18.03.2020, 12:00 Uhr | von | Wirtschaft

Von der Corona-Krise und den drastischen, jedoch notwendigen Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Virus Covid-19 ist auch die Wirtschaft in Österreich massiv betroffen. Unternehmen und Arbeitnehmer müssen landesweit finanzielle Einbußen erleiden. Das müssen Unternehmen und Selbstständige über die Hilfsfonds und Entlastungen wissen.

Corona-Hilfe - Was betroffene Unternehmen jetzt tun können
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Hilfe für betroffene Unternehmen

Update: 18.03.2020, 12:58 Uhr

Die Bundesregierung hat gemeinsam beschlossen, dass es in Österreich 38 Milliarden Euro an Hilfe für Arbeitnehmer und Unternehmen geben wird. Neun Milliarden Euro sollen an Garantien und Haftungen,um Kredite abzusichern bereitgestellt werden. Weitere 15 Milliarden Euro als Notfallpaket, zehn Milliarden Euro an Steuerstundungen.

Kanzler Kurz stellt diese Maßnahmen heute im Rahmen des Pressefoyers nach dem Ministerat gemeinsam mit Vizekanzler Kogler und Finanzminister Blümel vor. Man wolle "alles tun, was notwendig ist", um diese Krise zu überwinden und Arbeitsplätze und Liquidität sicherzustellen.

---

Neben der Bundesregierung unterstützen auch Länder, Gemeinden und die Sozialpartner heimische Unternehmen und Arbeitnehmer in der Corona-Krise. Das müssen Betriebe nun wissen:

Schlüsselarbeitskräfte

Aufgrund der derzeit landesweit durchgeführten Kontrollen der Exekutive, sollten Schlüsselarbeitskräfte - etwa Arbeitnehmer in der kritischen Infrastruktur oder Versorgung - eine Bestätigung mit sich führen. Diese kann vom Arbeitgeber ausgestellt werden. Die Wirtschaftskammer stellt daher kostenlos eine Bestätigung für Schlüsselarbeitskräfte zum Download zur Verfügung.

Die Wirtschaftskammer Österreich stellt zudem auf ihrer Website wko.at alle Informationen rund um die Corona-Krise für Firmen in Österreich zur Verfügung.

Sozialversicherung

Die Sozialversicherungsanstalt unterstützt Unternehmen bei möglichen Stundungen oder Ratenzahlungen der Sozialversicherungsbeiträge. Zudem ist das Herabsetzung der vorläufigen Beitragsgrundlage und das gänzliche oder teilweise Aussetzen der Verzugszinsen möglich.

Die Kundencenter und Geschäftsstellen wurden bis auf weiteres geschlossen. Die Online-Services und Formulare stehen daher auf svs.at zur Verfügung.

Steuern - Einkommensteuer und Körperschaftsteuer

Das Finanzministerium ermöglicht allen von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Österreich ein Herabsetzen oder Stunden von Steuerzahlungen. Darunter fallen Zahlungen der Körperschaft- und Einkommensteuer. Unternehmen können mittels Formular beim Finanzministerium folgende steuerliche Entlastungen beantragen:

Herabsetzung der Einkommensteuervorauszahlungen

Durch das Herabsetzen der steuerlichen Vorauszahlungen soll die Liquidität der Unternehmen gewährleistet werden. So können Einkommensteuer- und Körperschaftsteuervorauszahlungen bis auf null herabgesetzt werden.

Entfall von Anspruchszinsen

Die für Nachforderungen seitens der Finanz möglichen Anspruchszinsen können für Unternehmen entfallen.

Steuerstundungen

Als Zahlungserleichterung kann das Datum für die Zahlung einer Abgabe nach hinten geschoben werden. Auch Ratenzahlungen sind möglich. Die Stundungen könnten auch auf Sozialversicherungsbeiträge für Unternehmen ausgeweitet werden.

