10.10.2019, 10:30 Uhr | von | Finanzen

Einst hatte es nur zwölf Jahre gedauert, bis man sein Kapital mit Spareinlagen verdoppeln konnte. Nun muss man durchschnittlich 400 Jahre dafür warten.

Jährlich drei Milliarden Euro Verlust für Österreichs Sparer
Bild: pixabay.com / pictavio

In den 1990er-Jahren herrschte in Österreich ein Zinsniveau von durchschnittlich 7 bis 8 Prozent. Damals war es noch möglich, eingesetztes Kapital innerhalb von 12 Jahren zu verdoppeln. In der heutigen Zinssituation würde dies rund 400 Jahre dauern. Dies berichtet der Chef der Bank Austria Robert Zadrazil. 400 Jahre entsprechen in etwa 12 Generationen. Nachhaltiger Aufbau von Kapital mit heute vorherrschen Zinsen ist im Grunde gar nicht mehr möglich. Doch ist eine Besserung der Situation in Sicht? Die Antwort auf diese Frage ist „Nein“.

Auch für Österreicherinnen und Österreicher ist die Entwicklung der niedrigen Zinsen kein Geheimnis mehr. Rund 85% der ÖsterreicherInnen sind der Meinung, dass sich das Zinsniveau in den nächsten Jahren nicht ändern oder sogar verschlechtern wird. Zadrazil ist ferner der Meinung, dass Sparern auf Grund dieser Entwicklung seit 2012 rund 3 Milliarden Euro entgangen sind. Dennoch passen die ÖsterreicherInnen ihr Anlageverhalten nur sehr vage an. Die Inflation bewegt sich im Gegensatz zu den Zinsen leicht im positiven Bereich.

Die Meinung der ÖsterreicherInnen zu den unterschiedlichen Anlageformen

Das Sparbuch für eine attraktive Form der Anlage halten nur noch rund 39% der ÖsterreicherInnen, wohingegen dennoch 63% immer noch eines besitzen.

Ebenfalls sehen 39% der Menschen die Anlage in Immobilien als eine ansprechende oder zumindest interessante Möglichkeit eines Investments. Nur 21% investieren schlussendlich auch wirklich in Immobilien. Dies wird jedoch damit begründet, dass obgleich die Kreditzinsen aktuell sehr gering sind, es dennoch nicht jedem möglich ist, „so einfach“ in die eigenen vier Wände zu investieren. Hier spielen auch die steigenden Immobilienpreise eine entscheidende Rolle. Zadrazil zufolge sind diese in den letzten Jahren um 94%, in Wien sogar um 170% gestiegen.

Eine weitere, immer noch halbwegs attraktive und beliebte Form der Anlage ist das Bausparen. Nur 33% sehen diese Anlageform als interessant an, dennoch besitzen 44% aller ÖsterreicherInnen zumindest einen Bausparvertrag.

Aktien und Fonds treffen in Österreich größtenteils auf Widerspruch bzw. Zurückhaltung, denn nur 26% schätzen diese Anlageform als interessant ein, nur 19% investieren tatsächlich in Aktien oder Fonds. Die Ansicht, die Investition in Wertpapiere wäre reine Spekulation, ist eine sehr weit verbreitete Meinung. Zadrazil betont jedoch, dass es sich bei Wertpapierinvestment keineswegs um reine Spekulation handle. Es würde nur einen entsprechend langen Anlagehorizont brauchen, um die Verlustwahrscheinlichkeit zu minimieren.

aktualisiert: 10.10.2019, 10:47 Uhr
Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

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