06.10.2019, 23:46 Uhr | von | Wirtschaft

Vor allem lange Wartezeiten und die immer kleiner werdende Anzahl an Kassenärzten sind die Gründe, warum immer mehr Österreicherinnen und Österreicher eine private Zusatzkrankenversicherung abschließen.

Rund 3,1 Millionen Österreicher sind bereits zusatzversichert
Bild: pixabay.com / jarmoluk

Will man sich heutzutage einen Termin bei einem Kassenarzt ausmachen, etwa weil man ein akutes Problem hat, so wird einem oft mitgeteilt, dass man sich auf paar Wochen Wartezeit auf einen Termin gefasst machen kann. Für viele Patienten stellt dies ein Problem dar. Schafft man es nämlich nicht, terminlich eingeschoben zu werden, versuchen es viele in einer Ambulanz eines Spitales.

In den Ambulanzen verzeichnen die Angestellten einen höheren Andrang und bemerken, dass viele Menschen lieber gleich eine Ambulanz aufsuchen, anstatt zu einem Facharzt zu gehen. Ein Grund hierfür ist aber neben der oftmals langen Wartezeit auf einen Termin auch, dass viele Fachärzte in letzter Zeit zu Wahlärzten geworden sind. Dies wiederum hat zur Folge, dass sich viele den Tarif des Arztes nicht mehr leisten wollen oder können.

Vor allem im Versicherungswesen ist diese Entwicklung deutlich spürbar. Versicherungen können in den letzten Jahren nämlich einen deutlichen Zuwachs an privaten Krankenversicherungen beobachten. Das Prämienvolumen etwa ist im Jahre 2018 auf 2,2 Milliarden Euro gestiegen. Im Jahre 2015 lag dies noch bei rund 1,9 Milliarden Euro.

Steigende Kosten bei Wahlärzten

Die Kosten für Wahlärzte sind von 2010 bis 2017 um insgesamt 48 Prozent gestiegen, berichtet die Wiener Städtische. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel jedoch nur einen Teil des zu zahlenden Honorars. Den Rest bezahlt in weiterer Folge die Versicherung. Um die Leistung jedoch auch von der Versicherung zu bekommen, müssen Patienten ihre Rechnung nicht nur bei der Krankenkasse, sondern auch bei betreffenden Versicherungsunternehmen einreichen. Dies ist wiederum ein Umstand, der bei vielen Leuten – gerade in Zeiten der vermehrten Digitalisierung – nicht verstanden wird. Um das Einreichen bei beiden Stellen kommen Patienten jedoch nicht herum. Wird eine Arztrechnung nämlich nur beim Versicherungsunternehmen, jedoch nicht bei der zuständigen Krankenkasse eingereicht, übernimmt dieses nämlich nur einen Teil der Kosten.

Ein weiterer Anreiz und Grund für die steigende Zahl von privaten Krankenversicherungen ist der Umstand, dass man sich so mehr Geld zurückholen kann, als man von der Krankenkasse alleine bekommen würde.

Gründe für eine private Krankenversicherung: Schnellere Termin und freie Arztwahl

Einer Umfrage der Wiener Städtischen Versicherung zufolge, erkennen in etwa 90 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, dass ein Trend zu mehr Wahlärzten und weniger Kassenärzten vorherrscht. Zu den wichtigsten Punkten, die für die Befragten als Gründe für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung gehören, sind etwa die freie Arztwahl, aber auch kürzere Wartezeiten beim Arzt, schnellere Termine oder aber auch die Kostenübernahme bei Wahlärzten.

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

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