21.07.2020, 15:30 Uhr | von | Wirtschaft
Ungewöhnliche Deals: Das Geschäft mit der Schutzmaske
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Deals mit Schutzmasken

Die Maskenpflicht im Zuge der Corona-Pandemie machte einige Unternehmen und Händler für medizinische Schutzausrüstung durch ungewöhnliche Deals sehr reich. Der Ankauf von Schutzmasken lief dabei in vielen Fällen heimlich und teilweise eher kurios ab.

Zu Beginn der Corona-Pandemie war der Run auf die Schutzausrüstung weltweit groß. Regierungen versuchten im Alleingang Schutzmasken und medizinischen Equipment anzuschaffen. Die Anlieferung wurde von Politikern auch in Österreich medial heroisch in Szene gesetzt. Mit dem Ende des Lockdowns und damit auch der generellen Maskenpflicht sank die Nachfrage nach Schutzmasken rapide.

Die am Dienstag von der Bundesregierung verkündeten Maßnahmen und die Wiedereinführung der Maskenpflicht u.a. in Supermärkten, Bank- und Postfilialen in Österreich könnte nun zu einem neuerlichen Ansturm auf Schutzausrüstung führen. Dabei läuft die Anschaffung von Masken, Kittel und Handschuhen in manchen Fällen eher ungewöhnlich ab.

"Ungewöhnliche" Ankäufe

Die Recherche-Plattform Addendum hat die öffentlich-einsehbaren Daten zu Auftragsvergaben der öffentlichen Hand ausgewertet und einige eher "ungewöhnliche" Deals entdeckt.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich unter den Unternehmen, bei denen Bund und Länder medizinische Schutzausrüstung in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie erworben hatten, auch Unternehmensberater mit politischer Nähe zu diversen Parteien, Karosseriehändler, internationale Handelsunternehmen aus Dubai, eine Werbeagentur und sogar ein Waffenshop finden.

Auch Geschäfte mit Privatkunden florieren

Neben den Zulieferungen an offizielle Stellen, scheint auch das Privatkundengeschäft während der Maskenpflicht in Österreich sehr lukrativ gewesen zu sein. Binnen kürzester Zeit wurden zwei Maskengeschäfte direkt auf der Mariahilfer-Straße in Wien eröffnet. Die Betreiber hatten zum damaligen Zeitpunkt ebenfalls ein Naheverhältnis zur Politik.

Mittlerweile wurden die Maskenläden wieder geschlossen. Auch eine Razzia durch die Polizei fand wegen Betrugsverdacht statt (es gilt die Unschuldsvermutung). Vor der bundesweiten Maskenpflicht wurde an dieser Stellen jedenfalls ein Handygeschäft betrieben.

Mehr als 20 Euro pro Maske im Online-Handel

Bereits Anfang März wurden erste Geschichten von Online-Händlern bekannt, die die Gunst der Stunde nutzten und Schutzmaske aus China zu günstigen Preisen ein und völlig überteuert in Deutschland und Österreich verkauften.

Das Magazin Bento berichtete etwa über einen 24-Jährigen aus Sandhausen, der seinen Scherzartikel- und Kostümshop kurzerhand zu einem Online-Shop für Schutzmasken umgebaut hatte. Nach eigenen Angaben kaufte er Atemschutzmasken unterschiedlicher Güteklassen in China für unter 60 Cent ein und vertrieb diese für bis zu 20 Euro weiter. Anfragen seien zu zehntausenden eingelangt - auch von Gemeinden und offiziellen Stellen. Erst danach stellte sich bei vielen vergleichbaren Händlern heraus, dass die Masken nicht annähernd die notwendigen Qualitätsstandards erfüllten. Einige waren sogar bereits von Schimmelpilzen befallen.

Aktuell werden FFP-2-Masken bei chinesischen Großhändler für 0,30 bis 0,40 Euro gehandelt. Steigt die Nachfrage aufgrund der ausgeweiteten Maskenpflicht in mehreren Ländern wieder an, könnte auch der Herstellerpreis wieder zunehmen. Besonders im Herbst dürfte ein Preisanstieg wieder zu erwarten sein.

In Österreich verkauften Händler ihre Masken in großen Mengen auch über Plattformen, wie Willhaben oder EBay-Kleinanzeigen. Laut Informationen der Verkäufer sollen sich sogar darüber Bürgermeister, Gemeindevertreter und sogar Ministerien gemeldet haben.

Einige Unternehmen reagierten auf diese Situation. Amazon beispielsweise hat Händler, die derartige Produkte zu völlig überteuerten Preisen angeboten haben, von seiner Plattform gesperrt und Google schränkte Werbeanzeigen zu Schutzausrüstung drastisch ein.

Millionen-Deal in Oberösterreich

Spätestens seit Bekanntwerden des Deals zwischen der Oberösterreichischen Gesundheitsholding und einem der ÖVP nahestehenden Geschäftsmann - er war auch als Wahlkampfmanager tätig - von mehr als 4,5 Millionen Euro für Schutzausrüstung ist der Aufschrei nach möglicher "Freunderlwirtschaft" groß. Besonders, da von jenem Unternehmer zuvor keinerlei Erfahrungen in der Zulieferung von Gesundheitsmaterial öffentlich bekannt gewesen sind.

Der Ankauf des Landes Oberösterreich umfasste mehrere Millionen OP-Handschuhe, Mund-Nasen-Schutzmasken und medizinische Schutzkittel. Kurios ist jedenfalls die kurzfristige Gründung der GmbH und das fast sechs Mal teurere Angebot gegenüber dem Wettbewerb. So soll der günstigste Anbieter im Rennen um den Auftrag der OÖ Gesundheitsholding beispielsweise 1,20 Euro pro Schutzkittel verlangt haben, den Zuschlag erhielt jedoch das Angebot des ÖVP-Geschäftsmannes mit 7,70 Euro pro Kittel.

Geheime Deals und die Verschwiegenheitspflicht

In vielen Fällen werden derartige Deals zwischen offiziellen Stellen und Lieferanten jedoch streng vertraulich behandelt und daher nicht veröffentlicht. Auch die Betreiber der Plattform offenevergaben.at kritisieren dieses Vorgehen. Es gäbe offenbar eine Verschwiegenheitspflicht, die einzuhalten ist. Nicht nur, dass bei diesen nicht-öffentlichen Ankäufen die jeweils involvierten Parteien geheim gehalten werden, auch die dafür gezahlte Summe wird nicht bekanntgegeben. Damit bleibt der fade Beigeschmack, dass es bei einigen Deals in Zusammenhang mit medizinischer Schutzausrüstung etwas zu verheimlichen gäbe.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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