15.12.2019, 14:10 Uhr | von | Steuern

Die Neuberechnung der NoVA gilt in Österreich ab 01. Januar 2020. Dabei wird die Normverbrauchsabgabe auf das Messverfahren WLTP umgestellt, um realistischere CO2-Werte zu berücksichtigen.

Was die Umstellung auf das Messverfahren WLTP für die NoVA bedeutet
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | CO2-Emissionen von KFZ werden nach Messverfahren WLTP ermittelt

Das Verfahren WLTP soll die CO2-Emissionen von KFZ realitätsnaher messen. Der Verbrauch von Fahrzeugen wird unter genormten Laborbedingungen bei der Neuzulassung und -Typisierung des KFZ erhoben.

Im WLTP werden auch Sonderausstattungen zukünftig bei der Berechnung der CO2-Emissionen einbezogen. Zuvor waren diese nicht berücksichtigt worden, wodurch die Labormesswerte teilweise stark von den realen Abgaswerten der KFZ abwichen.

Alle Sonderausstattungen, die Einfluss auf die Fahrzeugaerodynamik, die Fahrzeugmasse und den Rollwiderstand haben, werden in der Bewertung der Abgaswerte berücksichtigt. Auch der Stromverbrauch von Komfortfunktionen - mit Ausnahme von ausgeschalteten Klimaanlagen in der ersten Stufe - wird künftig herangezogen.

Autobauer unter Druck

Durch das "Worldwide harmonized Light vehicles Test Procedure", wie WLTP vollständig heißt, sollen laut Statista im Jahr 2019 bereits dreimal so viele Fahrzeuge durch höhere Abgaswerte aufgefallen sein, als es unter dem NEFZ-Verfahren der Fall war. Das berichtet unter anderem das Manager Magazin online.

Durch die Umstellung des alten NEFZ auf das neue WLTP waren Autobauer unter Druck geraten. Volkswagen und die VW-Tochter Audi mussten Einbußen in ihren Bilanzen verkraften, andere Hersteller verkauften deutlich weniger Neuwagen.

Gab es anfänglich Kritik, begrüßt man seitens der Automobilbranche nun die Adaption der neuen NoVA in Österreich. Sie hatte die ursprüngliche Regelung abgeschwächt, wodurch die Höhe der NoVA für KFZ mit hohen CO2-Werte gesenkt wurde. Fahrzeughersteller und -Händler hatten dadurch Preisanstiege bei Neuwagen befürchtet.

"Ohne diese Maßnahme würde sich die NoVA ab 2020 durchschnittlich verdoppeln", erklärt Günther Kerle, Sprecher der österreichischen Automobilimporteure.

Weshalb braucht Österreich eine neue Normverbrauchsabgabe?

Die Neuberechnung der NoVA war Teil der Steuerreform der türkis-blauen Bundesregierung. Sie wurde im Nationalrat beschlossen, um die bisherige Berechnung durch eine an realistischere CO2-Emissionswerte gekoppelte Berechnung zu ersetzen. Finanz.at hat berichtet.

Damit sollen Anreize für die Anschaffung umweltschonenderer und klimafreundlicherer Kraftfahrzeuge gesetzt werden. Laut Umweltschützern des WWF Österreich greift die neue NoVA jedoch weiterhin viel zu kurz.

Sie sollte "noch deutlich stärker ökologisiert werden", wie Volker Hollenstein (WWF) exklusiv auf Anfrage von Finanz.at mitteilt.

"Tatsache ist, dass der Verkehr weiter als jeder andere Sektor von den EU-Klimazielen entfernt ist und Österreich langfristig hohe Ausgleichszahlungen drohen, wenn keine Klimaschutz-Trendwende erfolgt. Je länger die notwendigen Maßnahmen verzögert werden, desto höher wird der Schaden für unser Land ausfallen."

Begünstigung von CO2-armen KFZ bei NoVA 2020

Bei KFZ mit CO2-Werten von 175 g/km und einem Kaufpreis von 40.000 Euro betrugt die NoVA zuvor 6.500 Euro. Durch die neue Berechnung sinkt die Abgabe auf 4.450 Euro.

Ein Fahrzeug mit 250 g/km an CO2-Emissionen und einem Neupreis von 60.000 Euro liegt die neue NoVA mit 15.850 Euro ebenfalls deutlich unter dem alten Ergebnis von 18.900 Euro.

Bei höheren CO2-Emissionen, für die auch ein Zusatzbetrag pro Gramm berechnet wird, gibt es jedoch kaum Unterschiede zwischen der alten und der neuen NoVA. Ein SUV beispielsweise mit 300 g/km an CO2-Wert und einem Neupreis von 120.000 Euro liegt die neue NoVA mit 39.050 Euro nur 50 Euro unter der alten Berechnung.

Wie diese Beispiele zeigen, soll das neue Berechnungsmodell vor allem CO2-arme Fahrzeuge begünstigen.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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