Koalition aus ÖVP und Grünen könnte deutliche Steuerentlastung für Arbeitnehmer bringen

30.09.2019, 15:00 Uhr | von | Steuern

Die ÖVP und die Grünen gehen aus der Nationalratswahl am Sonntag als klare Sieger hervor. Laut Experten ist eine schwarz-grüne Koalition daher nicht unwahrscheinlich. Wie könnte aber eine gemeinsame Steuerreform dieser beiden Parteien in einer Bundesregierung aussehen?

Koalition aus ÖVP und Grünen könnte deutliche Steuerentlastung für Arbeitnehmer bringen
Bild: pixabay.com / domeckopol

Wien - Nach der Wahl am Sonntag steht die ÖVP unter Sebastian Kurz als klarer Gewinner mit rund 37 Prozent der Stimmen fest. Aber auch die Grünen schaffen nach ihrem Ausscheiden aus dem Nationalrat 2017 einen fulminanten Wiedereinzug in das Parlament. Durch die großen Zugewinne der beiden Wahlsieger und der herben Verluste der SPÖ und der FPÖ könnte sich also eine schwarz-grüne Koalition für eine einfache Mehrheit im Nationalrat ausgehen. Die ÖVP lässt sich auf diese Koalitionsdebatten aktuell noch nicht ein und hält sich alle Optionen vorerst offen.

Für viele Polit-Experten und -Beobachter stehen die Zeichen dennoch eher auf Schwarz-Grün. Das könnte für Arbeitnehmer in Österreich deutliche Steuerentlastungen bringen, sind doch die Grünen in ihrer ökosozialen Steuerreform ganz klar für eine Entlastung des Faktors Arbeit.

Steuerstätze für niedrige und mittlere Einkommen senken

Die ÖVP unter Sebastian Kurz hat im Wahlkampf bereits angekündigt, die progessiven Steuerklassen in Österreich deutlich senken zu wollen. Davon sollen die untersten Steuerstufen betroffen sein und somit vor allem Geringverdiener und die Mittelschicht profitieren. Die neue Einkommensteuertabelle würde laut ÖVP so aussehen:

Einkommen (von) Einkommen (bis) Steuersatz (aktuell) Steuersatz (neu)
0 Euro 11.000 Euro 0 % 0 %
11.000 Euro 18.000 Euro 25 % 20 %
18.000 Euro 31.000 Euro 35 % 30 %
31.000 Euro 60.000 Euro 42 % 40 %
60.000 Euro 90.000 Euro 48 % 48 %
90.000 Euro 1.000.000 Euro 50 % 50 %
1.000.000 Euro 55 % 55 %

Man möchte also, wie Sebastian Kurz in einem TV-Duell vor der Wahl bereits mitteilte, die Steuerlast auf Jahreseinkommen zwischen 11.000 Euro und 60.000 Euro brutto reduzieren. Konkret würde das bedeuten, dass bei Einkommen zwischen 11.000 Euro und 18.000 Euro nur noch 20 statt der bisherigen 25 Prozent an Einkommensteuer zu entrichten wäre. Einkommen zwischen 18.000 und 31.000 Euro würden nur noch mit 30 Prozent besteuert werden (aktuell sind es 35 Prozent). Für Personen mit einem Einkommen von 31.000 Euro bis 60.000 Euro würde die Steuerbelastung immerhin noch um zwei Prozent (von 42 auf 40 Prozent) gesenkt werden.

Laut Bundesfinanzministerium (BMF) würden davon immerhin rund 4,5 Millionen Personen in Österreich profitieren.

Steuerstufen Personen
1. Stufe 2.600.000 Personen
2. Stufe 1.400.000 Personen
3. Stufe 2.000.000 Personen
4. Stufe 1.100.000 Personen
5. Stufe 190.000 Personen
6. Stufe 110.000 Personen
7. Stufe 440 Personen

Uneinigkeit bei Unternehmenssteuern

Trotz der Einigkeit über die Enlastung des Faktors Arbeit, gibt es eine Vielzahl an deutlichen Unterschieden in den Steuerprogrammen zwischen Volkspartei und Grünen. Dazu gehört neben der CO2-Steuer, die von Grünen-Spitzenkandidat Werner Kogler als notwendig für das Erreichen der Klimaziele gesehen wird, auch das Thema Unternehmenssteuern, wie etwa die Kapitalertragssteuer.

Ob es letztlich also zu einer Koalition zwischen ÖVP und Grünen kommen wird, hängt von den nächsten Wochen und den stattfindenden Koalitionsverhandlungen ab. Sebastian Kurz hatte sich alle Optionen offen gelassen und will jede der gewählten Parteien zu Gesprächen einladen.

Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
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Bio: Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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