11.10.2019, 12:45 Uhr | von | Wirtschaft

Die Weltwirtschaft wächst nur langsam. Auch Österreichs Industrie erlebt bereits eine leichte Rezession. Ein anhaltender Konjunkturabschwung in der EU ist möglich.

Weltwirtschaft wächst kaum - Mögliche Rezession in Europa
Bild: pixabay.com / 3844328

Eine Konjunkturabschwung ist weltweit bereits seit 2019 erkennbar. Nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten des WIFO und der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) setzt sich dieser Trend auch im Jahr 2019 fort und betrifft auch die Wirtschaft in Österreich. Die Prognosen für das heimische Wirtschaftswachstum wurden bereits in den letzten Wochen für das dritte Quartal und das Jahr 2020 deutlich gesenkt.

"Die wirtschaftliche Stimmungslage ist getrübt. Unternehmen und Haushalte in Industriestaaten und Schwellenländern verschieben langfristige Investitionen, was sich negativ auf die globale Handelsaktivität auswirkt.", heißt es seitens der OeNB im aktuellen "Bericht über die wirtschaftliche Lage".

Weltwirtschaft gebremst

Auch die Erwartungen des Weltwirtschaftswachstums wurden vom Internationalen Währungsfonds (IWF) nach unten revidiert. Betrug das weltweite Wirtschaftswachstum im Jahr 2018 noch 3,5 Prozent, sind es 2019 nur noch 3,2 Prozent. Für 2020 wird ein minimales Plus auf 3,5 Prozent prognostiziert. In den USA reagierte die FED (Federal Reserve Bank) bereits im Juli 2019 mit der Senkung des Leitzinses um 0,25 Prozentpunkte auf die schwache Inflationsentwicklung und die Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation. Besonders der anhaltende Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China, Spannungen und Konflikte im Nahen Osten sowie der mit 31. Oktober festgesetzte Brexit bremsen das globale Wachstum. Auch die chinesische Wirtschaft wächst unter diesen Bedingungen deutlich langsamer, als erwartet.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) geht aufgrund der Inflationsentwicklung in der Europäischen Union von anhaltend niedrigen Zinssätzen mindestens bis Mitte 2020 aus. Eine mögliche Senkung der Zinsen ist nicht ausgeschlossen.

Mögliche Rezession in Europa

In Deutschland, dem stärksten Wirtschaftsraum der Europäischen Union, ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2019 deutlich geschrumpft. Laut OeNB ist eine technische Rezession – also negative Wachstumsraten über zwei Quartale in Folge – möglich.

In Österreich ist eine Rezession zwar theoretisch möglich, das Risiko scheint laut Experten jedoch begrenzt. Zwar könne man davon ausgehen, dass eine Rezession in Deutschland auch Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft haben könnte, laut Wirtschaftsforschungsinstitut besteht jedoch keine große Gefahr.

Laut OeNB befindet sich die österreichische Industrie bereits jetzt in einer leichten Rezession. Die Güterexporte stagnieren im Jahr 2019 bereits. Der schwächeren Konjunktur der Exportwirtschaft wird jedoch durch die starke Entwicklung der Dienstleistungssektoren und "breite regionale und sektorale Diversifizierung" gegengesteuert.

Einschätzung der Situation in Österreich

In Österreich erwartet man nach Prognosen der OeNB ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Prozentpunkte für das vierte Quartal 2019. Bereits Mitte des Jahres wurde die Erwartung von 0,2 Prozent revidiert. Für das gesamte Jahr 2019 geht man in der Oesterreichischen Nationalbank dennoch von einer Wachstumsentwicklung von 1,5 Prozent aus. Grund dafür sei die positive Entwicklung der ersten Jahreshälfte, die über den wirtschaftlichen Erwartungen lag.

Die Inflationsrate für 2019 soll laut OeNB bei 1,6 Prozent liegen. In den Jahren 2020 und 2021 soll sie nur geringfügig auf 1,7 Prozent ansteigen, so die Prognosen.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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