01.01.2020, 20:20 Uhr | von | Steuern

Die geplante Steuerreform der Regierung zwischen ÖVP und den Grünen ist eines der am häufigsten diskutierten Themen der Innenpolitik. In einer Umfrage von Finanz.at wurde erhoben, was sich die Bürgerinnen und Bürger von der neuen Bundesregierung und ihrer Steuerreform erwarten.

Steuerreform: Das erwarten sich die Österreicher von der neuen Regierung
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Umfrage: Was erwarten sich die Österreich von der neuen Regierung?

In einer exklusiven Umfrage von Finanz.at wurden die steuerlichen Erwartungen anhand der drei Kernthemen in den Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und Grünen erhoben und untersucht.

Die Steuerentlastung der Einkommen und die Senkung der Körperschaftsteuer waren Versprechungen der ÖVP, die vor den Neuwahlen in der Steuerreform für 2020 nicht mehr umgesetzt werden konnten. Finanz.at hat berichtet.

Einkommen steuerlich entlasten

Neben der Abschaffung der kalten Progression war auch die Entlastung des Faktors Arbeit immer wieder Thema in den Diskussionen zwischen den Parteien - besonders im Wahlkampf zur Nationalratswahl. Darüber, dass vor allem geringere Einkommen entlastet werden sollen, war man sich im Grunde immer einig.

So erklärten etwa die Grünen im Interview mit Finanz.at: "Klar ist, dass der Faktor Arbeit in Österreich viel zu hoch besteuert ist."

Die SPÖ pflichtet dieser Aussage bei:

"Alle internationalen Organisationen wie EU, IWF oder OECD sagen uns, dass wir bei den Steuern auf Arbeit zu hoch und bei jenen auf Vermögen und Kapital zu niedrig sind", erklärt Lukas Sapper (SPÖ) auf Anfrage der Redaktion.

Die NEOS sehen bei dieser Thematik besonders die kalte Progression als Dorn im Auge.

"Wichtig ist aber vor allem, dass unterem Strich die Steuerbelastung für die Österreicherinnen und Österreicher - also die Abgabenquote - am Ende niedriger ist als Heute. Sprich: deutlich unter 40 Prozent", so Clemens Gaiger (NEOS) im Interview mit Finanz.at. Laut NEOS sollte auch die Anzahl der Steuerarten überdacht werden.

Welche Einkommen sollen steuerlich entlastet werden?
Welche Einkommen sollen steuerlich entlastet werden?

Laut Umfrage sprechen sich 93,1 Prozent der Befragten für eine steuerliche Entlastung der Einkommen in Österreich aus. 65,5 Prozent geben an, dass alle Einkommen - unabhängig der Einkommenshöhe - entlastet werden müssen.

Etwas mehr als ein Viertel (27,6 Prozent) sehen eine Entlastung vor allem bei Geringverdienern angebracht. Nur 6,9 Prozent der Befragten geben an, dass steuerliche Entlastungen der Einkommen nicht notwendig wären.

Körperschaftsteuer

Die Körperschaftsteuer (KÖSt.) ist auch in den Koalitionsverhandlungen zwischen den Wahlsiegern ÖVP und Grünen ein viel diskutiertes Thema. Die Volkspartei hatte bereits vor der letzten Nationalratswahl versprochen, die Körperschaftsteuer im Zuge der Steuerreform senken zu wollen. Diese Maßnahmen wurde bislang noch nicht umgesetzt, soll aber in der kommenden Legislaturperiode durchgeführt werden.

Die Grünen haben bereits signalisiert, dass eine Senkung der Unternehmenssteuern - vor allem für Großkonzerne - nicht in Frage käme.

"Es braucht eine gemeinsame Bemessungsgrundlage in der Körperschaftsteuer in Verbindung mit Mindeststeuersätzen, damit das schädliche Steuerdumping endlich beendet wird und multinationale Konzerne keinen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren und mittleren Unternehmen haben", teilte Clara Schweighofer von den Grünen auf Anfrage von Finanz.at exklusiv mit.

Soll die Körperschaftsteuer gesenkt werden?
Soll die Körperschaftsteuer gesenkt werden?

Die Meinungen in der Bevölkerung halten sich beim Thema Körperschaftsteuer die Waage. 37,9 Prozent der Befragten sprechen sich für und 34,5 Prozent gegen eine Senkung der KÖSt. aus.

Der KÖSt. beziehungsweise Körperschaftsteuer unterliegen in Österreich alle juristischen Personen - also Unternehmen - und beträgt derzeit 25 Prozent.

CO2-Steuer

Ein ebenfalls heiß diskutiertes Thema der österreichischen Innenpolitik ist seit Jahren die CO2-Steuer. Derzeit stellt sich auch bei diesem Thema die Volkspartei unter Sebastian Kurz quer, denn man wolle "keine neuen Steuern einführen". Seit dem Wiedereinzug der Grünen in den Nationalrat und den anhaltenden Regierungsverhandlungen mit der ÖVP besteht jedoch die Möglichkeit, dass eine CO2-Steuer dennoch umgesetzt werden könnte.

Sie könnte jedoch auch zum größten Streitpunkt in den Koalitionsverhandlungen werden.

Die Grünen sind jedoch nicht die einzige Partei, die eine derartige Abgabe fordert. Auch SPÖ und NEOS treten für eine österreichweite CO2-Steuer ein.

"Im Bereich Verkehr würden wir uns hierzu eine CO2-Steuer wüschen, welche andere Steuern ablösen würde und somit treffsicherer wäre", teilt Clemens Gaiger (NEOS) auf Anfrage mit.

Soll in Österreich eine CO2-Steuer eingeführt werden?
Soll in Österreich eine CO2-Steuer eingeführt werden?

Immerhin halten 62,1 Prozent der Befragten in der Finanz.at-Umfrage eine CO2-Steuer in Österreich für notwendig.

Die Mehrheit von fast zwei Drittel aller Befragten spricht sich demnach für eine CO2-Abgabe aus. Noch im April 2019 - also vor der Nationalratswahl - zeichnete eine Umfrage der Unique Research im Auftrag von "profil" ein anderes Bild: Damals waren noch rund 50 Prozent der Österreich gegen eine derartige Abgabe.

Umfrage: n = 505

Mehr Informationen: Steuerreform

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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