02.01.2020, 06:00 Uhr | von | Steuern

Seit 01. Januar ist gelten in Österreich einige steuerliche Neuregelungen, die Entlastungen, Neuberechnungen und Steuererhöhungen mit sich bringen. Die Steuerreform 2020 soll unter anderem Geringverdiener und KMUs entlasten, sowie umwelt- und klimafreundlicher gestaltet sein. 

Steuerreform 2020 - Diese neuen Regelungen sind jetzt in Kraft
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Steuerreform bringt Entlastungen für Geringverdiener und Unternehmen

Ab 01. Januar 2020 treten in Österreich weitere Teile der Steuerreform in Kraft. Ab Juli 2020 gilt auch die Neuregelung der Finanzverwaltung.

Weitere Reformen, wie die Senkung der Lohn- und Einkommensteuer und die Reduktion von Unternehmensteuern (Körperschaftsteuer), könnten durch die neue Bundesregierung von ÖVP und Grünen ebenfalls umgesetzt werden. Ob im Jahr 2020 auch eine CO2-Steuer beschlossen werden wird, ist bislang unklar.

Steuerentlastungen ab 2020

Diese Steuerenlastungen gelten treten in Österreich ab 01. Januar 2020:

Kleinunternehmerregelung:

Für Kleinunternehmer wird die Umsatzgrenze von 30.000 Euro auf 35.000 Euro pro Jahr erhöht. Kleinunternehmer mit weniger als 35.000 Euro Umsatz sind damit von der Umsatzsteuer befreit. In der Einkommensteuer wird zudem eine neue Pauschalierung für Umsätze unter 35.000 Euro geschaffen.

Geringwertige Wirtschaftsgüter:

Die Grenze für sofort abschreibbare geringwertige Wirtschaftsgüter wird von 400 Euro auf 800 Euro erhöht. Danach soll sie schrittweise auf bis zu 1.000 Euro angehoben werden. Wirtschaftsgüter unter 800 Euro (Computer / PC, Notebooks, Smartphones, ...) können also sofort in der Arbeitnehmerveranlagung beziehungsweise der Einkommensteuererklärung abgeschrieben werden.

Verkehrsabsetzbetrag:

Der Verkehrsabsetzbetrag für Arbeitnehmer wird mit einem Zuschlag von 300 Euro bedacht, sofern das Einkommen im Kalenderjahr nicht höher ist, als 15.500 Euro. Zwischen einem Einkommen von 15.500 Euro und 21.500 Euro pro Jahr schleift sich dieser Betrag auf 0 Euro ein.

Sozialversicherungsbonus:

Der Sozialversicherungsbonus - also eine SV-Rückerstattung - wird für Arbeitnehmer, Pensionisten, Selbstständige und Landwirte in unterschiedlichen Höhen eingeführt. Arbeitnehmer mit geringen Einkommen können bis zu 300 Euro an SV-Bonus erhalten, Pensionisten sogar 430 Euro. Bei Unternehmern und Bauern kann die Rückerstattung bis zu 371 Euro pro Jahr betragen.

Unabhängig vom Einkommen wird für sie die Senkung der allgemeinen Krankenversicherungsbeiträge mit auf 0,85 Prozent gelten. Für Arbeitnehmer und Pensionisten gilt diese Regelung zwar bereits ab 2020, sie kann jedoch erst ab 2021 rückwirkend ausbezahlt werden. Damit werden alljene Einkommen entlastet, die über der Geringfügigkeitsgrenze und unter 22.600 Euro jährlich liegen.

Pensionserhöhung:

Pensionen bis 1.111 Euro brutto pro Monat werden um insgesamt 3,6 Prozent erhöht. Für Pensionisten mit einem monatlichen Bruttoeinkommen über 1.111 Euro schleift sich die Pensionsanpassung und -Erhöhung bis zur Höhe von 2.500 Euro auf den Inflationswert von 1,8 Prozentpunkte ein. Der gesetzliche Anpassungsfaktor von 1,8 Prozent wird auch auf alle übrigen Pensionen entfallen.

Pensionisten mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 5.220 Euro oder mehr erhalten eine Deckelung der Anpassung von 94 Euro. Zusätzlich zur Pensionserhöhung wurde auch die Ausgleichszulage für Ehepaare angehoben. Ab 2020 beträgt diese 1.472 Euro statt bisher 1.398,97 Euro.

NoVA:

Die Normverbrauchsabgabe wird durch eine neue Regelung für emissionsarme KFZ begünstigt. Fahrzeuge mit hohen CO2-Emissionen werden künftig mit einem Malusbetrag schlechtergestellt. Die NoVA wird dabei an den CO2-Wert aus dem WLTP-Verfahren angepasst.

Die Neuregelung der NoVA bringt auch viel Kritik mit sich. Der WWF Österreich etwa sieht die Änderung der Normverbrauchsabgabe als "zu kurz gedacht".

"Als Anreiz und zur sozialen Abfederung schlagen wir daher zum Beispiel für alle Haushalte einen Klimabonus vor, der aus einer sozial und wirtschaftlich gerechten CO2-Bepreisung finanziert wird", teilte Mag. Volker Hollenstein (WWF) auf exklusiver Anfrage von Finanz.at mit. "Neben einer jährlichen Klimaschutz-Milliarde braucht es dafür vor allem eine umfassende öko-soziale Steuerreform."

