04.02.2020, 10:00 Uhr | von | Steuern

Die Steuerreform sieht zwar eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer vor, jedoch profitieren laut einer Studie der GAW davon nur mittlere und hohe Einkommen. Ärmere Haushalte, die keine oder sehr wenig Lohnsteuer bezahlen, werden kaum entlastet.

Niedrige Einkommen profitieren kaum von Steuerreform
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Umfrage zum österreichischen Steuersystem

Die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) sieht in einer Analyse der Steuerreformpläne der türkis-grünen Bundesregierung nur wenig Entlastung für ärmere Haushalte. Das Einkommen sei demnach bei vielen Haushalte so gering, dass bereits jetzt keine Einkommensteuer entrichten. Daher würden sie auch nicht von einer Senkung der Lohn- und Einkommensteuer profitieren können. Empfohlen wird daher seitens GAW eine erhöhte Negativsteuer.

Die Analyse ergibt, dass die ärmsten zehn Prozent der Haushalte in Österreich nur durch ein Einkommensplus von 11 Euro pro Person und Jahr profitieren würden. Dadurch, dass diese Personen und Haushalte ohnehin keine Lohn- oder Einkommensteuer abführen, können auch eine Anhebung des Grundfreibetrags oder des Familienbonus für Haushalte mit Kindern keine Vorteile herbeiführen.

Lediglich eine Erhöhung der Negativsteuer könnte einkommensschwache Personen, die keine oder sehr wenig Lohnsteuer entrichten müssen, entlasten.

„Negativsteuer erhöhen“

Ein Vorschlag, den GAW-Forscher Friedrich Schneider formuliert hat, wäre, den Eingangssteuersatz nur auf 22 statt wie geplant auf 20 Prozent zu senken. Im Gegenzug wird der Maximalbetrag der Negativsteuer von derzeit 700 Euro auf 1.500 Euro pro Jahr erhöht. Dadurch würden auch niedrige Einkommen mehr profitieren.

Am meisten sollen laut Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung die mittleren und höheren Einkommensschichten von der Steuerreform profitieren. Bei niedrigen Einkommen profitieren Alleinerzieherinnen und Alleinerzieher durch die Anhebung des Kindermehrbetrags am meisten.

Mindestlohn zu teuer

Ein Mindestlohn von beispielsweise 1.700 Euro pro Monat könnte die Entlastung der ärmeren Haushalte ebenso erreichen, würde jedoch deutlich teurer werden. Experten rechne mit Mehrkosten von 4,1 Milliarden Euro im Gegensatz zu den derzeitigen Plänen der Bundesregierung.

(APA / Redaktion)

Mehr Informationen: Steuerreform

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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