08.10.2019, 11:49 Uhr | von | Wirtschaft

Dem Konzern IKEA droht eine Nachzahlung an Steuern im Millionenbereich, da IKEA durch Zweigniederlassungen versucht hat, Steuern zu sparen. Aufgedeckt wurde dies von der niederländischen Regierung.

IKEA ist nicht nur für Möbel und Dekorationen bekannt, sondern auch als weltoffenes und freundliches Unternehmen, da Jede und Jeder sogleich per Du angesprochen wird. Seit Jahren wird jedoch von Seiten der Grünen und NGOs im Europäischen Parlament Kritik geübt. Grund hierfür ist, dass IKEA eine aggressive Steueroptimierungsform verfolgen soll. Dieses Vorgehen hat jetzt Folgen für IKEA. Laut Insidern stehe die EU-Kommission kurz vor dem Abschluss der Ermittlungen gegen das schwedische Unternehmen. Eine Steuernachzahlung in Millionenhöhe droht nun in den Niederlanden.

Berichte der Grünen

Im Jahre 2016 nahm der Fall durch einen Bericht der Grünen seinen Start. Aus dem Bericht geht hervor, dass IKEA eine Firmenstruktur benutzt, die länderübergreifend ist, um die Steuerlast enorm zu reduzieren. Auf diese Weise soll sich IKEA Hunderte Millionen Euro erspart haben. Der Hauptfokus liegt auf der Inter Ikea Systems BV, eine niederländische Gesellschaft. Alle 370 Möbelhäuser des Franchiseunternehmens mussten 3% ihrer Verkaufserlöse an die niederländische Gesellschaft abführen. Diese Abfuhr stelle eine Pauschale zur Benutzung des Markennamens dar und schmälere damit die Firmengebühren der jeweiligen Länder. Solche sogenannten Lizenzgebühren sind nichts Ungewöhnliches.

Spannend ist jedoch, wie IKEA weiter handelte. In weiterer Folge wurde nämlich der größte Teil des Geldes wiederum aus dem Land geschafft. Letztendlich wurden große Teile dieser Gelder im Endeffekt nirgendwo besteuert.

Verbindungen zu Holland

Die Niederlande gilt als eine der größten Steueroasen innerhalb der EU und auch weltweit. Laut Finanzwissenschaftern bieten sich die Niederlande als internationale Drehschiebe vor allem für Firmen Holdings an. Diese sind letztlich nur dafür da, um Geldflüsse der verschiedenen Unternehmen steuerschonend weiterzuleite. Bei Untersuchungen kam heraus, dass große deutsche Konzerne nicht, wie man annehmen mag, Gewinne häufig auf die Cayman Islands verschieben, sondern meistens in die Niederlande. Diese Rolle des Landes wird jedoch innerhalb der EU sehr selten diskutiert.

Ein konzerninterner Kredit wird hierfür verwendet. Die Gesellschaft aus Holland hatte 2012 ein 5,4 Milliarden Euro schweres Darlehen von einer anderen in Liechtenstein ansässiger IKEA-Gesellschaft Interogo bekommen. Die niederländische Gesellschaft zahlt mit den Einnahmen dieses besagte Darlehen ab, was wiederum den besteuerbaren Gewinn deutlich schmälert.

Der Konzern selbst widerspricht den Vorwürfen und ist der Meinung, die Steuern gezahlt zu haben, welche zu bezahlen waren.

Richard Baidinger
Email: rb@finanz.at
Redakteur, Ressort Wirtschaft und Finanzen
Experte für Wirtschaft und Finanzen
Redaktion | Kontakt | Wien
Richard Baidinger ist Experte und Redakteur für Bank- und Finanzwirtschaft aus Wien.

Schlagwörter:

IkeaSteuernNachzahlung

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