07.06.2019, 09:00 Uhr | von | Wirtschaft

Die Staus und langen Grenzwartezeiten an Österreichs Grenze kosten Autofahrer nicht nur Nerven, sondern der Wirtschaft mehrere Millionen Euro pro Tag. Dennoch will das Bundesministerium für Inneres (BMI) die Grenzkontrollen zu Ungarn und Slowenien fortführen. Und das obwohl Intensivkontrollen der Wirtschaft Zusatzkosten von bis zu 12 Millionen Euro täglich bescheren.

Grenzwartezeiten: Staus wegen Grenzkontrollen kosten täglich bis zu 12 Millionen Euro
Bild: pixabay.com / nile

Am kommenden Pfingstwochenende und den in wenigen Wochen folgenden Sommerferien werden wieder unzählige Staus an Österreichs Grenzen erwartet. Vor allem durch die immer noch aufrechten Grenzkontrollen nach Ungarn und Slowenien, sowie in andere Nachbarländer kommt es weiterhin zu lange Grenzwartezeiten.

Kosten sind enorm

Wie die Kurzstudie der WU Wien "Auswirkungen potentieller Grenzkontrollen auf die österreichische Transportwirtschaft" bereits 2018 gezeigt hat, ist mit wirtschaftlichen Folgen in Millionenhöhe pro Tag zu rechnen.

Das Ergebnis der Studie von Univ.-Prof. Dr. Sebastian Kummer, Mag. Mario Dobrovnik, MSc (WU) und Daniela Fassl, MSc zeigt, dass beispielsweise die Kontrollen an den Grenzen zu Ungarn und Slowenien - hier wird von Österreich aus kontrolliert - alleine Kosten von 1,17 Millionen Euro pro Tag verursachen. Die Autobahngrenzübergänge A4 Nickelsdorf, A9 Spielfeld und A11 Karawankentunnel sowie insgesamt 13 Grenzübergange am niederrangigen Verkehrsnetz sind für diesen wirtschaftlichen Schaden verantwortlich.

12 Millionen Euro täglich bei Intensivkontrollen

Insgesamt wurden an allen Grenzübergangen von und nach Österreich im hochrangingen und niederrangigen Verkehrsnetz gemeinsam Mehrkosten von 12,2 Millionen Euro täglich bei Intensivkontrollen errechnet. Der dafür angenommene Basis-Durchschnittwartezeit am hochrangigen Netz (HR) sind 90 Minuten Wartezeit pro KFZ. Von den 12,2 Millionen Euro entfallen 6,6 Mio. Euro auf den LKW-Verkehr und 5,6 Mio. Euro auf PKW.

Stichproben und Dauerkontrollen erreichen täglich immerhin noch 5,6 Millionen Euro an Mehrkosten. Dabei wurden laut Studie 80% aller KFZ am hochrangingen und 40% aller KFZ am niederrangigen Netz gerechnet. Die Zusatzkosten teilen sich hier in 3,2 Millionen Euro im Bereich der LKW-Verkehre und 2,4 Euro im Bereich der PKW-Verkehre auf.

Speditionen ärgern sich über Zusatzkosten

Wie die Studie der WU Wien zeigt, sind die Kosten für LKWs bei langen Wartezeiten deutlich höher, als für PKW. Die Kosten für LKW liegen dabei deutlich höher, als die der PKW. Auch die Speditionen beklagen diese wirtschaftlichen und finanziellen Schäden. Alleine die Salzburger Frächter beziffern die Mehrkosten pro Werktag auf rund 560.000 Euro.

Eine Anfrage beim Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) ergab, dass diese Zusatzkosten auch einen Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt haben können. Laut einer Studie von Felbermayr et al. (2015) - würde das BIP dadurch jährlich um bis zu 210 Millionen Euro reduziert werden.

"Eine Abkehr vom Schengen-Abkommen mit der Annahme von Personenkontrollen an allen Grenzen auf der Balkan- und der Italien-Route (Szenario 3) würde das reale österreichische BIP um zwischen 80 Mio. Euro und 210 Mio. Euro pro Jahr im Vergleich zum Status quo (bzw. zwischen 0,02% und 0,06% der jährlichen Wirtschaftsleistung) reduzieren." - so die Studie von Gabriel Felbermayr, Jasmin Gröschl und Thomas Steinwachs.

BMI hält Grenzkontrollen dennoch aufrecht

Das Bundesministerium für Inneres, dem seit kurzem Wolfgang Peschorn als neuer Innenminister vorsteht, zieht ein Ende der Grenzkontrollen zu Ungarn und Slowenien derzeit nicht in Betracht. "Die auf gesetzlicher Grundlage durchgeführten österreichischen Grenzkontrollen nach Slowenien und Ungarn wurden im Mai 2019 um weitere sechs Monate verlängert. Derzeit ist hier keine Änderung vorgesehen.", so Ressortsprecher des Bundesministeriums für Inneres, Christoph Pölzl.

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte als Finanzexperte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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