Motorbezogene Versicherungssteuer:

Auch die motorbezogene Versicherungssteuer - kurz KFZ-Steuer genannt - wird an den CO2-Wert des Fahrzeugs angepasst. CO2-ärmere PKW und Motorräder sollen so steuerlich begünstigt werden.

Umsatzsteuer auf E-Books:

Im Steuerreformgesetz 2020 ist ebenfalls die Senkung der Umsatzsteuer auf E-Books auf 10 Prozent beschlossen und geregelt.

Erneuerbare Energie:

Die Steuern für die Erzeugung von umweltfreundlichem Ökostrom durch Photovoltaik-Anlagen, Biogas oder Wasserstoff werden für private Haushalte begünstigt.

Pflegeregress:

Die Bundesländer erhalten einen vollständigen Kostenersatz durch den Bund für die Abschaffung des Pflegeregresses. Dieser Kostenersatz gilt für die Jahre 2019 und 2020.

Steuererhöhungen ab 2020

Neben den Entlastungen gibt es im Zuge der Steuerreform ab 2020 auf Erhöhungen:

Umsatzsteuer auf Online-Einkäufe:

Die Umsatzsteuerbefreiung auf Online-Einkäufe unter 22 Euro soll ab 2020 fallen - ein genaues Datum, ab wann die Regelung in Kraft treten wird steht jedoch noch aus. Damit sind auch diese Einkäufe umsatzsteuerpflichtig.

Tabaksteuer:

Die Tabaksteuer wird ab Januar 2020 ebenfalls neuerlich erhöht.

Digitalsteuer - Online-Werbeabgabe:

Eine Online-Werbeabgabe wird gelten, die dem Staat jährlich rund 30 Millionen Euro einbringen soll. Österreich setzt damit auf einen Alleingang beim Thema Digitalsteuer, nachdem sich die Europäische Union zunächst nicht auf eine einheitliche Lösung einigen konnte.

Änderungen der Steuergesetze

Insgesamt sind folgende Steuergesetze von der Reform betroffen:

  • Einkommensteuergesetzes 1988
  • Körperschaftsteuergesetzes 1988
  • Umgründungssteuergesetzes
  • Umsatzsteuergesetzes 1994
  • Gebühren gesetzes 1957
  • Grunderwerbsteuer gesetzes 1987
  • Versicherungssteuergesetzes 1953
  • Kraftfahrzeugsteuergesetzes 1992
  • Elektrizitätsabgabegesetzes
  • Erdgas abgabegesetzes
  • Energieabgabenvergütungsgesetzes
  • Normverbrauchsabgabegesetzes 1991
  • Kommunalsteuer gesetzes 1993
  • Änderung der Bundesabgabenordnung
  • Bundesfinanzgericht sgesetzes
  • EU-Amtshilfegesetzes
  • Amtshilfe-Durchführungsgesetzes
  • Alkoholsteuergesetzes
  • Biersteuergesetzes 1995
  • Tabaksteuergesetzes 1995
  • Mineralölsteuer gesetzes 1995
  • Tabakmonopolgesetzes 1996
  • Punzierungsgesetzes 2000
  • Wohnbauförderung sbeitragsgesetzes 2018

Familienbonus Plus erstmals rückwirkend möglich

Ab 2020 können Arbeitnehmer, die Familienbeihilfe beziehen beziehungsweise im Jahr 2019 bezogen haben, den Familienbonus Plus erstmals rückwirkend ausbezahlt bekommen.

Wurde länger als sechs Monate im Jahr 2019 Familienbeihilfe bezogen, kann die Steuerentlastung von bis zu 1.500 Euro beantragt werden.

Gegenfinanzierungen

Die Gegenfinanzierung der steuerlichen Entlastungen beträgt derzeit rund 414 Millionen Euro für die sogenannte "Entlastungs-Milliarde". Durch die Umsatzsteuer auf Online-Einkäufe, die bisher für Käufe unter 22 Euro nicht angefallen war, können etwa 150 Millionen Euro refinanziert werden.

Die Erhöhung der Tabaksteuer ab 2020 bringt weitere 26 Millionen Euro, die neue Werbeabgabe auf Online-Werbung weitere 30 Millionen Euro pro Jahr.

Noch nicht umgesetzt wurden bisher die geplanten Maßnahmen zur Neuregelung der Einkommensteuer und der Körperschaftsteuer (KÖSt.). Diese könnten - sofern sich die möglichen Koalitionspartner ÖVP und Grüne einig werden - im Regierungsübereinkommen beschlossen und dem Nationalrat vorgelegt werden.

Finanzverwaltung wird ab Juli 2020 neu geregelt

Ab 01. Juli 2020 soll auch die beschlossene Neuregelung der österreichischen Finanzverwaltung in Kraft treten. Diese sieht eine Konsolidierung der Aufgaben der Finanzämter auf zwei Abgabebehörden mit bundesweiter Zuständigkeit vor.

Die derzeit 40 Finanzämter werden durch zwei bundesweiten Behörden, das " Finanzamt Österreich" und das "Finanzamt für Großbetriebe", ersetzt.

Zudem werden die aktuell neun bestehenden Zollämter zum gemeinsamen "Zollamt Österreich" zusammengefasst. Auch die Aufgaben der Steuerfahndung, der Finanzpolizei und der Finanzstrafbehörde werden ab 2020 in einem "Amt für Betrugsbekämpfung" zusammengeschlossen.

Mehr Informationen: Steuerreform

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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