13.01.2020, 11:30 Uhr | von | Steuern

Bereits 2008 wurde die Erbschaftssteuer in Österreich abgeschafft. Dennoch bestehen bei Erbschaften eine Meldepflicht und eine zu entrichtende Grunderwerbsteuer. Wie beurteilen die Österreicher diese Vermögensteuern?

Österreicher wollen keine neuen Vermögensteuern
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Vermögenssteuern in Österreich

Im Regierungsprogramm von ÖVP und Grünen sind neue Vermögensteuern, wie etwa eine Erbschaftsteuer, nicht vorgesehen. Auch der Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Einkommeb ab einer Million Euro jährlich soll nicht verlängert werden.

In einer exklusiven Umfrage von Finanz.at gaben mehr als 50 Prozent der Befragten an, sich gegen neue Vermögensteuern auszusprechen.

Hälfte der Österreicher gegen Vermögensteuer

47,6 Prozent der Befragten befürworten die Einführung neuer beziehungsweise höherer Steuern auf Vermögen. Mit 50,4 Prozent überwiegt jedoch die Anzahl der Gegner von Vermögensteuern.

Sollen neue oder höhere Vermögenssteuern eingeführt werden?

Sollen neue oder höhere Vermögensteuern eingeführt werden?

Die am häufigsten diskutierte Vermögensteuern ist in Österreich weiterhin die Erbschaftssteuer. Auch die Besteuerung von Erbschaften wird von einer deutlichen Mehrheit der Befragten abgelehnt.

57 Prozent gegen Erbschaftssteuern

Die Erbschaftssteuer wurde in Österreich bereits 2008 abgeschafft. Dennoch bestehen bei Erbschaften eine Meldepflicht und eine zu entrichtende Grunderwerbsteuer. SPÖ und Grüne fordern eine Wiedereinführung. Österreicher sind laut Umfrage jedoch mehrheitlich dagegen.

Laut exklusiver Umfrage von Finanz.at sind nur 40,3 Prozent der Befragten für eine Besteuerung von Erbschaften - unabhängig ihrer Höhe. Die Sozialdemokratie forderte beispielsweise eine Steuern auf Erbschaften über einer Million Euro. 56,9 Prozent der Befragten sprechen sich dagegen aus.

Soll eine Erbschaftssteuer eingeführt werden?

Soll eine Erbschaftssteuer eingeführt werden?

Nicht erst seit dem Wahlkampf wird in Österreich eine Wiedereinführung der Erbschaftssteuer diskutiert. Die SPÖ etwa forderte als zusätzliche Vermögensteuer eine Steuer auf Erbschaften über einer Million Euro. Auch die Grünen sind für eine erneute Einführung dieser Abgabe. Die ÖVP widersprach und betonte, dass "für Erbschaften ohnehin bereits einmal Steuern bezahlt wurden".

Als Grund für die Ablehnung von neuen Vermögensteuern - etwa einer Erbschaftssteuer - geben 53,6 Prozent mangelnde Fairness an. Nur 45,2 Prozent empfinden sie als eher gerechet.

Finden Sie Erbschafts- oder Vermögensteuern fair?

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Steuereinnahmen durch Erbschaften

Nach dem Beispiel der SPÖ würden bei einer Erbschaft von 1,1 Millionen Euro Reinvermögen, 25.000 Euro versteuert werden. Für die Berechnung würde der Freibetrag von einer Million Euro abgezogen und auf die übrigen 100.000 Euro 25 Prozent an Steuern anfallen.

Eine Erbschaftssteuer würde durch diesen Freibetrag lediglich einen Bruchteil aller Erbschaften in Österreich betreffen. Laut Erhebungen der Arbeiterkammer beträgt das durchschnittliche Erbe der unteren 90 Prozent der Einkommensschicht circa 120.000 Euro. Die oberen zehn Prozent hingegen erben durchschnittlich rund 830.000 Euro.

Im Jahr 2008 wurden 25 Prozent des gesamten Erbschaftssteueraufkommens von den vier größten Erbschaften erreicht. Experten rechnen mit Steuereinnahmen von nur wenigen hundert Millionen Euro pro Jahr. Würden hingegen progressive Erbschaftssteuern ohne allgemeinen Freibetrag von einer Million Euro eingeführt werden, könnte das sogar mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr bringen.

In Deutschland wurden laut Statista durch Erbschaftssteuern im Jahr 2018 etwa 6,4 Milliarden Euro eingenommen.

Grunderwerbsteuer als "Ersatz"

Die Erbschaftssteuer wurde in Österreich gemeinsam mit der Schenkungssteuer bereits 2008 abgeschafft. Dennoch wird weiterhin bei der Vererbung oder Weitergabe von Grundstücken an ein Familienmitglied oder einen Angehörigen die Grunderwerbssteuer fällig. Diese beträgt seit 2016 für die ersten 250.000 Euro 0,5 Prozent, für die nächsten 150.000 Euro 2 Prozent und für Summen darüber 3,5 Prozent des Grundstückswertes. Kritiker sprechen daher von einer indirekten Erbschaftssteuer.

Erbschaften und Schenkungen unterliegen zudem weiterhin der Meldepflicht beim Finanzamt. Bei Schenkungen naher Verwandter und Lebenspartner liegt die Grenze bei 50.000 Euro, bei Schenkungen fremder Personen bei 15.000 Euro innerhalb von fünf Jahren.

Umfrage: n = 500

Mehr Informationen: Erbschaftssteuer

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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