10.12.2019, 12:30 Uhr | von | Steuern

Fast 70 Prozent der Österreicher finden das Steuersystem ungerecht. 9 Prozent sind der Meinung, dass sie zu viel Steuern bezahlen. Laut Umfrage sollen Geringverdiener entlastet werden und Großverdiener deutlich mehr Beitrag leisten.

Umfrage: 70% empfinden Österreichs Steuersystem als ungerecht
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Umfrage zum österreichischen Steuersystem

Wie gerecht ist das österreichische Steuersystem wirklich? Diese Frage wird vielfach in der Politik behandelt und diskutiert. Ebenso interresant ist dabei auch die Antwort auf die Frage: Wie empfinden sie ÖsterreicherInnen das Steuersystem eigentlich?

In einer exklusiven Umfrage von Finanz.at wurde ArbeitnehmerInnen und UnternehmerInnen im ganzen Land zu ihrer Meinung über die steuerliche Fairness befragt.

Österreicher finden Steuersystem ungerecht verteilt

69,8 Prozent der Befragten geben an, dass sie das derzeitige Steuersystem als ungerecht empfinden. Weitere 20,6 Prozent der Befragten antwortete auf die Frage, ob sie das Steuersystem als gerecht empfinden, mit "eher nein". Nur 9,5 Prozent beurteilen das System als fair.

Ist das österreichische Steuersystem gerecht?

Ist das österreichische Steuersystem gerecht?

Besonders die Meldungen über Steuerschlupflöcher und Steuervermeidung lassen bei Arbeitern, die ein oft nur über ein geringes bis mittleres Einkommen verfügen, die Wogen hoch gehen.

Erst Anfang Dezember wurde bekannt, dass sich Großkonzerne, wie Apple oder Amazon seit 2010 insgesamt rund 100 Milliarden US-Dollar an Steuern gespart haben sollen. Grund dafür seien komplexe Konstrukte zur Steuervermeidung, unter anderem in Luxemburg.

Auch die Bundesregierungen der letzten Jahre würden in dieser Hinsicht zu wenig unternehmen, um Schlupflöcher zu reduzieren und große Unternehmen zur Kasse zu bitten.

Steuerentlastung erwartet

In der Opposition ist man sich in Bezug auf Steuerentlastungen mit der designierten Regierungspartei ÖVP unterdessen einig: die kalte Progession muss abgeschafft und die Einkommensteuer gesenkt werden. Das erwartet sich auch die Mehrheit der Österreicher von der neuen Regierung, wie Finanz.at in einer exklusiven Umfrage erhoben hat.

Die Sozialdemokraten etwa fordern neben einer Millionärsabgabe auch die Reduktion der Besteuerung von Arbeit. Ein viel diskutierter Vorschlag dazu waren "1.700 Euro steuerfrei". Davon würden "Klein- und MittelverdienerInnen besonders profitieren", heißt es aus der SPÖ.

"80 Prozent davon kommen von den ArbeitnehmerInnen über Lohnsteuer, Mehrwertsteuer und diverse Verbrauchssteuern", erklärt Lukas Sapper (SPÖ) auf Anfrage von Finanz.at.

Daher sei es wichtig, die " Lohnsteuer zu senken und von Kapital- und Vermögen einen gerechteren Beitrag einzufordern."

Mehrheit zahlt zu viele Abgaben

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass sie der Meinung sind zu viel an Abgaben zu leisten. 88,9 Prozent der befragten Arbeitnehmer und Unternehmer finden, dass sie zu viel Steuern bezahlen.

Umfrage: Steuersystem Steuern

Sind Sie der Meinung, dass Sie zu viel Steuern bezahlen?

Lediglich 7,9 Prozent leisten ihrer Ansicht nach ausreichend oder zu wenig Abgaben an den Fiskus.

Großverdiener sollten mehr Beitrag leisten

42,9 Prozent sind der Meinung, jeder solle dieselbe Höhe an Steuern bezahlen. 55,6 Prozent hingegen wollen, dass Großverdiener mehr Abgaben leisten und damit eine höhere Steuerlast tragen sollten. Nur 1,6 Prozent der Befragten sieht bei den derzeitigen Steuerklassen keinen Handlungsbedarf.

Wer sollte die höchste Steuerlast tragen?
Wer sollte die höchste Steuerlast tragen?

Obwohl Österreich innerhalb der Europäischen Union eines der Länder mit dem höchsten Grenzsteuersatz (55 Prozent) ist, zahlen in den Augen der Österreicher große Unternehmen und Personen mit sehr hohen Einkommen zu wenig, wie diese Erhebung ergab. Einzig Schweden liegt innerhalb der EU mit einem Grenzsteuersatz von bis zu 65 Prozent noch höher.

Im OECD-Vergleich für 2019 wird Österreich mit einer Abgabenquote von 42,2 Prozent ebenfalls im Spitzenfeld der Industriestaaten gelistet. Dennoch tragen vor allen kleine und mittlere Einkommen in Summe die höchste Steuerlast.

Die Volkspartei hatte vor Beginn der Regierungsverhandlungen versprochen, man wolle die geplanten Maßnahmen der Steuerreform zur Senkung der Körperschaft- und Einkommensteuer in der nächsten Legislaturperiode endlich umsetzen. Ziel dabei sei "eine Senkung der Einkommensteuer in Richtung 40 Prozent", wie ÖVP-Parteiobmann Sebastian Kurz erklärt hat.

Umfrage: n = 512

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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UmfrageSteuersystemSteuernAbgabenquoteSteuerreform

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