschaft in Österreich ist davon betroffen.

Konjunktur in Österreich gut: OeNB-Prognosen für Wirtschaftswachstum dennoch nach unten korrigiert
Bild: pixabay.com / nattanan23
12.06.2019, 13:30 Uhr | von | Wirtschaft

Die österreichische Konjunktur befand sich bisher in einem starken Wachstum. Die Entwicklung der Konjunktur wird in Zukunft etwas schwächer, denn die Prognosen des Wirtschaftsforschungsinstituts und des Instituts für höhere Studien gehen von einem Wachstum in Höhe von etwa 1,6 Prozent aus. Das Wachstum im Jahr 2018 lag, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, bei etwa 2,7 Prozent.

Die Prognose für das Jahr 2020 geht von einem Wachstum in Höhe von 1,7 Prozent aus. Der private Konsum gilt als treibende Kraft der österreichischen Konjunktur und wird durch den Familienbonus sowie die kräftigen Lohnsteigerungen noch gesteigert.

Erst am Freitag hatte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) unter Leitung von Gouverneur Ewald Novotny die Prognosen nach unten korrigiert. "Österreichs Wirtschaft hält sich wacker. Österreich ist in einer vergleichsweise guten Situation.", so Novotny. Die Schätzungen für das Wachstum wurden für 2019 auf 1,5 und 2020 auf 1,6 Prozentpunkte korrigiert.

Als wichtiges Signal für ein stärkeres Wirtschaftswachstum sieht die OeNB die Umsetzung der Steuerreform. Eine Senkung des Eingangssteuersatzes für niedrige Einkommen von 25% auf 20% und die Reduzierung der Sozialversicherungsbeiträge würde der Wirtschaft helfen. Dadurch könne die Kaufkraft gestäkrt werden. Zudem würden diese Entlastungen bis 2021 lediglich 0,5 des Bruttoinlandsproduktes ausmachen und wären damit im Budget gesichert.

Deutschlands Wirtschaft weiter schwach

Die Exporte werden in den nächsten Monaten und Jahren weiter schwach bleiben, denn die deutsche Wirtschaft ist derzeit am schwächeln und Deutschland ist das wichtigste Exportland für die österreichischen Waren. Die deutsche Automobilindustrie ist durch die Abgasaffären arg in Mitleidenschaft gezogen worden und die vielen Zulieferer, die auch in Österreich sitzen, bekommen das zu spüren. Die Industrie wird leicht zurückgehen, weil die Stimmung auf dem Weltmarkt eher negativ ist. Bauinvestitionen werden ebenfalls weniger getätigt als im Vorjahr.

Brexit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle

Der Brexit ist derzeit ein großes Thema in den Medien und stellt eine große Unbekannte für die österreichische Konjunktur dar. Die italienische Wirtschaft befindet sich derzeit auf dem Weg in eine Rezession und der Handelskrieg zwischen den USA und China, sowie die geplanten Einfuhrzölle, tun ihr Übriges dazu. Die Arbeitslosigkeit wird voraussichtlich minimal zurückgehen, aber nicht so stark wie in 2018. Die Steuerreform und die Senkung der Beiträge zur Krankenversicherung stehen nicht in Gefahr, auch wenn die Wirtschaft weniger stark wächst und damit nicht mehr so viele Steuereinnahmen wie geplant in die Staatskasse fließen.

Was sagt die Konjunktur aus?

Die Konjunktur beschreibt die wirtschaftliche Lage eines Staates, also beispielsweise wie viel Umsatz die Unternehmen erwirtschaften. Die Konjunktur ist ein Zyklus, der in vier Phasen unterteilt werden kann. Die expansive Phase beschreibt den wirtschaftlichen Aufschwung der Volkswirtschaft. Sie zeichnet sich vor allem durch die steigenden Auftragszahlen und die damit verbundenen Steigerungen der Produktion aus. In Folge dessen sinken die Arbeitslosenquoten, die Preise steigen leicht an und die Zinsen sind niedrig mit steigender Tendenz. Die Prognosen zur weiteren Entwicklung sind positiv und die Menschen haben ein höheres Einkommen, welches sie gerne investieren.

