16.01.2020, 09:45 Uhr | von | Steuern

Die Mehrheit der Österreicher ist grundsätzlich zufrieden und optimistisch, dass die geplante Steuerreform von ÖVP und Grünen bis 2022 eine Entlastung bringen wird. Bei der Senkung der Lohn- und Einkommensteuer ist man jedoch noch skeptisch.

Steuerreform von ÖVP und Grünen: Österreicher sind skeptisch, aber zufrieden
Bildquelle: Finanz.at | Umfrage zur Steuerreform 2022

Seit der Vorstellung des gemeinsamen Regierungsprogramms von ÖVP und Grünen ist auch die geplante Steuerreform bis 2022 bekannt. Darin enthalten sind neben Senkungen von Lohn- und Einkommensteuer unter anderem auch die Reduktion der Körperschaftsteuer, die Erhöhung des Familienbonus und wenig konkrete Maßnahmen zur Ökologisierung.

Im Rahmen einer Taskforce sollen die konkreten Maßnahmen der Steuerreform bis 2022 ausgearbeitet und letztlich in Umsetzung gebracht werden. Ab 2021 soll bereits die Senkung der Lohnsteuertarife in Kraft treten.

In einer Umfrage von Finanz.at wurde das Urteil der Österreicher über die bevorstehenden Reformen erfragt.

60 Prozent mit positivem Urteil

Insgesamt fällen die Österreicher ein positives Urteil über die geplante Steuerreform. Mit 25,4 Prozent ist befindet rund ein Viertel die Reform als "gut", und ein Drittel der Befragten (34,5 Prozent) als "befriedigend". Damit stehen die Österreicher den bisher bekanntgegebenen Maßnahmen optimistisch gegenüber.

Wie beurteilen Sie die geplante Steuerreform?

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Dennoch ist ein Drittel mit den geplanten Reformen bis 2022 nicht zufrieden.

Zu wenig Entlastung von geringen und mittleren Einkommen

Die Steuerreform sieht vor, bis 2022 die Lohn- und Einkommensteuer der untersten drei Steuertarife zu senken. Das betrifft Jahresbruttoeinkommen von 18.000 Euro bis 60.000 Euro. Dadurch würde der Großteil der Arbeitnehmer durch mehr Netto vom Brutto profitieren.

Wie hoch das Einkommen nach Senkung der Lohnsteuer ausfällt, kann mit dem Brutto Netto Rechner zur Steuerreform 2022 berechnet werden.

Senkung der Lohnsteuer

Senkung der Lohnsteuer

Immerhin 44 Prozent der Befragten geben an, dass diese Steuersenkungen die Einkommen ausreichend entlasten würden. Mehr als die Hälfte der Österreicher steht dem jedoch skeptisch gegenüber und fällt ein negatives Urteil. Einer der Hauptgründe dafür ist die weiterhin aufrechte kalte Progression, die laut Regierungsprogramm bisher nicht abgeschafft werden soll.

Die neue Lohnsteuertablle wird laut Regierungsprogramm wie folgt aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro 55 % 50 %

Auch der Spitzensteuersatz von 55 Prozent für Einkommen über einer Million Euro wird aktuell nicht verlängert und läuft daher 2020 aus. Das bedeutet, dass diese Einkommen künftig wieder mit 50 Prozent maximal besteuert werden. Finanz.at hat berichtet.

In einer Umfrage zum Jahreswechsel sprachen sich noch rund zwei Drittel der Österreicher für eine Entlastung aller Einkommen unabhängig von der derzeitigen Höhe aus.

Keine CO2-Steuer geplant

Dass im Regierungsprogramm die Einführung einer CO2-Steuer nicht enthalten ist, beurteilt mit 49,6 Prozent fast die Hälfte der Österreicher für gut. Zuvor war eine CO2-Abgabe als Bedingung der Grünen und möglicher Grund für ein Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP kolpotiert worden.

Ob im Rahmen der Ökologisierung der Steuerreform dennoch Abgaben in Zusammenhang mit CO2-Ausstößen für Autofahrer kommen werden, ist bislang noch unklar, jedoch sehr wahrscheinlich.

Im Programm ist keine CO2-Steuer geplant.

Im Programm ist keine CO2-Steuer geplant.

Durch die Neuberechnung der NoVA seit 01. Januar 2020 wurde die Normverbrauchsabgabe für die Zulassung von KFZ in Österreich bereits einigermaßen Ökologisiert. Für KFZ mit höherem CO2-Ausstoß fällt seither eine höhere NoVA an, als für CO2-arme Fahrzeuge. Auch die motorbezogene Versicherungssteuer wird am Oktober an die realistischen CO2-Werte angepasst. Finanz.at hat über die NoVA und KFZ-Steuer berichtet.

Auch die Pendlerpauschale und das Dieselprivileg könnten sehr wahrscheinlich durch die öko-soziale Steuerreform neu geregelt und somit für Autofahrer teurer werden.

Erhöhung des Familienbonus wird positiv angenommen

Um Familien noch besser zu entlasten, soll auch der Familienbonus von maximal 1.500 Euro bisher auf 1.750 Euro pro Jahr angehoben werden. Das Ziel der Bundesregierung von ÖVP und Grünen ist, die Kinderarmut in Österreich noch stärker zu bekämpfen.

Mehr als die Hälfte der Befragten (52,5 Prozent) sehen diese Maßnahme als ausreichend, um Familien zu entlasten. 38,4 Prozent der Österreicher finden, dass diese Entlastung noch zu wenig ist.

Finden Sie, dass Familien damit ausreichend entlastet werden?
Finden Sie, dass Familien damit ausreichend entlastet werden?

Seit 01. Januar 2020 kann der Familienbonus Plus erstmals über die Arbeitnehmerveranlagung beziehungsweise das Formular E30 rückwirkend für das Jahr 2019 beantragt werden.

Insgesamt sehen die Österreicher der geplanten Steuerreform bis 2022 positiv entgegen. 59,9 Prozent sind optimistisch, dass die bisher bekannten Maßnahmen eine deutliche Entlastung bringen werden.

Umfrage: n = 500

Mehr Informationen: Steuerreform

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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