Säumniszuschläge

Die Säumniszuschläge für nicht fristgerecht getätigte Abgaben an das Finanzamt – etwa bei nicht einhalten des Fälligkeitstages – können herabgesetzt werden oder gänzlich entfallen.

Das Formular für die Coronahilfe kann online auf bmf.gv.at heruntergeladen werden. Das kombinierte Formular für von Covid-19 betroffene Unternehmen in Österreich kann via FinanzOnline oder per Email an corona@bmf.gv.at an das Finanzamt übermittelt werden.

Hilfsfonds

Die Bundesregierung stellt einen Corona-Hilfs Fonds von vorerst vier Milliarden Euro zur Verfügung. Dieser Fonds soll vom Coronavirus betroffene Unternehmen unterstützen. Finanzminister Gernot Blümel hat bereits eingekündigt, dass man "so viel Geld zur Verfügung stellen wird, wie benötigt wird". Eine Aufstockung des Hilfsfonds ist daher sehr wahrscheinlich.

Im Rahmen des Hilfsfonds und der Soforthilfe sollen auch Kreditgarantien gewährleistet werden. Eine Entschädigung in voller Höhe des Umsatzentfalls pro Unternehmen ist unwahrscheinlich. Genauere Informationen zum Hilfsfonds der Bundesregierung werden noch vorgestellt und folgen.

Härtefonds für KMU und EPS

Kleine und mittlere Unternehmen, sowie Kleinst- und Einpersonenunternehmen erhalten eine Hilfe in Form von Barzahlungen (Cash) aus einem vom Finanz- und Wirtschaftsministerium aufgelegten Härtefonds. Dieser soll in den nächsten Tagen zur Verfügung stehen. Die Cash-Zahlungen als Soforthilfe für kleine und mittlere Betriebe, sowie Einzelunternehmen sollen laut Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck nicht zurückgezahlt werden müssen und gelten damit nicht als Darlehen oder Kredit.

Genauere Informationen dazu werden folgen.

Kurzarbeit

Um Entlassungen und Kündigungen der Beschäftigten vorzubeugen, wurde das neue Kurzarbeitsmodell mit aufgestockten Mitteln von derzeit 400 Millionen Euro für das Arbeitsmarktservice beschlossen. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken möchten oder müssen, können sich direkt beim AMS für eine Vereinbarung dazu melden. Das neue Modell sieht auch Möglichkeiten zur befristeten Reduktion der Normalarbeitszeit auf bis zu null Prozent vor. Alle Informationen zur Kurzarbeit stellt das Arbeitsmarktservice Österreich auf ams.at zur Verfügung.

Die Bundesregierung richtet zudem einen Appell an alle Unternehmen, ihre Beschäftigten nicht automatisch zu kündigen, sofern nicht unbedingt notwendig. Als Alternative um auch die Arbeitnehmer in Beschäftigung zu halten, möchte man daher gemeinsam mit dem AMS jedem Betrieb die Möglichkeit der Kurzarbeit gewähren.

Unterstützung in den Bundesländern

Auch Gemeinden und Länder stellen ihren Unternehmen Soforthilfen zur Verfügung:

Wien

Die Wirtschaftskammer Wien und die Stadt Wien stocken den Notlagenfonds auf 20 Millionen Euro für Mietzuschüsse und zum Ausgleich von Umsatzausfällen auf. Alle Informationen auf wko.at.

Graz

Die Stadt Graz hat dazu ein Soforthilfe-Paket von drei Millionen Euro beschlossen. Weitere Informationen auf graz.at.

Kontakt für Unternehmen

aktualisiert: 18.03.2020, 12:58 Uhr
Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Steuern, Finanzen, Wirtschaft und Börse
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

Schlagwörter:

CoronaCoronavirusCovid-19UnternehmenWirtschaftHilfeSoforthilfeHilfsfondsArbeitnehmerKurzarbeitSteuernEntsc

Mehr Schlagzeilen