14.01.2020, 12:30 Uhr | von | Arbeitnehmer
Reportage

Die Pendlerpauschale soll durch die geplante Steuerreform bis 2022 ökologisiert und neu geregelt werden. Derzeit profitieren davon rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer. Was könnte die Reform für Pendler bedeuten?

Pendlerpauschale: Das wird sich für Pendler in Österreich ändern
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Pendler in Österreich

Im Zuge der geplanten Steuerreform von ÖVP und Grünen soll auch die Pendlerpauschale ökologisiert und damit neu geregelt werden. Ob das Autofahren in Österreich dadurch für Pendler teurer wird, ist bisher noch unklar.

Regierungsprogramm sieht Ökologisierung vor

Die Steuerreform, die bis 2022 durch eine Taskforce ausgearbeitet werden soll, wird öko-sozial ausgestaltet und damit umweltschädliches Verhalten mehr belasten. Das wird auch die Pendler in Österreich treffen - Verbrennungsmotoren zählen immerhin zu den Klimasündern. Werner Kogler gab im Rahmen des Bundeskongress unter anderem bekannt, dass beispielsweise "das Fahren von SUVs teurer werden wird".

Wird die Pendlerpauschale letztlich gesenkt beziehungsweise längere Strecken für Pendler teurer, so könnte das Arbeitnehmer finanziell hart treffen. Besonders in den ländlichen Regionen in Ostösterreich sind viele Arbeitnehmer auf einen PKW angewiesen. Nicht zuletzt wegen der oftmals schlechte oder fehlenden öffentlichen Verkehrsmittel.

Laut Experten wird eine Neuregelung der Pendlerpauschale nur mit einem zugleichen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und damit einem besseren Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln - Bus oder Bahn - für eben diese Regionen möglich sein.

Zuvor wurde im Zuge der Steuerreform 2020 bereits die NoVA auf ein realistischeres Messverfahren und damit auf eine an die Umweltverträglichkeit gekoppelte Berechnung optimiert.

Abschaffung unrealistisch

Eine gänzliche Abschaffung der Pendlerpauschale ist laut Experten unrealistisch. Kritiker sehen zwar weiterhin eine Förderung von Autofahrern, die damit das Klima und die Umwelt belasten würden, dennoch wird es weiterhin eine Unterstützung für Pendler geben. Fraglich ist nur, ob die Höhe so verändert wird, dass Arbeitnehmern letztlich weniger vom steuerlichen Freibetrag übrig bleiben wird.

Osten pendeln am meisten

Die "Agenda Austria" hat die Pendlerpauschale je Bundesland und Arbeitnehmer anhand der Daten für das Jahr 2018 errechnet.

Im Osten Österreichs pendeln Arbeitnehmer am häufigsten. Mit einem Gesamtvolumen von 367 Millionen Euro pro Jahr führt Niederösterreich die Liste der Bundesländer an, gefolgt von Oberösterreich und der Steiermark.

Bundesland Pendlerpauschale gesamt je Arbeitnehmer
Niederösterreich 367 Millionen Euro 444 Euro
Oberösterreich 251 Millionen Euro 332 Euro
Steiermark 201 Millionen Euro 326 Euro
Burgenland 113 Millionen Euro 819 Euro
Kärnten 81 Millionen Euro 306 Euro
Wien 76 Millionen Euro 84 Euro
Tirol 72 Millionen Euro 178 Euro
Salzburg 55 Millionen Euro 187 Euro
Vorarlberg 30 Millionen Euro 156 Euro

Quelle: agenda-austria.at

Pro Jahr ergibt sich daraus österreichweit eine Summe von 1,3 Milliarden Euro für die Pendlerpauschale.

1,3 Millionen Arbeitnehmer profitieren

Von der Pendlerpauschale haben im Jahr 2018 insgesamt 1,3 Millionen Arbeitnehmer profitiert. Am häufigsten wurde dabei die große Pendlerpauschale ausbezahlt.

Ab wann ein Anspruch für Pendler besteht:

Anspruch auf die Pendlerpauschle besteht derzeit, wenn:

  • die Zumutbarkeit der Benützung von öffentlichen Verkehrsmittel nicht vorliegt,
  • und/oder die Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsstätte über 20km beträgt.

Kleine Pendlerpauschale

Die verschiedenen Stufen der kleinen Pendlerpauschale inklusive monatlicher und jährlicher Beträge pro Pendlerstufe betragen:

Entfernung Betrag pro Monat Jahresbetrag
bei mind. 20 km bis 40 km 58,00 Euro 696,00 Euro
bei mehr als 40 km bis 60 km 113,00 Euro 1.356,00 Euro
bei mehr als 60 km 168,00 Euro 2.016,00 Euro

Große Pendlerpauschale

Die große Pendlerpauschale steht Arbeitnehmern zu, wenn die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel unzumutbar ist. Sie resultiert je Distanz zwischen Wohnort und Arbeitsstätte in folgenden Beträgen:

Entfernung Betrag pro Monat Jahresbetrag
bei mind. 2 km bis 20 km 31,00 € 372,00 €
bei mehr als 20 km bis 40 km 123,00 € 1.476,00 €
bei mehr als 40 km bis 60 km 214,00 € 2.568,00 €
bei mehr als 60 km 306,00 € 3.672,00 €

Beantragt werden kann die Pendlerpauschale über das dafür vorgesehene Formular bzw. den Lohnsteuerausgleich jährlich oder im Zuge der Lohnverrechnung über den Arbeitgeber pro Monat.

Mehr Informationen: Pendlerpauschale

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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