14.03.2020, 09:36 Uhr | von | Wirtschaft

Die Bundesregierung präsentiert in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit den Sozialpartnern die Pläne für ein wirtschaftliches Hilfspaket für betroffene Unternehmen vor. Das Hilfspaket beziehungsweise der Corona-Hilfsfonds wird vorerst vier Milliarden Euro beinhalten.

Corona-Hilfsfonds: 4 Milliarden Euro an Hilfspaket für Wirtschaft in Österreich
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Vier Milliarden Euro für die Wirtschaft

Der Corona-Hilfsfonds wird vorerst vier Milliarden Euro beinhalten. Ziel sei, die Liquidität der Unternehmen sicherzustellen. Eine Kreditgarantie sei gegeben. Das Hilfspaket für die Wirtschaft soll verhindern, dass weitere Arbeitsplätze verloren gehen und Unternehmen durch die Umsatzverluste pleitegehen.

Möglich soll die Entlastung für Unternehmen - vor allem auch für KMUs und Einzelunternehmen - durch Steuerstundungen, Stundungen der Sozialversicherungsbeiträge oder auch Kreditgarantien sein, so Vizekanzler Kogler.

Finanzminister Gernot Blümel kann daher für das Budget keinen "ausgeglichenen Haushalt" mehr präsentieren. "Von Sparen im System kann keine Rede mehr sein", so Blümel. "Es muss ausreichend Geld für die Gesundheit der Menschen in Österreich da sein und wir müssen Arbeitsplätze sichern." Das Sondergesetz für den Corona-Hilfsfonds soll demnächst im Nationalrat beschlossen werden. Es wird daher keine Mahnzinsen für Steuerzahlungen geben. Zudem sollen alle Stundungen akzeptiert und die Herabsetzung von Steuervorauszahlungen möglich sein.

Auch die Mittel für die Kurzarbeit sollen auf 400 Millionen Euro aufgestockt werden. Dafür soll es ein Corona-Kurzarbeits-Modell geben. "Es gibt viele Menschen, die sich derzeit zurecht Sorge um ihren Arbeitsplatz machen", so Bundeskanzler Sebastian Kurz im Rahmen der Pressekonferenz. Die Sicherung der Arbeitsplätze sei daher besonders wichtig.

Vorgestellt wurde das Paket von Kanzler Kurz und Vizekanzler Kogler gemeinsam mit Finanzminister Gernot Blümel, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer.

Maßnahmen für Handel ab Montag

Der Handel muss mit Montag landesweit gänzlich geschlossen werden. Das betrifft etwa Geschäfts im Einzelhandel, ausgenommen sind Supermärkte, Apotheken, Banken, Drogerien oder Mobilfunkanbieter. Der Lebensmittelhandel bleibt jedenfalls geöffnet. Hamsterkäufe oder das Abheben von Bargeld sei daher nicht notwendig. Die Gastronomiebetriebe müssen ab Montag spätestens um 15:00 Uhr in ganz Österreich ausnahmslos geschlossen werden.

Skigebiete geschlossen, Wintersaison landesweit beendet

In Tirol und Salzburg werden ab dem Wochenende alle Skigebiete geschlossen, die Skisaison damit für beendet erklärt. Man rechnet derzeit mit rund zehn Prozent Umsatzeinbußen durch die vorgezogene Schließung in den Wintertourismusregionen.

Laut Franz Hörl, Landesobmann des Tiroler Wirtschaftsbundes, rechnet man bis Ostern in Tirol mit Verlusten für den Tourismus von 150 bis 200 Millionen Euro pro Woche bis Ostern -insgesamt rund 800 Millionen Euro. Das berichtet die Tiroler Tageszeitung am Samstag.

Hilfspaket für betroffene Unternehmen

Bundeskanzler Sebastian Kurz hat am Freitag im Rahmen der Pressekonferenz um 14:00 Uhr angekündigt, ein rasches und erstes Hilfspaket für die unter der derzeitigen Krise leidenden Unternehmen schnüren zu wollen. Die geplanten Hilfsmaßnahmen sollen der „Sicherung von Standort und Beschäftigung“ dienen. Auch die Arbeitszeitflexibisierung für Arbeitnehmer soll erweitert werden, um Kündigungen zu vermeiden und die Arbeitsplätze zu sichern. Die Pressekonferenz zum Hilfspaket kann ab 10:55 Uhr live in ORF 2 verfolgt werden.

Eine realistische Berechnung der Auswirkungen auf die Konjunktur in Österreich ist laut Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO noch nicht möglich. Diese sei frühestens Ende März möglich, da sich die Situation derzeit beinahe täglich ändert.

Auch Deutschland reagierte am Freitag bereits mit der Ankündigung Unternehmen unbegrenzte Kredite gewähren zu wollen.

Immer mehr Arbeitslose durch Covid-19 in Österreich

Immer mehr Unternehmen kündigen seit Tagen nach und nach Mitarbeiter, die sich daraufhin beim Arbeitsmarktservice arbeitslos melden. Bereits Ende dieser Woche wurden unzählige neue Anträge beim AMS gestellt. Am Montag rechnet man derzeit mit mehreren tausend neuen Anträgen.

Der Salzburger Hotelier Georg Imlauer hat dazu am Freitag gefordert, die Regierung sollte ermöglichen, dass Betriebe nun alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sofortiger Wirkung kündigen oder in Kurzarbeit schicken können sollen. Die Krise bringe den Tourismus laut dem Sprecher der Salzburger Hotellerie, an die Grenzen der Existenz. Imlauer fordert zudem Soforthilfe für betroffene Tourismusbetriebe.

Hinweis: Das AMS informiert auf ams.at, wie sich Arbeitnehmer und Arbeitslose in der aktuellen Situation verhalten sollten.

Viele Unternehmen, allen voran die AUA, haben ihre Mitarbeiter bereits zu großen Teilen in Kurzarbeit geschickt. In welchem Ausmaß die Kurzarbeit seitens des Arbeitsmarktservice gestützt werden wird, ist noch nicht endgültig berechnet. Experten rechnen jedenfalls mit Mehrkosten im dreistelligen Millionenbereich.

Home Office ermöglichen

Bundeskanzler Kurz rief am Freitag abermals alle Unternehmen dazu auf, sofern möglich, Mitarbeiter in Tele-Working bzw. Home Office zu schicken. Arbeitnehmer sollen dadurch im geschützten Umfeld mit einem Minimum an sozialen Kontakten arbeiten und sich um die Versorgung und Betreuung der Kinder kümmern können.

Weitere Informationen für Unternehmen und Arbeitnehmer:

aktualisiert: 14.03.2020, 11:23 Uhr
Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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