05.10.2019, 08:43 Uhr | von | Börse

Seit dem Bombenanschlag auf die saudischen Ölförderanlagen am 14. September fehlen jeden Tag 5,7 Millionen Barrel Rohöl. Saudi-Arabien verliert auf diesem Weg gut fünfzig Prozent seiner täglichen Fördermenge. Am Freitag ist der Ölpreis nach stetigem Auf und Ab erneut gefallen.

Ölpreis nach kurzem Anstieg wieder gefallen
Bild: pixabay.com / drpepperscott230

Trotz der Reduzierung der Ölförderung stieg der Preis für den Barrel kurzfristig von 55 auf 63 Dollar. Auch wenn die Raketen massive Zerstörungen anrichteten, die Saudis bauten ihre Förderanlagen wie von Geisterhand wieder auf. Sie verblüfften so auch die Beobachter, die mit einem erheblich längeren Aktivierungszeitraum gerechnet hatten. Die Saudis verschafften dem Markt auf diesem Weg die dringende Luft, die er benötigt. So erreichten sie auch, dass sich das Angebot auf dem Ölmarkt schnell wieder erholen konnte. Das ergibt sich aus dem Chat, der auch den aktuellen Ölpreis abbildet. Leider konnten sich alle Kritiker überzeugt werden. So kletterte der alte Preis pro Barrel nicht überall wieder auf seine alten Stand. Im Gegenteil. Er fällt an einigen Börsen.

WTI-Ölpreis deutlich gesunken

Der WTI-Ölpreis ist beispielsweise in den letzten Tagen durchschnittlich von 55 Dollar auf 52,60 Dollar gesunken. Doch wie konnte es trotz der massiven Anstrengungen der Saudis zu diesen negativen Entwicklungen kommen? Primär trägt dazu der ISM-Index für das Gewerbe bei, der in New York für die Vereinigten Staaten veröffentlicht wird. Seine Bekanntgabe dokumentiert die schlechte Konjunktur innerhalb der USA. Kurz darauf folgt der ISM-Index für Dienstleistungen. Auch auf ihn richten sich die Blicke der Experten. Seine Aussagekraft beeinflusst zudem maßgeblich den aktuellen Ölpreis.

Leider zeichnet sich hier für den vergangenen September ein Markteinbruch ab. Diese Tatsache ist deshalb problematisch, da der Dienstleistungssektor für die amerikanische Wirtschaft bedeutend prägnanter ist als der Produktionssektor. Die Befürchtungen der Wirtschaftskapitäne, dass sich die Schwächen des Produktionssektors auf die Dienstleistungen auswirken, werden somit bestätigt. Die für diese Betrachtungen maßgeblichen Veröffentlichungen stammen vom Institute of Supply Management und erfolgen monatlich.

Politische Einflüsse

Aber durch welche politischen Probleme und wirtschaftlichen Parameter wird der Ölpreis trotzdem gedämpft? Die kritische Situation zwischen den Saudis und Houthis entspannt sich zwar. Das bedeutet jedoch nicht, dass weitere Angriff auf die Ölförderanlagen ausgeschlossen werden können.

Diese Entwicklungen zeichnen sich primär auf dem Ölmarkt ab. Bei Eröffnung der Börse lag der Preis für einen Barrel, d. h. 159 Liter, der Nordseesorte Brent bei 58,01 US-Dollar. Damit verloren die Verkäufer pro Einheit 30 Cent. Hingegen konnten die Anbieter der Sorte West Texas Intermediate einen Gewinn pro Barrel von 32 Cent innerhalb eines Tages verbuchen. Sie bekamen 52,77 Dollar.

Dieses Auf- und Ab der Konjunktur innerhalb der Vereinigten Staaten beruht auch auf der Innenpolitik des Landes, die sich auf die Außenpolitik und somit auf die Wirtschaft auswirkt. Viele beunruhigt die Haltung des gegenwärtigen Präsidenten Donald Trump, dem ein Amtsenthebungsverfahren droht. Wer wird der neue Präsident? Was kann die Welt von ihm erwarten? Über die Unruhen in Hong Kong bis zum Brexit kommen fast nur negative Nachrichten, die zu steigenden Verunsicherungen führen. Außerdem ergeben sich fortlaufend Konflikte innerhalb des internationalen Handels. Diese ungünstigen Prognosen reduzieren die Nachfrage nach Dienstleistungen und Produkten. Daraus wiederum resultiert die verringerte Nachfrage nach Erdöl.

Mehr Informationen: Ölpreis

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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ÖlpreisÖlSaudi ArabienRohöl

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