In der Boom-Phase sind die Kapazitäten voll ausgelastet und es gibt keine Arbeitslosen mehr. Die Preise und Zinsen steigen an und die Produktion wird über die Verhältnisse gesteigert, sodass eine Sättigung des Marktes Eintritt. Die Unternehmen bekommen nach und nach Probleme, weil Kredite nicht mehr bedient werden können. Das Bruttoinlandsprodukt steigt nur noch sehr schwach an und stagniert in der Spitze des Booms. Die Rezession, also der wirtschaftliche Abschwung, schließt sich an.

Die Rezession definiert sich über einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, der mindestens zwei Quartale am Stück anhält. Sie ist gekennzeichnet durch pessimistische Prognosen zur wirtschaftlichen Lage der Volkswirtschaft. Die Nachfrage nach den einzelnen Produkten sinkt und die Lager werden dadurch immer voller. Überstunden werden abgebaut und Kurzarbeit wird eingeführt, teilweise kommt es auch zu Entlassungen durch die Insolvenz eines Unternehmens. Die Preise, Löhne und Zinsen fallen langsam und die Unternehmen investieren kein Geld mehr. Die vierte Phase ist die Depression, in der die Wirtschaft nicht weiter sinkt. Maßgeblich für diese Phase sind die fallenden Börsenkurse, die vielen Entlassungen und das Sinken der Preise.

Wirtschaftswachstum

Die Konjunktur beschreibt also im Wesentlichen die wirtschaftliche Situation einer Volkswirtschaft. Der Staat hat die wichtige Aufgabe, die Wirtschaft zu regulieren und so die verschiedenen Phasen abzumildern. Während des Aufschwungs und der Boom-Phase sollte der Leitzins erhöht werden, damit Kredite und die daraus folgenden Investitionen weniger attraktiv werden und es nicht zu Überproduktionen kommt. Die Ausgaben des Staates sollten gesenkt werden, beispielsweise durch weniger Investitionen oder die Verringerung von Subventionen, damit die Unternehmen weniger Aufträge bekommen. Die Steuern sollten erhöht werden, damit der Staat an der Konjunktur teilhaben kann und Rücklagen für schwächere Phasen bilden kann. In einer Phase des Abschwungs sollte der Staat diese Steuerrücklagen wieder auflösen durch die Senkung der Steuern. Bestimmte Wirtschaftszweige sollten durch Subventionen gefördert werden und vermehrt staatliche Baumaßnahmen in Auftrag gegeben werden. Außerdem sollte der Leitzins wieder gesenkt werden, damit Investitionen für Unternehmen und Konsumenten attraktiver werden.

Schätzungen der Konjunktur

Die Konjunktur lässt sich nicht wirklich berechnen, es sind jedoch Schätzungen und Prognosen möglich. Viele verschiedene Theorien ziehen die unterschiedlichsten Faktoren heran, sodass es keine exakte Antwort auf die Frage gibt. Es gibt sogenannte Frühindikatoren, welche in der Zukunft zum Tragen kommen. Das sind beispielsweise die Aktienindizes, der Konsumklimaindex, Gewinnerwartungen großer Konzerne und der Rohstoffindex. Aus diesen Faktoren lassen sich beispielsweise zukünftige Auslastungen und damit auch Arbeitsplätze und Investitionen prognostizieren. Die Spätindikatoren lassen sich aus der vergangenen Entwicklung ableiten.

Wichtige Merkmale

Die wichtigsten sind das Bruttoinlandsprodukt, die Arbeitslosenquote, Steuereinnehmen und die Inflation. Teilweise müssen diese Indizes mit Vorsicht genossen werden. Rohstoffpreise unterliegen zu einem gewissen Teil der Spekulation auf steigende oder fallende Preise, deshalb kann man sie nicht zwangsläufig mit der Konjunktur in Verbindung bringen. Niedrige Zinsen sind ein Motor für die laufende Wirtschaft, denn Unternehmen und Konsumenten können sich für einen günstigen Zinssatz Geld legen und so neue Investitionen tätigen.

Mehr Informationen: Business

Martin Höllinger
Mail: mh@finanz.at | Twitter: twitter.com/hoellinger
stv. Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Kredit
Finanzierung, Kredit, Versicherung
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