23.02.2021, 16:50 Uhr | von | Steuern
Kanzleramt gab 3,2 Millionen Euro für Babyelefant-Werbung aus
Bildquelle: Finanz.at (Montage) | Babyelefant

Die "Babyelefant"-Kampagne der Bundesregierung kostete insgesamt 3,17 Millionen Euro Steuergeld für Werbung in Print, TV und Co. Das Kanzleramt schweigt jedoch weiterhin über das Honorar der Werbeagentur.

Nach dem "Kaufhaus Österreich" von Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP), das mit immerhin 1,26 Millionen Euro an bisherigen Kosten immer wieder in der Kritik stand und von vielen als "Steuergeldverschwendung" bezeichnet wurde, wurden nun auch die Kosten für die Werbekampagnen rund um den "Babyelefanten" bekannt. Die "Babyelefant"-Kampagne, die dazu aufrief, Abstand zu halten, kostete insgesamt 3,17 Millionen Euro an Steuergeld. Das ergab eine Anfrage der NEOS-Mandatarin Henrike Brandstötter.

Die Ausgaben der Regierung für den "Babyelefanten" im Rahmen der sogenannten "Schau auf dich, schau auf mich"-Kampagne teilen sich demnach wie folgt auf:

  • Werbung in Printprodukten: 1.328.607,83 Euro
  • Werbung in audiovisuellen Medien (TV-Spots): 728.686,94 Euro
  • Werbung in Online-Medien: 700.788,47 Euro
  • „Out of Home“-Werbung auf Plakaten: 201.612 Euro
  • Werbung in Radio / Hörfunk: 194.776,01 Euro
  • Werbung in Sozialen Netzwerken: 21.607,66 Euro

Gesamtsumme: 3.176.079,00 Euro (exklusive Agenturhonorar)

Der Zweck der Kampagne sei es gewesen, "die Maßnahmen der Bundesregierung (Abstand halten) in Erinnerung zu rufen", erklärt man aus dem Kanzleramt, das dafür verantwortlich war.

Kanzleramt schweigt zu Honorar für Werbeagentur

Geschwiegen wird hingegen über das Honorar der Werbeagentur, die für diese Kampagne beauftragt wurde. Das Bundeskanzleramt verweist darauf, dass für die durch den Covid-19- Fonds finanzierte Werbe-Kampagne eine Mediaagentur zur Begleitung und Umsetzung der Aktivitäten durch Abruf der Leistungen aus einer Rahmenvereinbarung der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) beauftragt worden war.

Ministeranklage gegen Schramböck wegen "Kaufhaus Österreich"

Die nach wenigen Wochen des Scheiterns bereits wieder eingestampfte "werthaltige Plattform", wie Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) das "Kaufhaus Österreich" nennt, kostete immerhin 1,26 Millionen Euro. Die Webseite wurde vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer konzipiert und stolz präsentiert.

Die fehlerhafte Suchfunktion wurde nun wieder entfernt, stattdessen werden ab jetzt nur noch einige wenige Ratgeber-Texte dargestellt. Man möchte in Zukunft Trainings für Unternehmer anbieten, erklärte Schramböck in der ORF-Pressestunde vergangene Woche. Ob es bei den Kosten bisher bleiben wird, ist zudem noch unklar. Immerhin kostete alleine die technische Wartung der Webseite nach dem Online-Gang mehrere tausend Euro pro Monat.

Schramböck (ÖVP) - kaufhaus-oesterreich.at / APA / Finanz.at (Montage)
Schramböck (ÖVP) - kaufhaus-oesterreich.at / APA / Finanz.at (Montage)

Schramböck versuchte das Projekt - teilweise mit sehr skurrilen Argumenten, wie etwa dem großen Bekanntheitsgrad der "werthaltigen Plattform" - trotz des offenkundigen Scheiterns weiterhin vehement zu verteidigen.

Die SPÖ wird in der morgigen Nationalratssitzung aufgrund des gescheiterten Projekts eine Ministeranklage einbringen. Die Sozialdemokraten sehen den "Grundsatz der Haushaltsführung" verletzt und wollen prüfen lassen, "ob Untreue vorliegt".

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Daniel Herndler
Email: dh@finanz.at
Chef-Redakteur, Ressort-Leiter Steuern und Finanzen
Experte für Finanzen, Steuern, Wirtschaft, Arbeitnehmer
Redaktion | Kontakt | Twitter: @DanielHerndler | Salzburg
Daniel Herndler ist Wirtschaftsjournalist, Herausgeber und Chef-Redakteur des Nachrichtenportals Finanz.at. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Steuern, Finanzen und Wirtschaft.

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