05.08.2020, 10:30 Uhr | von | Arbeitnehmer
Umfrage: Kurzarbeit kommt gut an, Corona-Hilfe eher schlecht
Bildquelle: Finanz.at | Kurzarbeit-Umfrage

Die Mehrheit der Österreicher beurteilt die Corona-Kurzarbeit als sehr positiv. Die finanzielle Corona-Hilfe der Regierung kommt hingegen deutlich schlechter bei der Bevölkerung an. Hauptgrund dafür ist die langsame Abwicklung.

Bisher haben bereits 84.100 Unternehmen in Österreich die Auszahlungen für Kurzarbeit erhalten. In Summe betragen diese Zahlungen bis Ende Juli 4,1 Milliarden Euro. Budgetiert wurden insgesamt 12 Milliarden Euro. Das Budget wurde zwar erst im Mai auf diese Summe erhöht, man rechnet jedoch lediglich mit maximalen Kosten von sechs Milliarden Euro.

Deutlich weniger Firmen beantragen eine Kurzarbeitsverlängerung als zuvor angenommen. "Die Verlängerungsanträge liegen weiterhin deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen", erklärt das Arbeitsministerium am Dienstag.

Umfrage: Kurzarbeit gut, Corona-Hilfe zu wenig

31 Prozent der Befragten finden das Kurzarbeitsmodell der Regierung während der Coronakrise positiv - sie beurteilen es als "gut". Als Hauptargument wird die Sicherung des Arbeitsplatzes genannt. Immerhin 29 Prozent der Befragten bewerten die Kurzarbeit als "OK". Damit gibt eine deutliche Mehrheit der Arbeitnehmer ein positives Urteil ab. Nur rund ein Drittel beurteilt sie als "eher schlecht".

Bei der Corona-Hilfe sind die Österreicher gehen die Meinungen weiter auseinander. Die Hilfen aus dem Familienkrisenfonds, dem Härtefallfonds oder dem Fixkostenzuschuss sind zwar grundsätzlich gut, der Ablauf der Auszahlung wird jedoch nicht von allen Österreichern als positiv empfunden. Unter dem Motto "koste es, was es wolle" wurde im März eine Soforthilfe präsentiert, die nicht bei allen Bürgern "schnell und unbürokratisch" angekommen ist.

54,5 Prozent der Österreicher finden die Corona-Hilfe "eher schlecht". Der Hauptgrund dafür sei laut Umfrage die langsame und komplexe Abwicklung der Anträge.

Budgetloch gestiegen - Finanzielle Hilfe fließt nur langsam

Im ersten Halbjahr 2020 - also dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie - wurden 2,9 Milliarden Euro für die Kurzarbeit augezahlt. 6,3 Milliarden Euro machten laut BMF die bewilligten Steuerstundungen aus und weitere 400 Millionen Euro wurden aus dem Härtefallfonds ausbezahlt. Budgetiert wurden dafür insgesamt 50 Milliarden Euro - immerhin 38 Milliarden Euro für Zuschüsse, Garantien und Stundungen.

Das Budgetloch ist im ersten Halbjahr stark gestiegen. Der Bund hat in diesem Zeitraum 34,2 Milliarden Euro eingenommen - das sind um 4,5 Milliarden Euro (zwölf Prozent) weniger als im ersten Halbjahr 2019. Die Staatsausgaben sind hingegen massiv angestiegen - es wurden um 5,9 Milliarden Euro mehr ausgegeben als im Vorjahreszeitraum.

Leichte Entspannung am Arbeitsmarkt

Aktuell sind in Österreich 450.143 Personen in Kurzarbeit angemeldet. Im Vergleich zur Vorwoche ist das ein Rückgang von immerhin 24.461 Arbeitnehmern. Die Branchen mit dem höchsten Anteil an Kurzarbeit sind derzeit noch die Warenherstellung (Industrie und Gewerbe) mit rund 180.000 Personen, der Handel mit rund 67.000 und der Tourismus (Beherbergung und Gastronomie) mit rund 48.000. Am Höhepunkt der Coronakrise in Österreich waren im Frühjahr etwa 1,3 Millionen Arbeitnehmer landesweit in Kurzarbeit.

Neben den Kurzarbeitszahlen sinkt auch die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen in den letzten Wochen. Trotzdem befindet sich Österreich noch immer in einer Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise. "Aufgrund der Corona-Pandemie befinden wir uns in einer Weltwirtschaftskrise, deren Auswirkungen noch längere Zeit am Arbeitsmarkt spürbar sein werden", berichtet Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Die Zahlen deuten jedoch darauf hin, dass man auf dem richtigen Weg sei. Ein neuerlicher Anstieg der Arbeitslosen- und Kurzarbeitszahlen wird laut Experten für Herbst erwartet.

Neues Kurzarbeitsmodell ab September

Ende Juli haben sich die Sozialpartner gemeinsam mit der Bundesregierung auf ein neues Corona-Kurzarbeitsmodell geeinigt. Das bisherige Modell wird mit September auslaufen. Im neuen Kurzarbeitsmodell ist weiterhin eine Ersatzrate von 80 bis 90 Prozent des letzten Gehalts vorgesehen. Die Arbeitszeit wird jedoch von bisher mindestens zehn auf nunmehr 30 Prozent angehoben.

Umfrage: finanz.at (n=510)

Mehr Informationen: Kurzarbeit

Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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